Graphic-Novel-Debüt : Trans-Comic: "Nenn mich Kai"

In ihrem einfühlsamen und ermutigenden Graphic-Novel-Debüt „Nenn mich Kai“ zeigt Sarah Barczyk den Weg eines jungen Trans-Mannes in sein neues Leben.

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Kai sucht nach Kleidung, die zu ihm passt.
Kai sucht nach Kleidung, die zu ihm passt.Egmont Verlag

Zwei dicke Tränen kullern aus den Augen von Andrea. Sie sitzt neben ihrem Kumpel Marko auf dem Sofa, gerade noch haben sie zusammen an der Spielkonsole gezockt, dann wurde es plötzlich ernst: „Und was, wenn ich ein Mann bin?“, hatte Andrea gesagt. Jetzt versteht Marko: „Du meinst das ernst, oder? Du glaubst, du bist transsexuell?“

Andrea glaubt es nicht nur, sie weiß es. Das heißt: Er weiß es. Und er heißt Kai. Wie der 18-Jährige sich auf den Weg macht, seinen Körper seinem eigentlichen Geschlecht anzugleichen, erzählt Sarah Barczyk in ihrem Graphic-Novel-Debüt „Nenn mich Kai“ auf einfühlsame, differenzierte und ermutigende Weise. So trifft Kai bei seinen Eltern zwar zunächst auf Unverständnis und Ablehnung, doch er macht auch positive Erfahrungen, etwa mit Marko, der ihn einfach weiter als seinen besten Freund behandelt und ihm auch mal scherzhafte Tipps in Sachen Männlichkeit gibt.

Kai weiß genau, was er will und scheut nicht vor Konflikten zurück

Schwieriger ist es für die lesbische Britta, die sich ein wenig in Andrea verguckt hat und sich offenbar nicht vorstellen kann, mit einem Transmann zusammen zu sein.

Kai weiß sehr genau, was er will und scheut nicht vor Konflikten zurück. Er ist eine starke und zugleich sensible Figur, deren Gefühle sich in ihren großen Augen unterm schwarzen Haarschopf spiegeln. Auch sonst sind die Schwarz-Weiß-Zeichnungen der 1984 geborenen Sarah Barczyk ausdrucksstark und schwungvoll.

Der Therapeut ist nett, aber die Ärztin nervt

Mit „Nenn mich Kai“ hat sie einen Comic geschaffen, der nicht nur für junge Transmenschen und ihr Umfeld lesenswert ist, sondern ganz allgemein für das Thema sensibilisiert. So erfährt man etwa, dass vor einer Hormonbehandlung eine Psychotherapie vorgeschrieben ist. Was von Betroffenen teils als diskriminierend empfunden wird, hat in Kais Fall vor allem bestärkende Effekte. Sein Therapeut ist aufgeschlossen und nett. Relativiert wird dies allerdings, als eine Ärztin Kai nötigt die Therapie zu verlängern und abzunehmen. Doch da ist schon klar: Das haut ihn jetzt auch nicht mehr um. Und bald wird er endlich einen Rasierer brauchen.

Sarah Barczyk: Nenn mich Kai, Egmont, 79 Seiten, 14,99 €.

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