Rassismusvorwurf : Zeugen entlasten Lehrer

Die Staatsanwaltschaft sieht die Vorwürfe gegen den Steglitzer Lehrer, dem eine Schülerin Rassismus vorgeworfen hatte, bislang nicht bestätigt. Dieser hofft jetzt auf Weiterbeschäftigung.

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Der Vorwurf einer rassistischen Beleidigung lässt sich im Fall des Steglitzer Lehrers Karl-Heinz S. offenbar nicht halten. „Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, dass der Lehrer das Wort ’Nigger’ nicht als Schimpfwort gegenüber der Schülerin benutzt hat“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, dem Tagesspiegel. Er stellte ein baldiges Ende des Ermittlungsverfahrens in Aussicht. Jetzt gehe es noch um die Frage, wie der Begriff „Neger“ zu werten sei – als Beleidigung oder nur als ungeschickte Wortwahl.

Diese Frage wird von den Gerichten unterschiedlich beantwortet. Das Berliner Kammergericht etwa hatte in einem Urteil von 1997 den Begriff „Neger“ wertfrei benutzt. Hingegen befanden das Amtsgericht Schwäbisch Hall und das Landgericht Neuruppin, dass der Begriff „diffamierend“ beziehungsweise „fremdenfeindlich und herabwürdigend“ sei.

Nach bisherigem Ermittlungsstand hatte der Lehrer Anfang September eher beiläufig von „Negern“ gesprochen, um ein Verständnisproblem in einem ganz anderen Zusammenhang zu klären. Als ein Schüler den Begriff beanstandete, soll S. erläutert haben, dass es einen Unterschied zwischen den Begriffen „Neger“ und „Nigger“ gebe und schrieb die Begriffe an die Tafel. Einige Tage später zeigte eine schwarze Schülerin den Lehrer an und behauptete, rassistisch beleidigt worden zu sein. Falls die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellt, ist die Bildungsverwaltung am Zug. „Ich hoffe darauf, wieder als Lehrer arbeiten zu können, aber ich überlasse es meiner Dienstbehörde, wo sie mich einsetzt“, sagte der Geschichtslehrer auf Anfrage.

Bei dem 63-Jährigen handelt es sich um den ehemaligen Lehrer des Gymnasiums Steglitz, der jahrelang wegen angeblicher Relativierung des Holocausts vom Dienst suspendiert war. Die Vorwürfe bestätigten sich aber nicht, weshalb er wieder unterrichten durfte.

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