Evangelische Kirche auf dem CSD Berlin : Kreuz und queer

Warum muss das alles hier so laut sein? Weil das bei Revolutionen unvermeidbar ist. Berlins evangelische Kirche feiert die Ehe für alle – mit einem Laster beim Christopher Street Day. Unser Blendle-Tipp.

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Unterm Volk. Die Teilnahme der Protestanten an der Christopher-Street-Day-Parade war kirchenintern umstritten.
Unterm Volk. Die Teilnahme der Protestanten an der Christopher-Street-Day-Parade war kirchenintern umstritten.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Es ist noch gar nicht lange her, wenige Jahre bloß, da wurde ihm geraten – und man meinte es gut mit ihm –, sein Pfarramt ruhen zu lassen, „bis es sich wieder gegeben hat“. „Es“ hatte noch nicht viele Namen. Aber das Einzige, was sich seitdem gegeben hat, sind die Widerstände der Umgebung. Gegen schwule Geistliche wie Jörg Zabka und dagegen, dass zwei von ihnen als Paar in Pfarrhäusern zusammenleben können. Zuletzt brach der Widerstand gegen die Ehe für alle im Bundestag ein. Am Freitag unterzeichnete der Bundespräsident das neue Gesetz, vermutlich ab Oktober kann kreuz und queer geheiratet werden.

Die Widerstände haben sich auf eine derart unumkehrbare Art „gegeben“, dass der Pfarrer Zabka am Sonnabendmittag in seinem schwarzen Kollarhemd oben auf dem Auflieger eines Sattelzuges der evangelischen Kirche steht. Zabkas Mann, Pfarrer Alexander Brodt-Zabka, geht vom Auflieger runter auf die Straße, „ich geh jetzt noch mal zu Udo Walz“, sagt er, Infomaterial bringen. „Wohin?“ – „Udo Walz, der sitzt da, dort drüben.“

Nebenan steht der Lastwagen der Firma Paypal und der vom Erotikbedarfversand Dildoking, vor dem Kirchenlaster parkt die Deutsche Bank, dahinter SAP. Die Protestanten sind auf dem Berliner Kurfürstendamm angekommen, in der Startaufstellung der Christopher-Street-Day-Parade.

„Es singt nicht irgendeine Drossel“

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Geschichte, die vor mehr als 25 Jahren begonnen hat, als man sich in der evangelischen Kirche über das Verhältnis zur Homosexualität Gedanken machte.

Die Paradenpremiere ist der Versuch, der eigenen Liberalität auch öffentlich mehr Gewicht zu verleihen: 18 Tonnen, um genau zu sein. Lautsprecher mit einer maximalen Leistung von 8000 Watt. 140 Leute auf zwei Decks. Startnummer 43.

Sie spielen den Hochzeitsmarsch, „von Mendelssohn“ auf dem Wagen, „nicht den von Wagner“, sagt Bertold Höcker, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte. Das sei wichtig. Es singt auch „nicht irgendeine Drossel“, sagt er, sondern Andy Roda, mehrfach als Backgroundsänger in Diensten Dänemarks beim Eurovision Song Contest im Einsatz. Seyran Ates ist da, da sind Dragqueens, Frauen in Brautkleidern, Männer mit Engelsflügeln, Pfarrer und Familien. Auch Pfarrersfamilien. Familien, die nur aus Pfarrern bestehen. Die Liebe kann ...

Den vollständigen Text lesen Sie für 45 Cent im Online-Kiosk Blendle.

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