Streit um die Homo-Ehe : Demo, Bischof, Umfrage: Alle wollen Ehe für alle

Das Votum ist klar: Nicht nur mehrere hundert Demonstranten, sondern auch der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg und mehrere Bundesländer haben sich für die Homo-Ehe ausgesprochen. Diese wird laut einer neuen Umfrage von fast zwei Dritteln der Deutschen befürwortet. Auch Unionsanhänger sind dafür - in überraschend großer Zahl.

Mehrere hundert Menschen zogen am Wochenende von Mitte nach Schöneberg, um für die Öffnung der Ehe zu demonstrieren.
Mehrere hundert Menschen zogen am Wochenende von Mitte nach Schöneberg, um für die Öffnung der Ehe zu demonstrieren.

Mehrere hundert Menschen und ein Bischof wollen die Ehe für alle: Während etwa 500 Demonstranten am Sonnabend nach dem Aufruf des Lesben- und Schwulenverbandes vom U-Bahnhof Stadtmitte zum U-Bahnhof Nollendorfplatz zogen und die Öffnung der Ehe forderten, sprach sich der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg Markus Dröge vorbehaltlos für die rechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe aus. Für seine Kirche sei praktizierte Homosexualität weder krankhaft noch sündhaft. Dröge verwies auf den Beschluss der Synode seiner Landeskirche, die Segnung von Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft der kirchlichen Trauung rechtlich und liturgisch gleichstellen zu wollen.

Will gleichgeschlechtliche Paare gleichstellen: der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg Markus Dröge
Will gleichgeschlechtliche Paare gleichstellen: der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg Markus DrögeFoto: dpa


„Wenn Menschen, gleich welcher sexuellen Orientierung, dauerhaft und wechselseitig Verantwortung füreinander übernehmen, wollen wir als evangelische Kirche diese Verlässlichkeit fördern und begleiten“, unterstrich der evangelische Bischof. Die Ehe von Mann und Frau werde dadurch keineswegs in ihrer Bedeutung gemindert. Die Ehe sei vielmehr auch für gleichgeschlechtlich orientierte Menschen offenbar eine verlässliche Lebensform, nach der auch lesbische Frauen und schwule Männer strebten. Das freue ihn sehr, sagte Dröge.

Bundesländer machen Druck

Auch einige Bundesländer machen angesichts der ablehnenden Haltung der Bundesregierung Druck beim Thema Ehe für alle. So will sich Brandenburg im Bundesrat dafür stark machen. Die Zeit für eine Gleichstellung sei reif, erklärte der Bevollmächtigte des Landes beim Bund, Thomas Kralinski. Diskriminierung aufgrund sexueller Identität müsse ein Ende haben. Dafür müsse nun im Bundesrat ein neuer Anlauf gestartet werden. Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Verbesserungen seien nur marginal und blieben hinter den Erfordernissen zurück, kritisierte Kralinski. Es sei bedauerlich, dass eine grundlegende Reform weiter am anhaltenden Widerstand einer Mehrheit in der Union scheitere. Alle Fortschritte seien bislang durch das Bundesverfassungsgericht erzwungen worden, betonte der Staatssekretär: „Das ist eines Landes wie der Bundesrepublik unwürdig.“

Das schwule und lesbische Berlin der Zwanziger Jahre
Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Hier trafen sich Homos und Heteros, Berliner und Touristen. "Zwischen den Tänzen, bei denen auch der Normale sich den pikanten Genuss leisten kann, mit einem effeminierten Manne in Frauenkleidern zu tanzen, gibt es Brettldarbietungen. Eine männliche Chanteuse singt mit ihrem schrillen Sopran  zweideutige Pariser Chansons", schrieb ein Reiseführer durch das "lasterhafte Berlin". Neben dem Stammsitz in der Lutherstraße eröffnete wegen des rauschenden Erfolges im Jahr 1928 eine Zweitniederlassung an der Ecke Kalkreuthstraße/Motzstraße, die dieses Bild im Jahr 1932 zeigt. In der Szene war das Eldorado durchaus umstritten: Homosexuelle würden hier vor einem heterosexuellen Publikum zur Schau gestellt, hieß es.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: Wikipedia/BY-SA 3.0 de
30.04.2015 15:06Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die...

Anlass seiner Äußerungen ist, der Vorstoß der rot-grün beziehungsweise rot-rot-grün regierten Bundesländer Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen: Sie kündigten einen Vorstoß im Bundesrat, um die Ungleichbehandlung homosexueller Paare etwa im Adoptionsrecht zu beenden. Außer Brandenburg signalierten auch Schleswig-Holstein (Rot-Grün) und Hamburg (voraussichtlich bald ebenfalls Rot-Grün) grundsätzliche Unterstützung für die Homo-Ehe, ohne sich in Sachen Bundesratsinitiative bereits festzulegen. Schwarz-Grün in Hessen hat sich noch nicht auf weitere Schritte zur Gleichstellung homosexueller Paare verständigt.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen für Gleichstellung

Laut einer „Focus“-Umfrage ist eine Mehrheit der Deutschen für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Auch Unionsanhänger befürworten das mehrheitlich. 64 Prozent der Bürger bejahten die sogenannte Homo-Ehe, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. 31 Prozent der Befragten lehnten sie ab. Fünf Prozent seien unentschieden. Bei den Anhängern von CDU und CSU fiel die Zustimmung mit 63 Prozent kaum geringer aus als in der Gesamtgesellschaft.

Nach der Meinungsumfrage von TNS Emnid befürworteten zudem 77 Prozent der SPD-Anhänger eine vollständige Gleichstellung. Bei den Grünen waren es 89 Prozent, bei den Liberalen 63 Prozent und bei den Linken 62 Prozent. Die Klientel der AfD sprach sich lediglich mit 14 Prozent für die Homo-Ehe aus. Befragt wurden Ende Mai 1001 Bürger. (Tsp/epd/dpa)

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