Queer weiß das (37) : Sollten homosexuelle Promis sich politisch engagieren?

Heteros fragen, Homos antworten. Dieses Mal geht es in unserer Kolumne um Homo-Promis, die sich für queere Themen einsetzen und solche, die das nicht tun.

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Die US-Komikerin Ellen DeGeneres wird für ihre Zivilcourage von Präsident Barack Obama mit der Medal of Freedom geehrt.
Die US-Komikerin Ellen DeGeneres wird für ihre Zivilcourage von Präsident Barack Obama mit der Medal of Freedom geehrt.Foto: dpa/picture-alliance

Die US-Komikerin Ellen DeGeneres ist neulich von Präsident Barack Obama für ihr homopolitisches Engagement mit der Medal of Freedom geehrt worden. Erwarten Schwule und Lesben eigentlich, dass prominente Homosexuelle sich besonders stark für ihre Belange engagieren? Eva, Wilmersdorf

Niemand kann zu politischem Engagement verpflichtet werden. Schließlich müssen auch schwule und lesbische Promis mit gesellschaftlichen Sanktionen rechnen, wenn sie sich homopolitisch betätigen. Derart aktive Schauspieler*innen könnten keine Rollenangebote mehr bekommen. Homosexuellen Politiker*innen kann leicht Klientelpolitik in persönlicher Mission vorgeworfen werden. Auch finden engagierte Promis in ihrem Maileingang weit mehr Anfeindungen als solche, die sich unauffällig verhalten. Wie mutig bin ich? Wie viel Energie habe ich? Das muss am Ende jede*r für sich entscheiden.

Auch Klaus Wowereit hat nach seinem Coming-out nicht einfach geschwiegen

Allerdings sind auch schwule und lesbische Nicht-Promis verletzbar, und auch sie verfügen nicht über endlose Kraftressourcen. Homo-Promis können ihnen mit kleinen Gesten eine große Hilfe sein. Darum wäre es schon sehr gut, wenn sie sich an der politischen Arbeit beteiligen – jede*r ein bisschen und so wie es ihm*ihr liegt.

Zum Beispiel ist Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger Botschafter der Initiative „Fußball für Vielfalt“, er unterstützt die schwul-lesbische Fußball-EM als Ehrengast und äußert sich regelmäßig zur Homophobie im Fußball. Auch Berlins früherer Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat nach seinem Coming-out nicht einfach geschwiegen, sondern immer wieder Stellung bezogen. Und die Journalistin Carolin Emcke hat ihre Rede beim Friedenspreis dazu genutzt, die Rechte der Minderheiten, auch der Homosexuellen, vor großem Publikum anzusprechen.

"Frau Hendricks äußert sich nicht zum Thema Homosexualität"

Es gibt jedoch auch homosexuelle Promis, die schon kleine homopolitische Taten meiden. So lehnte eine bekannte offen lesbische TV-Journalistin (nicht Anne Will) unsere Einladung zu einem Gastbeitrag im Tagesspiegel ab. Sie strebe in den Medien „keine Homopositionierung“ an, erklärte ihr Management. Auch die offen lesbische Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ließ uns durch ihre Pressestelle wissen: „Frau Hendricks äußert sich nicht zum Thema Homosexualität.“

Diese prominenten Homos finden es offenbar imageschädigend, sich öffentlich für Homorechte einzusetzen. Letztlich rücken sie Homosexualität damit aber in die Schmuddelecke und düpieren andere, die den Kampf für gleiche Rechte auch zu ihrem Nutzen führen und geführt haben. Solche Promis sollten mehr Solidarität zeigen.


Folge 36: Verliebt ihr euch manchmal in Heteros?

Folge 35: Nehmen Homosexuelle häufiger Drogen?

Folge 34: Was bedeutet Trumps Sieg für queere Menschen?

Folge 33: Gibt es bei Euch Party-Heterosexualität?

Folge 32: Wann habt ihr eure Homosexualität bemerkt?

Folge 31: Hat Berlin etwa keine Lesbenbar?

Folge 30: Wie ist es, als schwuler Flüchtling hierher zu kommen?

Folge 29: Coming Out als Erwachsener - verschenkte Jugend?

Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Sonnabendsbeilage Mehr Berlin.

Haben Sie auch eine Frage an die Tagesspiegel-Homos? Dann schreiben Sie an: queer@tagesspiegel.de!

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