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Homophobe und Transphobe Übergriffe in Berlin : Kriminalität im Regenbogenkiez: Weiterhin viele Straftaten

Anti-Gewalt-Projekt stellt Zahlen zu homophoben Übergriffen in Berlin vor. Schöneberg bleibt auch 2015 Schwerpunkt - das bestätigt eine parlamentarische Anfrage.

Von Felix Hackenbruch
Bessser nicht allein. Die Zahl der homophoben Übergriffe in Berlin ist weiter hoch.
Bessser nicht allein. Die Zahl der homophoben Übergriffe in Berlin ist weiter hoch.Foto: dpa

Fast jeden Tag ein homophober Zwischenfall in Berlin, und der Schöneberger Regenbogenkiez eine kriminelle Hochburg: Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage und dem Jahresbericht des schwulen Anti-Gewalt-Projekts „Maneo“ hervor. Die Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber, die dem Tagesspiegel vorliegt, dreht sich um den Zeitraum von Juni 2015 bis Mitte April 2016. Dabei fallen vor allem die unverändert hohen Zahlen für Diebstahl, Raub und Rauschgiftdelikte rund um die Motzstraße auf.

Viele Anzeigen - mäßige Aufklärungsquote

2616 Diebstähle zählte die Polizei im Regenbogenkiez in den vergangenen zehn Monaten. Das entspricht mehr als 250 Fällen pro Monat. Im Vergleich dazu hatte es im Zeitraum Juni 2014 bis Juni 2015 – also in einem kompletten Jahr – 2736 Diebstähle gegeben. 2010 waren es noch 1994. Tom Schreiber kommentiert die Zahlen so: „Aus meiner Sicht kristallisiert sich heraus, dass wir bei allen Delikten eine gewisse Stabilität erreicht haben“, sagt er und verweist auf die Zahlen zu Einbrüchen, Schachbeschädigung und Beleidigungen. Jetzt müsse man von den hohen Niveau herunterkommen.

Sorge bereitet dem SPD-Politiker aus Köpenick auch die mäßige Aufklärungsquote. So konnten von 61 versuchten oder vollendeten Wohnungseinbrüchen nur in einem Fall ein Tatverdächtiger ermittelt werden. Ähnlich sieht es bei Raub und Diebstahl aus, wo nur etwa ein Viertel aller Fälle aufgeklärt wird. „Hier muss der Repressionsdruck erhöht werden. Da steckt Bandenkriminalität dahinter, sodass die Täter oft auch Opfer sind“, sagt Schreiber.

Hasskriminalität scheint zurückzugehen

Besser scheint die Tendenz bei Delikten mit Hasskriminalität und Straftaten gegen die sexuelle Orientierung zu sein. Hier gingen die Anzeigen von 16 auf 4 und von acht auf eins zurück. Trotzdem mahnt Schreiber: „Es ist nicht immer gut, wenn die Zahlen zurückgehen“, sagt der SPD-Sprecher für Queer-Politik. Er befürchtet, dass viele Vorfälle gar nicht mehr angezeigt werden. Deshalb sei die Arbeit des schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo umso wichtiger. „Denen reichen ihre eineinhalb Stellen aber vorne und hinten nicht“, findet Schreiber und macht sich für einen Stellenausbau in der nächsten Wahlperiode stark.
Auch Maneo selbst hatte am Dienstag fehlende Gelder bemängelt. Leiter Bastian Finke kritisierte die zuständige Senatsverwaltung für Integration: „Wir sind frustriert, dass nicht-freigegebene Mittel bei uns sogar zu Stellenkürzungen geführt haben.“ Man wolle Senatorin Dilek Kolat den Report deshalb am Freitag persönlich übergeben.

259 homophobe Übergriffe in Berlin

Der Bericht anlässlich des internationalen Tags gegen Homophobie und Transphobie am 17. Mai zählt 259 Übergriffe für Berlin im vergangenen Jahr. Finke erklärte: „Die Vorfälle homophober und transphober Gewalt und Diskriminierung malen ein erdrückendes Bild, insbesondere vor dem Hintergrund eines vielfach größeren Dunkelfeldes.“ 541 Hinweise gingen bei Maneo im Jahr 2015 ein. 313 davon konnten ausgewertet werden, 259 in Berlin – das entspricht etwa den Zahlen des Vorjahrs.

Bei den Strafdelikten lagen Körperverletzungen an erster Stelle, gefolgt von Beleidigungen und Nötigungen. Schwule Männer stellen mit 52 Prozent die größte Opfergruppe. Laut Maneo-Report gibt es in Schöneberg weiterhin die meisten Anzeigen, aber im Vergleich zu 2014 wurden nur noch 31 statt 44 Prozent aller Vorfälle rund um den Regenbogenkiez gezählt. Grund für den Rückgang ist laut Bastian Finke die verstärkte Polizeipräsenz in der Gegend. Nach intensiven Gesprächen mit den Behörden Anfang 2013 habe die Polizei dort reagiert.
Maneo, gegründet 1990, kümmert sich um Opferberatung – unter anderem mithilfe des Schwulen Überfalltelefons – und Erfassung von Gewalttaten. Außerdem setzt sich das Projekt für Gewaltprävention und bürgerliches Engagement ein.

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