Prozess : Wer ist "El Presidente" wirklich?

Die wahre Identität des mutmaßlichen Drogenhändlers "El Presidente" beschäftigt das Amtsgericht Tiergarten. Der selbsternannte "Kiez-König" muss sich in dem Prozess wegen Urkundenfälschung und Falschbeurkundung verantworten.

Berlin - Er soll im September 2001 beim Landeseinwohneramt eine gefälschte arabische Bescheinigung vorgelegt haben. Das Dokument soll vom Libanon "legalisiert" und von der deutschen Botschaft gegengezeichnet gewesen sein. Gleichzeitig soll er sich bei der Ausländerbehörde als Staatenloser eine Duldung erschlichen haben, um seine Abschiebung zu verhindern.

Der Angeklagte, der vor 24 Jahren nach Deutschland kam, soll hier unter den Alias-Personalien Mahaiddine Al-Z., geboren 1966 in Beirut, gelebt haben. Auch im Prozess stellte er sich unter diesem Namen vor und gab an "kurdischer Libanese" zu sein. Zum Tatvorwurf wollte der gelernte Tischler keine Angaben machen. "Aber sein Name ist ja schon der Tatvorwurf", betonte sein Verteidiger.

Erste Vaterschaft im Alter von neun Jahren?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei dem Angeklagten um den 1972 in der Türkei geborenen 34-jährigen Mahmut U. handelt und beruft sich dabei auf das türkische Personenstandsregister. Danach war dem Angeklagte erst am 13. Februar 2002 die türkische Staatsbürgerschaft aberkannt worden.

Verteidiger Andreas Wattenberg vermutet, dass der Angeklagte ausgebürgert wurde, weil er keinen Wehrdienst geleistet hat. Grundsätzlich zweifelt der Anwalt die türkische Identität seines Mandanten an. "Danach müsste er mit neun Jahren das erste Mal Vater geworden sein", sagte der Anwalt.

Von der Eintragung im türkischen Personenstandsregister habe sein Mandant nichts gewusst. Diese Eintragung brauche auch nicht von dem Betroffen, sondern könne auch "ohne Vorlage von Unterlagen" von Familienangehörigen vorgenommen werden, erklärte der Verteidiger am Rande des Prozesses.

Das Großverfahren um Drogenhandel gegen den so genannten Kiez-König und weitere neun Angeklagte war Ende Juni nach dreimonatiger Verhandlung wegen der Besorgnis der Befangenheit des Gerichts geplatzt und soll am 27. September neu beginnen. Das Verfahren um seine Identität wird nächsten Freitag fortgesetzt. (tso/ddp)

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