Radverkehrstrategie : Senat will Berliner und Touristen aufs Fahrrad locken

Der Senat hat ein weitreichendes Konzept verabschiedet, um den Fahrradverkehr in Berlin zu fördern. Das Ziel: Berliner und Touristen sollen sich in Zukunft öfter auf das Rad schwingen. Doch ein paar entscheidende Punkte sind aus dem Entwurf verschwunden.

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Stern und Kreis. Der Sonnenschein lockt die Radler hervor – und es sollen noch viel mehr werden. 
Stern und Kreis. Der Sonnenschein lockt die Radler hervor – und es sollen noch viel mehr werden. Doris Spiekermann-Klaas

Der Senat hat ein Werk der Vorgängerregierung vollendet: Am Dienstag beschloss er die Neuauflage der Radverkehrsstrategie, die langfristige und teils ehrgeizige verkehrspolitische Ziele enthält. Ein Vergleich mit dem ursprünglichen, von der Stadtentwicklungsverwaltung bereits mit Experten aus Ämtern und Verbänden abgestimmten Entwurf von 2011 zeigt allerdings, dass das Werk auf dem Weg durch den Senat Federn gelassen hat: Einst verbindliche Formulierungen etwa zur Ahndung von Falschparken auf Radfahrstreifen und zur Schaffung von Fahrradständern auf Autostellplätzen statt im Gehwegbereich sind ebenso verwässert worden wie die Vorgaben zum Budget, mit dem der Radverkehr gefördert werden soll. Monatelang hatten Stadtentwicklungs- und Finanzverwaltung um diese Vorgabe gestritten. Danach hing der Entwurf in der – für die Polizei zuständigen – Innenverwaltung.

Abgefahren - Ihre unbeliebtesten Radstrecken
Vergessen und verkommen: "Entlang der vierspurigen Bundesstraße 1 in Steglitz bleiben vom zugewachsenen Radweg abschnittsweise nur 20 Zentimeter nutzbare Breite übrig", schreibt uns Hans-Joachim Stricker. Das Foto hat er an der Berliner Straße aufgenommen, auf Höhe der Bushaltestelle Holländische Mühle. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Fotos von schlechten Berliner Radwegen an leserbilder@tagesspiegel.de!
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1 von 387Foto: Hans-Joachim Stricker
28.07.2016 14:15Vergessen und verkommen: "Entlang der vierspurigen Bundesstraße 1 in Steglitz bleiben vom zugewachsenen Radweg abschnittsweise nur...

Kern der Strategie ist eine Liste mit etwa 80 Positionen. Sie reicht von der Instandhaltung der – größtenteils nicht mehr benutzungspflichtigen – Gehweg- Radwege als Angebot für weniger routinierte Radler über die Beschilderung eines stadtweiten Netzes bis 2017 sowie Informationen über fertiggestellte Routen bis zu einer Regelung, die die Aufstellung kombinierter Fahrrad-Werbetafel-Ständer etwa vor Läden nur noch dann erlaubt, wenn sich Fahrräder darin tatsächlich sicher parken lassen. Und Bauherren sollen sich nicht mehr so leicht vom Bau neuer Fahrradständer freikaufen dürfen wie bisher, als beispielsweise Discounter lieber in die Ablöse investierten statt in brauchbare Fahrradbügel.

Mit acht Modellprojekten soll erprobt werden, was machbar und praktikabel ist: Zwei möglichst schnelle Haupt- und drei Nebenrouten stehen ebenso auf der Liste wie je drei „fahrradfreundliche Nahbereiche“, „innovative große Abstellanlagen“ und „innovative Knotenlösungen“, die Radlern beispielsweise direktes Linksabbiegen ermöglichen sollen. Hinzu kommen eine „fahrradfreundliche Einkaufsstraße“ und die bereits laufende Kampagne für mehr Rücksicht im Verkehr. Umgesetzt werden sollen die anderen Modellprojekte bis etwa 2017. Wo, ist nach Auskunft der Verkehrsverwaltung noch offen.

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