Carsten Rentzing im Porträt : Sachsens neuer Landesbischof kritisiert Homosexualität

Carsten Rentzing, der neue Landesbischof in Sachsen, kritisiert offen Homosexualität - und spaltet damit seine Landeskirche. Anderswo ist die Kirche weiter.

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Sachsens neuer evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing.
Sachsens neuer evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing.Foto: epd

Am Ende gab eine einzige Stimme den Ausschlag: Mit der denkbar knappsten Mehrheit und erst im sechsten Wahlgang wählte die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens den Markneukirchener Pfarrer Carsten Rentzing zum Nachfolger von Jochen Bohl. Am Samstag wird der gebürtige Spandauer in der Dresdener Kreuzkirche in sein Amt als Landesbischof eingeführt.

Carsten Rentzing ist ein konservativer Theologe

In Sachsen und auch in der EKD, deren Synode er seit 2009 angehört, ist Carsten Rentzing kein unbeschriebenes Blatt: Der Theologe, der erst während seines Jurastudiums an der Berliner Freien Universität „vom Glauben entflammt“ wurde, steht für einen lebendigen Glauben an Gott, für eine missionarische Kirche und für eine konservative Theologie. „Ich glaube, dass das lutherische Bekenntnis wesentliche Grundfragen unseres Glaubens richtig beantwortet“, sagt Rentzing.

Für Streit, Widerspruch und ein knappes Wahlergebnis sorgten indes vor allem Rentzings Äußerungen zum Umgang der Kirche mit Homosexualität. „Die Bibel sagt, dass die homosexuelle Lebensweise nicht dem Willen Gottes entspricht“, sagt er. Dies müsse auch die Kirche ansprechen.

Die Berliner Kirche ist bei Schwulen und Lesben weiter

Für den Theologen ist die eigene Position eine Gewissensentscheidung. Doch seine Landeskirche ist darüber tief gespalten: Während die Berliner Kirche seit über zehn Jahren Schwule und Lesben im Gottesdienst segnet und über eine kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare nachdenkt, gibt es in Sachsen die Segnung nur im Rahmen der Seelsorge. „Mich macht die Kritik an meiner Position nicht betroffen, ich halte sie in vielen Fällen für angemessen formuliert“, sagt Rentzing. „Vielleicht ist es für manche überraschend, dass es so eine Position gibt – und vielleicht müssen wir neu lernen, darüber wieder Debatten zu führen.“

Eine klare Position hat der designierte sächsische Landesbischof dagegen zu den fremdenfeindlichen Vorfällen in Heidenau. „Unsere Kirche steht eindeutig, und ohne jede Einschränkung, an der Seite der Flüchtlinge“, sagt Rentzing. „Darüber kann es keine Debatte geben.“ In vielen Kirchengemeinden gebe es Willkommensinitiativen und Unterstützerkreise für Flüchtlinge. Die Ausschreitungen in Heidenau hätten ihn „betroffen“ gemacht. „Natürlich dürfen Menschen in Deutschland für ihre Meinung demonstrieren – aber die Grenzen der Demonstrationsfreiheit liegen dort, wo die Würde anderer bedroht wird.“

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