Der alternative X*CSD : Queer durch Kreuzberg

Bunt, fröhlich, radikal: Tausende Menschen gingen beim alternativen Kreuzberger Christopher Street Day auf die Straße.

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Der Zug des alternativen Kreuzberger CSD am Görlitzer Bahnhof.
Der Zug des alternativen Kreuzberger CSD am Görlitzer Bahnhof.Foto: Nadine Lange

König Fußball hat hier nichts zu melden: Zeitgleich zum ersten Achtelfinale der EM versammeln sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des X*CSD bei über 30 Grad auf dem Kreuzberger Oranienplatz. Anders als die „große“ Christopher-Street-Day-Parade, die in Berlin wegen der Fanmeile um einen Monat verschoben wurde, wollte das Organisationsteam des linksalternativen Kreuzberger Umzugs den traditionellen Termin am dritten Juni-Wochenende nicht aufgeben.

Gegen die Hitze hat die Menge sich mit Hüten, Kappen und Regenschirmen gewappnet - manche in Regenbogenfarben, manche rosa und einer mit der Aufschrift „Schwule Mädchen gegen die Afd“. Bei der Auftakt-Kundgebung spricht sich die Rednerin gegen Gentrifizierung, Pinkwashing und für Solidarität mit Geflüchteten aus. Anschließend kommt noch ein Aktivist aus der Rigaer Straße 94 zu Wort, bevor sich der Zug von mehreren tausend Menschen unter dem Motto „Yalla auf die Straße - queer bleibt radikal“ auf den Weg macht.

In der Oranienstraße dann endlich Schatten! Die Stimmung ist gut und Beats gibt es auch: Eine kleine Trommelgruppe haut mächtig in die Felle.

Der alternative X*CSD
Der Kreuzberger CSD - im vergangenen Jahr.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Nadine Lange/Tagesspiegel
25.06.2016 19:41Der Kreuzberger CSD - im vergangenen Jahr.

Auf dem Mariannenplatz macht der X*CSD kurz Halt. Transparente für die Rechte von Transgender und gegen den Kapitalismus und das Patriarchat sind zu sehen. Auf einem türkisen Banner ist zu lesen: „Es gibt keine sicheren Herkunftsländer“. Mehrere Teilnehmer tragen eine lange Regenbogenfahne. Die blau-rosa-weiße Trans*-Fahne ist ebenso zu sehen wie die pink-lila-blaue Flagge der Bisexuellen, wie überhaupt der Umzug sehr farbenfroh und fröhlich ist.

Friedenspreis-Trägerin Carolin Emcke läuft mit

Mit dabei ist auch ein bisschen Homo-Prominenz: Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali läuft neben Gorki-Theater-Chef Jens Hillje und der Journalistin und Autorin Carolin Emcke, gestern mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gekürt. Verlegerin und Journalistin Manuela Kay wurde ebenfalls gesichtet.

Über der Wiener Straße ziehen sich die Wolken sich bedrohlich zusammen. Aber nur ein paar vereinzelte Tropfen fallen auf den X*CSD herab. Vom Lautsprecherwagen wird dazu aufgerufen, sich gegen Abtreibungsgegner stark zu machen, die wieder einen so genannten Marsch für das Leben planen. Und weiter geht es über den Kottbusser Damm zum Ziel auf dem Heinrichplatz, wo die Demo am frühen Abend in ein Straßenfest übergeht.

Polen hat inzwischen das Viertelfinale erreicht, was hier auch weiterhin niemanden groß interessiert. Die Getränkestände finden hingegen rege Kundschaft: Die Party kann beginnen, sie geht bis tief in die Nacht. Und auf der Bühne werden noch mehrere Stunden lang politische Forderungen verlesen: Wie die von Trans*-Menschen, den Personenstand künftig einfach per Antrag ändern zu können.

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