Queer weiß das (34) : Was bedeutet Trumps Sieg für queere Menschen?

Eine neue Folge unserer Kolumne Heteros fragen, Homos antworten. Diesmal ein Spezial zur Wahl von Donald Trump in den USA - beantwortet von unserem Gastautor.

Isaiah Lopaz
Protest unter der Regenbogenfahne - eine Demo gegen Trump nach der US-Wahl in Cleveland.
Protest unter der Regenbogenfahne - eine Demo gegen Trump nach der US-Wahl in Cleveland.Foto: dpa

Donald Trump wird Präsident einer homophoben weißen Mehrheit. Was bedeutet das für Queers in den USA? Jan, Kreuzberg

Gerade für nichtweiße Angehörige der LGBTQI-Community bricht eine schwierige Zeit an. Trump hat gewonnen, weil er Gefühlen eine Stimme gab, die tiefverwurzelt in unserer Bildung, Politik, Medienlandschaft, Wissenschaft, Geschichte, Religion und Popkultur sind – Gefühlen, die unsere Gesellschaft unterdrückt hat, ohne wirklich nach einer Erklärung oder gar Linderung für sie zu suchen.

Nach dem Wahlsieg sorgte ich mich zunächst um meine Familie, die nun noch gefährdeter ist als sonst. Könnte sich meine Schwester, eine Polizistin, auf der falschen Seite eines Rassenkonflikts wiederfinden? Könnte meine Mutter, die in einem überwiegend von Weißen bewohnten Stadtviertel lebt, rassistisch angegriffen werden?

Als Schwarzer in Amerika zu leben, ist mit einem Erbe verbunden, das ich „Afroamerikanische Angst“ nennen würde. Diese Furcht, die mit dem Beginn der weißen Kolonialisierung entstand, wurde von Generation zu Generation, von Sklaven zu Befreiten weitergegeben.

Der Autor: Isaiah Lopaz (auch als "Lavender Wolf" bekannt") ist Künstler. Er stammt aus Los Angeles und lebt in Berlin.
Der Autor: Isaiah Lopaz (auch als "Lavender Wolf" bekannt") ist Künstler. Er stammt aus Los Angeles und lebt in Berlin.Foto: privat

Viele Kommentatoren argumentieren, dass Trumps Popularität weniger ein Rassen- als ein Klassenphänomen ist. Aber Rasse und Klasse überschneiden sich, genau wie sich Rasse und Sexualität überschneiden. Wenn Trump ankündigt, keine Muslime mehr in die USA zu lassen, trieft seine Argumentation vor Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie. Man muss kein Soziologe sein, um das zu verstehen. Aber man muss sich vor Augen halten, was Grada Kilomba in seinem Aufsatz „Weiß ist keine Farbe“ schrieb: „Wir müssen begreifen, dass wir dazu erzogen werden, in kolonialen und rassistischen Strukturen zu denken.“

Auch in der Queer-Kultur haben Nichtweiße ein Problem

Überall verkünden nun Trumps Gegner: „Das ist nicht mein Amerika!“ Mein Problem: Auch ich gehöre nicht zum Amerika derer, die da schreiben. Ich kann mich nicht auf ihren Schutz, ihre Solidarität verlassen. Die Mainstream-Medien der LGBTQI-Community werden in der Regel von schwulen weißen Männern für andere schwule weiße Männer gemacht. Menschen wie ich werden oft gedankenlos ausgeblendet. Auch in der Queer-Kultur haben wir Nichtweiße dieses Problem: Unsere Leben zählen nicht.

Die Trump-Präsidentschaft wird diese Umstände nicht verbessern, und wie so oft werden wir nicht auf die Unterstützung der Mainstream-LGBTQI-Institutionen zählen können. Für nichtweiße LGBTQI-Menschen ist die Wahrscheinlichkeit größer, in Armut zu leben, Gewalt ausgesetzt zu sein, krank zu werden. Schwul ist das neue Schwarz, hieß es einmal. Aber viel hat die landläufige Gay-Kultur nicht getan, um die Rechte nichtweißer Community-Mitglieder zu vertreten. Trumps Präsidentschaft wird uns noch weiter an die Ränder der US-Mainstream-Gesellschaft drücken.

Folge 33: Gibt es bei Euch Party-Heterosexualität?

Folge 32: Wann habt ihr eure Homosexualität bemerkt?

Folge 31: Hat Berlin etwa keine Lesbenbar?

Folge 30: Wie ist es, als schwuler Flüchtling hierher zu kommen?

Folge 29: Coming Out als Erwachsener - verschenkte Jugend?

Folge 28: Habt ihr in der Szene gerade Streit?

Folge 27: Ist es für Schwule schwierig, einen festen Partner zu finden?

Folge 26: Gibt es eine Homo-Lobby?

Der Autor ist Gründer des Blogs "Him Noir". Er ist Künstler, seine Arbeiten wurden unter anderem auf Miami Art Basel und zuletzt im Schwulen* Museum ausgestellt. Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Sonnabendsbeilage Mehr Berlin.

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