Prozess : Rapper vor Gericht

Sie drohen Politikern, wollen Polizisten die Eingeweide herausreißen und Schwule kastrieren. Zumindest in ihren Liedtexten. Dafür müssen sich nun drei Rapper des Berliner „Hirntot“-Labels verantworten.

Bei den Angeklagten soll es sich um die Sänger Björn D. bekannt als Blokkmonsta, Tomasz M. alias Uzi und Raphael B. alias Schwartz handeln. Ihre Texte verstoßen gegen das Strafgesetzbuch, meint die Staatsanwaltschaft. Im Sommer soll die Gerichtsverhandlung gegen die Musiker am Amtsgericht Tiergarten stattfinden, sagte Gerichtssprecherin Iris Berger gestern dem Tagesspiegel.

Ein solcher Prozess gegen Mitglieder der Rapper-Szene sei neu. Bisher seien ihr ähnliche Strafverfahren nur aus der rechten Szene bekannt, sagte Berger. 2003 etwa wurde ein Musiker der Berliner Neo-Nazi-Band „Landser“ wegen Volksverhetzung verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den 22- bis 26-jährigen „Hirntot“-Musikern unter anderem vor, öffentlich zu Straftaten aufzurufen. Insgesamt sollen sie sich sechs Straftaten schuldig gemacht haben – von der Beleidigung bis zur Volksverhetzung. So sollen die Beschuldigten auch eine CD veröffentlicht haben, auf der die grausame Tötung von Polizisten beschrieben wird. Den Sängern könnten teilweise nun bis zu fünf Jahren Haft drohen, sagte Berger.

Die Ermittlung gegen die Rapper hatte bereits im vergangenen Juli begonnen. Damals hatte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) die Wohnungen der drei durchsucht. Bei der Razzia stellten die Polizisten ein Maschinengewehr AK 47 mit Magazin, aber verschlossenem Lauf, eine Pistole und über 200 Gewehrpatronen im Patronengürtel sicher.

Aufmerksam auf das Label war die Staatsanwaltschaft damals wegen eines Videoclips über die ehemalige Vorsitzende des Bundesmedien-Ausschusses, Monika Griefahn (SPD), geworden. Griefahn hatte gewaltverherrlichende Raptexte kritisiert. In dem Videoclip sollen die Beschuldigten Griefahn mit dem Tode bedroht haben. (küs)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben