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Übergriffe beim Kottbusser Tor : Schläge gegen Schwule in Kreuzberg

In der Nacht zu Sonnabend griff eine Gruppe Männer zwei Schwule in Kreuzberg an. Auf Youtube gewinnt derweil ein Video Aufmerksamkeit, das eine weitere Attacke vor drei Wochen zeigen soll.

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Ein Rettungswagen der Feuerwehr brachte den Verletzten ins Krankenhaus. (Symbolbild)
Ein Rettungswagen der Feuerwehr brachte den Verletzten ins Krankenhaus. (Symbolbild)Foto: picture alliance / Jochen Eckel

Zwei Männer im Alter von 20 und 23 Jahren wurden in der Nacht zu Sonnabend Ziel eines Übergriffs in Kreuzberg. Wie die beiden der Polizei berichteten, liefen sie gegen 2 Uhr Hand in Hand auf dem Gehweg der Adalbertstraße, als sie aus einer vier- bis fünfköpfigen Personengruppe heraus von einem Unbekannten zunächst homophob beleidigt wurden. Anschließend schlug der Angreifer mehrfach dem 23-Jährigen mit der Faust gegen den Kopf. Nach der Tat flüchteten alle unerkannt.

Der Geschlagene klagte über Schmerzen am Kopf und wollte sich selbst in ärztliche Behandlung begeben.

Währenddessen gewinnt ein Video auf Youtube große Popularität - allein zwischen Freitag und Sonnabend wurde es über 20.000 Mal aufgerufen. Es zeigt, wie ebenfalls in der Adalbertstraße in der Nähe des Kottbusser Tors zwei Männer von einer Gruppe von Männern verfolgt werden. Einer der Verfolger hat einen Gürtel in der Hand. Immer wieder schlägt und tritt die Gruppe auf die beiden anderen ein, selbst als die beiden am Taxistand ankommen und den Fahrer um Hilfe bitten.

Das Video ist vom Balkon vor der Kneipe "Café Kotti" aus gefilmt. Der Filmende kommentiert auf Türkisch. Ein Polizeisprecher sagte, das Video sei dem Landeskriminalamt bekannt; allerdings liege in dem Fall keine Anzeige vor, die Geschädigten hätten sich nicht gemeldet. Im Laufe des Sonnabends wurde es jedoch wieder entfernt.

"Werden hier Schwule geschlagen?", fragte einer der Angegriffenen

Der Betreiber des "Café Kotti", Ercan Yasaroglu, sagte dem Tagesspiegel, seine Mitarbeiter hätten den Übergriff vor etwa drei Wochen bemerkt und die Polizei sowie ihn alarmiert. Er habe seinen Mitarbeitern die Anweisung erteilt, sich in solchen Fällen herauszuhalten, die Gefahr in den "rechtsfreien Räumen", die kriminelle Banden rund um den U-Bahnhof Kottbusser Tor geschaffen hätten, sei mittlerweile zu groß. "Ich bin dann rüber zum Kottbusser Tor", sagt er, und habe die beiden Geschlagenen angetroffen. Die hätten starke Schmerzen gehabt, er habe sie ins Krankenhaus geschickt. Erst dann seien die Polizisten aufgetaucht "17 Minuten nach dem Anruf", sagt er. Nachdem sowohl Angreifer als auch Opfer nicht mehr am Tatort waren, habe er dann auch keine Anzeige erstattet.

Bis Samstagmittag wurde der Clip fast 40.000 Mal angesehen. Für große Verbreitung hat wohl auch der schwule Nachrichtenblog „Gaystream“ gesorgt, der das Video unter der Überschrift "Brutale Schwulenjagd am Kottbusser Tor in Berlin" veröffentlicht hat; Yasaroglu sagte dem Tagesspiegel , seinen Informationen zufolge sei Ausgangspunkt der Schlägerei gewesen, dass die Angreifer den beiden Männern Wertsachen wie Geld und Handy gestohlen hätten. Als die Männer ihr Eigentum zurückforderten, hätten die Schläge begonnen. Allerdings habe ihn, als alles vorbei war, einer der beiden Angegriffenen gefragt: "Werden hier Schwule geschlagen?"

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Queerspiegel - Der Tagesspiegel-Blog für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen und für alle, für die die Welt bunt wie ein Regenbogen ist.

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