SPD-Antrag zu Straßennamen : Die Frauenquote für die Straße

Ein SPD-Abgeordneter beantragte, eine neue Straße in Friedrichshain-Kreuzberg nach einer lesbischen Frau zu benennen. Die CDU ist dagegen.

Max Deibert
Die Rudi-Dutschke-Straße in Berlin Kreuzberg wurde nach einem Bürgerentscheid nicht nach einer Frau benannt.
Die Rudi-Dutschke-Straße in Berlin Kreuzberg wurde nach einem Bürgerentscheid nicht nach einer Frau benannt.Foto: Mike Wolff

In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es mal wieder Streit um Straßennamen: Der SPD-Bezirksverordnete Max Putzer beantragte jetzt, dass eine der beiden neuen Straßen im Bezirk nach einer lesbischen Frau benannt wird: Es geht um einen Weg an der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg und eine Straße an der Mercedes-Benz-Arena in Friedrichshain.

Selma Engler schrieb ein Stück für Hitler

Putzer bezog sich bei seinem Antrag auf ein Gutachten von 2010. Das Dokument enthält 35 Biografien – überwiegend von schwulen Männern und lesbischen Frauen. Putzer wählte mehrere lesbische Frauen mit Bezug zu Berlin und Friedrichshain-Kreuzberg aus und schlug ihre Namen vor. Beispielsweise Charlotte Hahm, die laut dem Gutachten zu den „wichtigsten Aktivist/innen der homosexuellen Subkultur insbesondere in Berlin“ gehörte. Eine umstrittene Persönlichkeit ist die ebenfalls vorgeschlagene Selma Engler: Sie setzte sich zwar in den 1920er Jahren aktiv für die Rechte homosexueller Menschen ein, verfasste aber 1933 ein Stück mit dem Titel „Heil Hitler“, das sie diesem zuschickte.

Kreuzberger Tradition- Konflikte wegen Straßennamen

Seit einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von 2005 sollen 50 Prozent der Straßen im Bezirk Frauennamen tragen. Die neuen Straßen, die in den letzten Jahren entstanden sind, lassen sich an einer Hand abzählen. Diskussionen gab es 2008, als ein Abschnitt der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt wurde. 2013 musste die Gabelsberger Straße der Silvio-Meier- Straße weichen.

CDU spricht sich gegen Quoten aus

Timur Husein von der CDU stimmte gegen den Antrag. „Man sollte eine Straße nach einer Person als Würdigung ihrer Leistungen, nicht ihres Geschlechts oder sexueller Vorlieben wegen benennen“, sagt er. Quoten findet Husein sinnlos: „Als Nächstes fällt jemandem auf, dass zu wenige Straßen in Berlin nach Immigranten benannt sind.“

"Die homosexuelle Community würdigen"

Birgit Bosold, Vorstandsmitglied des „Schwulen Museums Berlin“, sagt, dass homosexuelle Menschen in der Geschichte der Stadt wichtige Beiträge zu Werten wie Emanzipation, Vielfältigkeit und Meinungsfreiheit geleistet hätten. „Es wäre angebracht, in einer Berliner Straßenlandschaft, die von den Namen weißer, heterosexueller Generäle dominiert ist, auch die homosexuelle Community durch ein Straßenschild zu würdigen“, sagt Bosold.

Da der Antrag in der BVV mehrheitlich angenommen (alle Fraktionen außer der CDU) wurde, prüft jetzt eine bezirkliche Kommission, welcher der Namensvorschläge geeignet ist. Mit einer Entscheidung ist erst im April nächsten Jahres zu rechnen.

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