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Protest am Flughafen Tegel : Bundespolizei: Niemand wurde abgeschoben

Wende im Abschiebe-Drama: Am Flughafen Tegel protestierten am Montagabend dutzende Menschen gegen die Abschiebung eines Mannes nach Pakistan. Doch wie nun bekannt wurde, saß in der Maschine niemand, der abgeschoben werden sollte.

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Protest gegen Abschiebungen am Flughafen Berlin-Tegel
Protest gegen Abschiebungen am Flughafen Berlin-TegelFoto: Kietzmann

Wie nun die Bundespolizei bekannt gab, wurde am Montagabend niemand nach Pakistan abgeschoben. Wegen einer Protestaktion gegen diese angebliche Abschiebung eines Mannes hatten am Flughafen Tegel dutzende Menschen demonstriert. Es kam zu einem Großeinsatz der Polizei, bei der es zu insgesamt 20 Anzeigen kam; laut Polizei gab es aber keine Festnahmen. Das Ziel der Demonstranten, die von ihnen angenommene Abschiebung zu verhindern, wurde hingegen verfehlt. "Die Demonstranten konnten den Abflug der Maschine nicht verhindern", sagte der Flughafenchef Lars Wagner. Das Flugzeug der Katar Airlines hob im Zeitrahmen – gegen 23.45 – Uhr Richtung Doha ab.

Die Protestaktion hatte am Abend für Chaos und einen Großeinsatz der Berliner Polizei geführt. "Es tut uns wirklich leid, aber Sie müssen es mit Laufen versuchen." Diese Auskunft bekamen Passagiere am Montagabend von der Flughafenauskunft Tegel – die Zufahrtstraße zum Airport war nämlich dicht, Aktivisten blockierten rund eine Stunde lang die Straße. Mit einer mehrstündigen spontanen Protestaktion hielten bis in den späten Abend insgesamt rund 70 Protestler 80 Beamte der Landespolizei sowie die Bundespolizei und die Flughafenmitarbeiter in Atem.

Polizei ermittelt wegen Nötigung im Straßenverkehr

Ab 19.47 Uhr Uhr mussten sich Fluggäste zu Fuß den Weg über den Autobahnzubringer und die Schräge rauf zum Terminalgebäude bahnen. Taxifahrer ließen Fahrgäste weit vor dem Flughafengebäude heraus. Die Polizei ermittelt nun wegen Nötigung im Straßenverkehr, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Die Flughafengesellschaft erbat beim Senat eine Sondergenehmigung, im Sinne der Passagiere statt bis um 23.30 Uhr bis um 24 Uhr starten zu dürfen – diese wurde erteilt. Bei mehreren Flügen kam es zu Verspätungen - teilweise um bis zu 40 Minuten.

Protestler rangelten sich mit der Polizei

Immer wieder liefen derweil die Protestler von der Straße ins Terminalgebäude und zurück, es gab auch Rangeleien mit der Polizei. Im Tunnel zum Flughafen hielten eng an eng stehende Protestler Plakate hoch, im Stile der "Femen" war auch ein nackter Mann unterwegs. Auch über das Internet war dazu aufgerufen worden, „am besten in Kleingruppen und wenig auffällig“ nach Tegel zu kommen. Treffpunkt war auch das „Rückführungsgefängnis“ - mit detaillierter Ortsangabe. Zudem wurde zu Aktionen wie folgender aufgefordert: Aktivisten sollten die Passagiere des Fluges beim Check-In über die geplante Abschiebung informieren. In einem Aufruf hieß es: „Sie können diese verhindern, wenn Sie dem Piloten/der Pilotin mitteilen, dass Sie um ihre eigene Sicherheit fürchten. Die Pilotin hat das Recht, sich zu weigern, Flüchtlinge mitzunehmen. Ein Gespräch mit dem Piloten kann erwirkt werden durch die Weigerung, sich hinzusetzen oder das Handy auszuschalten.“ Das Ansinnen, die Crew nicht zum Flugzeug gelangen zu lassen, erreichten die Aktivisten nicht. (mit Robert Wagner)

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