Queer weiß das (4) : Wie weise ich als Hetero schwule Flirts zurück?

Unsere neue Kolumne im Queerspiegel: Heteros fragen, Homos antworten. Heute mit einer Frage: Wie weise ich schwule Flirts ab?

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Jake Gyllenhaal (links ) und Heath Ledger in dem Filmdrama "Brokeback Mountain" um zwei schwule Cowboys.
Jake Gyllenhaal (links ) und Heath Ledger in dem Filmdrama "Brokeback Mountain" um zwei schwule Cowboys.Foto: picture-alliance/dpa

Wie weise ich es freundlich zurück, wenn schwule Männer mich angraben? Das passiert mir hin und wieder – und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Jens, Kreuzberg

Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Seien Sie doch froh, derart begehrt zu sein. Wenn Sie das nicht wollen, sollten Sie mit Ihren Kumpels vielleicht einfach nicht sonntagabends vor den Darkrooms im Berghain herumhampeln. Die muskulösen, bärtigen Herren neben Ihnen warten jedenfalls nicht darauf, gemeinsam über Fußball zu diskutieren. Und auch Ihre Solidarität mit uns Schwulen zu demonstrieren, indem Sie mit Ihrer besten Freundin zum Gay-Tea-Dance gehen, funktioniert nicht so richtig. Die Gaby im Schlepptau bedeutet in diesem Kontext nämlich nicht: „Ich bin schon vergeben.“ Sondern: „Ich hab’s ganz dringend nötig.“

Soweit die scherzhafte Betrachtung des Problems.

Denn in Ihrer Frage scheint im Kern doch etwas anderes zu stecken. Kann es sein, dass Sie ein kleines Problem mit Schwulen haben? Natürlich sagen Sie jetzt: Ich habe sooo viele schwule Freunde und Kollegen, und das ist sooo normal, dass ich gar nicht weiter drüber nachdenke. Aber einer von denen, einer von uns sein? Wenn Sie ehrlich sind, ist das vielleicht dann doch eine gruselige Vorstellung für Sie? Ihr Umfeld könnte ja sonst was denken!

Ein Flirt ist kein Alarmsignal

Hätten Sie die Gleichberechtigung von Homo- und Heterosexualität wirklich verinnerlicht, dann würden Sie nicht einen einzigen Gedanken daran verschwenden, in wessen Beuteraster Sie fallen. Ein Flirt mit einem Mann würde Ihrem Ego schmeicheln – und keine Alarmsignale auslösen. Bedeutet „schwul“ für Sie vielleicht in Wahrheit: „unmännlich“?

Gehen Sie doch einmal in sich und stellen Sie sich die Frage, was in aller Welt denn nur so schlimm daran ist, von einem Mann angebaggert zu werden? Also: angeflirtet, nicht belästigt – Letzteres ist natürlich in keiner geschlechtlichen Konstellation in Ordnung. Vielleicht senden Sie ja Signale aus, mit denen Sie auf dem inneren Schwulenradar auftauchen, mit dem die meisten Homosexuellen ausgerüstet sind. Damit müssten Sie leben, denn es gehört zu Ihrer Persönlichkeit.

Frauen baggern auch Schwule an

Den von Ihnen beschriebenen Fall gibt es übrigens auch bei uns: Frauen verknallen sich gern in Schwule. Schließlich treiben wir alle viel Sport, riechen gut und können mit Farben umgehen (kleiner Scherz). Nicht selten sind hier, nachdem Missverständnisse mit einem freundlichen Satz – oder besser: bei einem Drink – ausgeräumt wurden, innige Freundschaften entstanden. Manchmal geht man dann sogar zusammen zum Gay-Tea-Dance.

Folge 1: Wärt ihr lieber hetero?

Folge 2: Wer von beiden wird schwanger?

Folge 3: Spielt ihr unsere Rollen?


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Dieser Text erschien zunächst in der gedruckten Samstagsbeilage Mehr Berlin.

Dieser Text erscheint auf dem Queerspiegel, dem queeren Blog des Tagesspiegels, den Sie hier finden. Themenanregungen und Kritik gern im Kommentarbereich etwas weiter unten auf dieser Seite oder per Email an:queer@tagesspiegel.de.

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