Radverkehr in Berlin : Die Straße, der unbekannte Radweg

Autofahrer reagieren häufig aggressiv auf Radfahrer, die auf der Straße fahren - was meistens erlaubt ist. Bremen bekämpft die Ahnungslosigkeit mit einer Plakatkampagne. Ein Vorbild für Berlin?

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"Radfahren auf der Straße ist meistens erlaubt": So klärt Bremen Verkehrsteilnehmer mit Plakaten in der ganzen Stadt auf.
"Radfahren auf der Straße ist meistens erlaubt": So klärt Bremen Verkehrsteilnehmer mit Plakaten in der ganzen Stadt auf.Foto: Promo

"Radfahren auf der Straße ist meistens erlaubt", steht groß auf den Plakaten, die seit einigen Wochen im ganzen Bremer Stadtgebiet an Haltestellen und wichtigen Kreuzungen hängen. Die Aktion scheint Wirkung zu zeigen. Das zumindest glaubt Markus Otten von der Bremer Verkehrsplanungswerkstatt BMO. Er hat an einigen Stellen beobachtet, dass die Aggressivität von Autofahrern gegenüber Fahrbahnradlern nachlässt. In Bremen liegt der Anteil des Radverkehrs bei 25 Prozent aller zurückgelegten Wege. Das ist der höchste Anteil unter den Großstädten über 500.000 Einwohner.

Auch in Berlin müssen die meisten Radwege nicht mehr benutzt werden. Nur 15 Prozent der Radwege sind laut Senatsverwaltung noch mit einem blauen Schild ausgezeichnet und damit benutzungspflichtig. Radfahrer fahren meistens sicherer und schneller auf der Straße, das belegen Verkehrsuntersuchungen. Nur leider ist laut einer Studie durch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer unbekannt, dass Radwege nicht automatisch benutzt werden müssen.

Die Folgen dieser Ahnungslosigkeit lassen sich in Berlin jeden Tag aufs Neue erleben: Radfahrer werden auf der Straße bepöbelt, gefährlich überholt und aggressiv auf die alten Radwege verwiesen. Damit stellt sich die Frage, ob eine Kampagne nach Bremer Vorbild auch in der Hauptstadt sinnvoll wäre.

"Bewusstsein im Straßenverkehr zu verändern, ist ein dickes Brett"

Burkhard Horn, Leiter der Abteilung Verkehr im Berliner Senat, gefällt die Kampagne der Bremer Kollegen. Alle Städte hätten mit der Unwissenheit von Autofahrern gegenüber der Aufhebung der allgemeinen Radwegebenutzungspflicht von 1997 zu kämpfen. Er hat jedoch Zweifel, ob Plakate nach Bremer Vorbild wirklich nachhaltige Veränderung in Berlin herbeiführen würden: "Bewusstsein im Straßenverkehr zu verändern, ist ein dickes Brett." Zudem würden in der 3,5-Millionen Metropole Berlin deutlich höhere Kosten entstehen.

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Horn verweist auf "Berlin nimmt Rücksicht", eine Aktion der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. In diesem Rahmen würden Flyer gedruckt, Anzeigen in Zeitungen geschaltet und an Plakatwänden für mehr Rücksicht im Straßenverkehr geworben. Auch das Thema Benutzungspflicht von Radwegen ist laut Horn dort bereits angesprochen worden. An der Kampagne, die auch eine Facebookseite besitzt, nehmen mittlerweile mehrere Städte teil, unter anderem Bonn, Oldenburg und Trier.

Zudem würden digitale Infotafeln genutzt. Wenn es nichts Neues zu berichten gibt, warnt so beispielsweise die große Tafel auf dem Mittelstreifen der Frankfurter Allee in Friedrichshain, beim Überholen von Radfahrern den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten.

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