Public Viewing zur Fußball-WM 2014 : Ein Wohnzimmer im Stadion des 1. FC Union

Im Stadion des 1. FC Union in Köpenick können Fans die WM im Freien gucken – wenn sie ihr eigenes Sofa mitbringen. Kurz vor Beginn testen schon mal 30 ausgewählte Besitzer, ob das auch funktioniert.

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Typisch! Die Deutschen reservieren sich schon wieder ganz früh die besten Plätze.
Typisch! Die Deutschen reservieren sich schon wieder ganz früh die besten Plätze.Foto: Matthias Koch

Ungewöhnliche Dinge taten sich am Montagmittag im Stadion An der Alten Försterei. Wo sonst der Zweitligist 1. FC Union Berlin Fußball spielt, wurde eine rot-weiße Couch über den Rasen getragen. Während der Fußball-Weltmeisterschaft vom 12. Juni bis 13. Juli sollen in diesem Stadion noch 749 weitere Sofas stehen – für ein Public Viewing mit Wohnzimmeratmosphäre. Und zwar auf der eigenen, heimischen Couch.

Die nämlich können die Fans für den Zeitraum der WM auf den Rasen stellen und, wenn sie möchten, jeden Tag darauf Fußball gucken. Seit Mitte April konnte man sich im Internet dafür anmelden. „Wir haben jetzt mehr als 700 Anmeldungen“, sagte Ideengeber Gerald Ponesky. Nicht nur aus Köpenick, sondern aus allen Stadtbezirken – und keinesfalls nur Union-Fans, wie die Veranstalter versichern. „Wir erwarten 10 000 weitere Zuschauer für die Ränge.“

Probesitzen aufs Exempel

Am 1. Juni ziehen probeweise 30 ausgewählte Besitzer ein. „Um zu sehen, wie das Ganze funktioniert, wenn die Leute ihre Parzelle zugewiesen bekommen“, sagt Robert Protzmann. Fünf, sechs Sofas würden mit dem Floß von der Oberbaumbrücke nach Köpenick transportiert. Zwei Kreuzberger wollen das Sofa den ganzen Weg tragen. Ein Logistik-Unternehmer will mit seinem Sattelschlepper ein einziges Sofa herfahren. „Die Leute lassen sich die allergrößte Knete einfallen“, sagt Protzmann.

Bei freiem Eintritt sollen aber auch die Besucher auf der Sitzplatztribüne und auf den Stehrängen einen vorzüglichen Blick auf die 700 Zoll und damit fast 130 Quadratmeter große Videoleinwand haben, die auch bei den Olympischen Spielen in Sotschi im Einsatz war. „Die ist noch größer als die auf der Fanmeile am Brandenburger Tor“, sagte Ponesky, der von 2006 bis 2012 selbst an der Organisation des Public Viewings in der Innenstadt beteiligt war.

Für das gemütliche Flair: Gerüste mit Tapete

Damit es dort auch wirklich wie in einem Wohnzimmer aussieht, werden im Stadion an Gerüsten noch 3500 Quadratmeter Tapete angebracht. Auf Tischen neben den Sofas, die bei Regen durch Überzieher Schutz bekommen, sollen Lampen mit speziellen LED-Effekten stehen. An den Spieltagen sorgen beispielsweise Larsito, B.o.s. Horst Die Blaskapelle und Mister Santos für musikalische Unterhaltung.

Die Veranstalter wollen jeden Tag mindestens ein Spiel zeigen, allerdings nicht mehr nach Mitternacht, damit es keine Probleme mit den Anwohnern gibt. Wie hoch der Etat der durch viele Sponsoren gestützten Veranstaltung ist, konnten die Veranstalter am Montag noch nicht sagen. Die Stadionbetriebs AG hofft jedenfalls auf viele regenfreie Tage.

Bis zum 1. Juni sind Anmeldungen möglich unter: www.wm-wohnzimmer.berlin

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