Problem-Flughafen BER : Mehdorn und Amann streiten um die Lufthoheit

Beim BER fliegen keine Flugzeuge, sondern die Fetzen. Flughafen-Chef Mehdorn und Technik-Chef Amann streiten über den künftigen Kurs. Wie geht es weiter mit dem Problem-Airport?

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Flughafenchef Hartmut Mehdorn und Technik-Geschäftsführer Horst Amann streiten über die Eröffnungsstrategien für den neuen Großflughafen
Die Kontrahenten: Vorstandschef Hartmut Mehdorn (links) und Technik-Geschäftsführer Horst Amann.Fotos: dpa (2), Reuters; Montage: Daniel Streuber

Deutschlands unvollendeter Hauptstadt-Flughafen in Schönefeld bleibt eine Dauerbaustelle. Am Freitag tagte erneut der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Es war die letzte Sitzung unter Vorsitz des scheidenden brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD), die letzte vor der Bundestagswahl am 22. September. Eine Gesamteröffnung des Airports steht immer noch in den Sternen. Wenn am BER etwas fliegt, dann sind es zurzeit eher die Fetzen im Management. Doch Vorstandschef Hartmut Mehdorn scheint sich zumindest gegen Technikchef Horst Amann mit seinem Plan durchzusetzen, testweise wenigstens ab Frühjahr 2014 einige Flieger vom BER starten und landen zu lassen.

TEILERÖFFNUNG

Im vergangenen Jahr sollten Air Berlin und die Lufthansa mit einem effektvollen Parallelstart den BER eröffnen. Jetzt sollen die Ferienflieger Condor und Germania die ersten Flüge absolvieren. Statt in der edlen Haupthalle müssen die Passagiere im sogenannten Nordpier einchecken, das für Billigflieger konzipiert und spartanisch ausgestattet ist. Mehdorn will zunächst mit wenigen Passagieren einen Großteil der vernetzten Systeme testen. Die Anlagen im Nordpier, die später wieder ausgebaut werden müssen, sollen an das zentrale Rechnersystem angeschlossen werden. Mitziehen muss bei dieser Teileröffnung aber auch die Genehmigungsbehörde, weil die von Mehdorn vorgesehene Umnutzung eine Änderungsgenehmigung erfordert. Die Dauer des Verfahrens ist ungewiss.

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ERÖFFNUNGSTERMIN

Gewiss ist nur, dass ein Eröffnungstermin auch für den kompletten Flughafen weiter ungewiss ist. Inzwischen ist nicht einmal ausgeschlossen, dass der BER komplett erst 2016 betriebsbereit sein wird. Einen entsprechenden Bericht, der sich auf ein Siemens-Papier beruft, bezeichnete eine Firmensprecherin am Freitag als „Spekulation“. Wenn es 2014 mit einer scheibchenweisen Eröffnung à la Mehdorn losgeht, womit wieder drei Flughäfen in Betrieb wären – Tegel, der alte, angegraute frühere DDR-Flughafen Schönefeld und der Nordpier des BER-Terminals –, gilt ein Gesamtstart des BER vor 2015 inzwischen als ausgeschlossen. Offen ist sogar, wann überhaupt ein Termin verkündet werden kann. Mehdorn muss zwar bis zur Oktobersitzung des Aufsichtsrats – im Frühjahr war noch vom Spätsommer, dann vom Herbst die Rede – ein tragfähiges Gesamtinbetriebnahmekonzept vorlegen. Selbst wenn er das schafft, bedeutet das noch keine Festlegung. Der Aufsichtsrat will kein Risiko einer neuen Verschiebung eingehen. Platzeck hat bislang nur versprochen, einen Eröffnungstermin „noch in diesem Jahr“ zu benennen.

AUFSICHTSRATSSPITZE

Nach Platzecks Ausscheiden leitet sein Stellvertreter, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die Sitzungen, bis ein neuer Vorsitzender gefunden ist. Wenn wie vorgesehen der in der Staatskanzlei für den Flughafen zuständige Staatssekretär Rainer Bretschneider als „Brandenburger“ nachrückt, ist das Gremium wieder komplett besetzt. Sollte ein exzellenter externer Kandidat für den Vorsitz ausgeguckt werden, müsste ein Mitglied den Aufsichtsrat verlassen; wahrscheinlich dann ein Brandenburger Vertreter. Die Linken, die dort mit Finanzminister Helmuth Markov – Chef des BER-Finanzausschusses – und Wirtschaftsminister Ralf Christoffers vertreten sind, pochen allerdings auf ihre Mandate. Vor allem dem früheren Unternehmer Markov wird gesellschafterübergreifend bescheinigt, Ordnung in die desolaten BER-Finanzen hineinzubringen. Brandenburgs designierter Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) geht nicht in den Aufsichtsrat. Möglich wäre auch, dass Wowereit nach der Bundestagswahl offiziell wieder an die Spitze rückt, selbst wenn er sich nach außen bisher ziert. Aus dem Gremium ist er der Einzige, der infrage kommt. Der Minderheitsgesellschafter Bund favorisiert einen externen Fachmann.

UNTERNEHMENSSPITZE

In der Unternehmensspitze tobt zum Entsetzen der Anteilseigner ein offener Machtkampf: zwischen Hartmut Mehdorn, seit Frühjahr Vorstandschef, und dem Technik-Geschäftsführer Horst Amann, der seit Sommer 2012 im Amt ist. Es geht längst nicht mehr nur um zwei „Alphatiere“, die unterschiedlich ticken und nicht miteinander können. Inzwischen behindert, ja blockiert der Führungskonflikt das Krisenmanagement des BER. Das Tischtuch ist endgültig zerschnitten, seit Amann hinter dem Rücken von Mehdorn versucht hat, ein anderes Inbetriebnahmekonzept durchzusetzen, das jetzt im Aufsichtsrat durchgefallen ist. Damit ist noch wahrscheinlicher geworden, dass Amann bereits im Herbst, nach der Bundestagswahl, wieder gehen muss – mit einer deftigen Abfindung, denn sein Vertrag läuft bis 2017.

Mehdorn macht ihn auch für die „Schockstarre“, für den Zeitverzug seit der geplatzten BER-Eröffnung am 3.Juni 2012 verantwortlich. Mehdorn drängt mit seinem Programm „Sprint“, macht Druck, doch mehrfach platzten an Amann gesetzte Fristen: So sollte diese Woche der Bauantrag für Umbauten im Nordpier gestellt werden, was nicht geschah. Baufirmen warten immer noch auf Pläne. Und die Sanierung der Nordbahn könnte, anders als Amann angenommen hatte, um rund 100 Millionen Euro billiger werden, weil die Bahn besser in Schuss zu sein scheint als gedacht.

Amann hatte zahlreiche Vertraute mitgebracht, andererseits mit öffentlichen falschen Aussagen – wie der, im Terminal gehe das Licht nicht aus, die Rohrleitungen müssten neu gedämmt werden – intern Kopfschütteln ausgelöst. Doch auch Mehdorn, der Impulsive, der Ungeduldige, macht sich mit seinem ständigen Vorpreschen nicht beliebt.

BAUFORTSCHRITT

Die Bauarbeiten ruhen nun schon mehr als ein Jahr. Sie wurden im Mai 2012 weitgehend eingestellt, als klar war, dass der vorgesehene Eröffnungstermin 3. Juni 2012 nicht zu halten war. Immerhin ist wenigstens der Bauzaun zum Teil entfernt, auch die meisten Baucontainer sind verschwunden. Ein klein wenig sind sogar die Arbeiten vorangekommen: Inzwischen lassen sich von den über 5000 Türen immerhin rund die Hälfte steuern. Und das zentrale LAN-Funksystem, über das alle 106 Einzelsysteme laufen, wird derzeit beim Lieferanten in den USA getestet. Nur mit der Brandschutzanlage ist man nicht viel weiter. Dabei hatte Technik-Geschäftsführer Amann bereits im November 2012 ein Programm verkündet, die Probleme zu beheben, etwa einen Umbau, dass die Entrauchung nicht mehr geschossübergreifend erfolgt. Siemens, bereits für die Entrauchung zuständig, übernimmt nun auch die Systeme für die Frischluftzufuhr (bislang: Bosch).

TEGEL

In der Luft hängen durch die Ungewissheit um den BER auch die Anwohner in Tegel. Sie müssen weiter den Krach ertragen, der vor allem in den frühen Nachtstunden zugenommen hat. Der Umzug nach Schönefeld wird erst erfolgen, wenn die Anlagen dort tatsächlich funktionieren. Damit der Flughafen weiter durchhält, investiert die Flughafengesellschaft nochmals rund 17 Millionen Euro. Zusätzlichen Schallschutz erhalten die Anwohner nicht.

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