Queer weiß das (27) : Ist es für Schwule schwierig, einen festen Partner zu finden?

Die Kolumne im Queerspiegel: Heteros fragen, Homos antworten. Heute geht es um Tücken bei der Partnersuche.

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Ein schwules Paar. Es kann keine Rede davon sein, dass Homo-Partnerschaften instabile sind als die von Heteros.
Ein schwules Paar. Es kann keine Rede davon sein, dass Homo-Partnerschaften instabile sind als die von Heteros.Foto: picture-alliance/dpa

Ein paar schwule Freunde von mir haben sich mal darüber beschwert, dass es für sie als Schwule schwierig sei, Partner für feste Beziehungen zu finden. Ist das wirklich so und wenn ja, warum?- Angie, Friedrichshain

Tja, schwer zu sagen. Wer sich viel auf Dating-Apps herumtreibt, könnte natürlich diesen Eindruck bekommen. „Ich suche meinen Traumprinzen, der das Leben mit mir verbringt“ – das wird man dort eher selten lesen. „Fun now“ suchen dafür umso mehr Männer. Wobei unter „Fun“ die wenigsten verstehen, sich gegenseitig Liebesgedichte auf dem Sofa vorzulesen.

Nun wäre es aber gewagt, von Dating-Apps auf das Bindungsverhalten insgesamt zu schließen. Ich kenne jedenfalls viele schwule und auch lesbische Paare, die genau das Gegenteil beweisen. Fraglich ist auch, ob Heteros die Partnersuche so viel einfacher fällt. Über die vermeintliche „Generation Beziehungsunfähig“ sind schon ganze Bücher geschrieben worden – von heterosexuellen Autoren wohlgemerkt, die über heterosexuelle Partnerschaften schreiben.

Was bei schwulen Paaren vielleicht anders ist als bei heterosexuellen: Sie können sich besser auf offene Partnerschaften einigen. Treue wird dabei als emotionale und nicht so sehr als sexuelle Treue verstanden. Womöglich tun sich Männer damit leichter, weil es zu ihrem Selbstbild gehört, häufig sexuell aktiv zu sein. Gefallen muss das nicht jedem. Vielleicht ist eine offene Partnerschaft sogar genau der Punkt, an dem sich Ihre Freunde wiederum stören.

Homofeindlicher Topos: Der triebgesteuerte Schwule

Um nicht missverstanden zu werden: Das bedeutet nicht, dass schwule Männer einfach nur triebgesteuert sind. Dieser Topos wird gerne von Homo-Feinden benutzt, um Schwulen prinzipiell die Ehefähigkeit und damit auch das Recht auf die Ehe abzusprechen.

Dabei kann keine Rede davon sein, dass schwule Partnerschaften – sind sie einmal eingegangen – dramatisch instabil sind. Zumindest gilt das für die Paare, die sich standesamtlich das Ja-Wort geben. Im Jahr 2015 lebten in Deutschland 106 000 Homosexuelle in einer eingetragenen Partnerschaft. Nur 1136 Partnerschaften wurden aufgehoben, wobei sich schwule Paare sogar seltener trennten als lesbische. Vergleiche mit Hetero-Ehepartnern sind schwierig, gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft doch erst seit 15 Jahren. Doch das Verhältnis der bestehenden zu den geschiedenen Ehen ist bei den Heteros nicht deutlich anders.

Wie dem auch sei: Dass die romantische Zweierbeziehung die einzig glücklich machende Lebensform ist, steht ohnehin nirgendwo geschrieben. Das Singleleben kann man auch genießen – egal ob Homo oder Hetero.

Folge 26: Gibt es eine Homo-Lobby?

Folge 25: Stehen viele Schwule auf Leder und Gummi?

Folge 24: Haben Homos Humor?

Folge 23: Was haben Lesben gegen Trans-Männer?

Folge 22: Wonach sucht ihr eure Partner aus?

Folge 21: Warum müsst ihr mitteilen, homosexuell zu sein?

Folge 20: Ist Homosexualität angeboren?

Folge 19: Warum ordnen sich Homosexuelle selber in Schubladen ein?

Folge 18: Warum seid ihr Schwulen immer so tuckig?

Folge 17: Wozu braucht man immer noch den CSD?

Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Samstagsbeilage Mehr Berlin.

Haben Sie auch eine Frage an die Tagesspiegel-Homos? Dann schreiben Sie an: queer@tagesspiegel.de!

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