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Raum für hunderte neue Arbeitsplätze nötig : Der Bund baut Standorte in Berlin aus

Der Bund baut seine Standorte in Berlin aus und benötigt dringend mehr Raum für neue Arbeitsplätze. Investiert werden viele Millionen Euro.

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Am Werderschen Markt ist ein Neubau für 69 Millionen Euro geplant.
Am Werderschen Markt ist ein Neubau für 69 Millionen Euro geplant.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Bund baut seine Standorte in Berlin kräftig aus und schafft Raum für hunderte zusätzlicher Arbeitsplätze. Auf Anfrage bestätigte das Auswärtige Amt, dass im Gebäudeensemble am Werderschen Markt ein Neubau geplant ist. Laut aktuellem Wirtschaftsplan des Bundes, der dem Tagesspiegel vorliegt, stehen dafür 69 Millionen Euro bereit. Außerdem soll ein Gebäude in dem Block, der bis zum Krieg von der Reichsbank genutzt wurde, saniert und umgebaut werden. Durch diese Maßnahmen schafft das Auswärtige Amt 200 Arbeitsplätze. Auch das Bundesministerium für Arbeit erweitert seinen Berliner Standort an der Wilhelmstraße 50 und investiert dort knapp 14 Millionen Euro.

Dass der Bund dringend mehr Platz für neue Arbeitsplätze benötigt, hängt mit der wachsenden Bedeutung Berlins zusammen. Ein Sprecher des Bundesamtes für Arbeit und Soziales bestätigte auf Anfrage, dass in den neuen Räumen „sowohl neue Mitarbeiter als auch Beschäftigte, die früher am Dienstsitz Bonn beschäftigt waren, untergebracht“ werden sollen. Dagegen heißt es beim Auswärtigen Amt, dass dessen Dienststelle in Bonn „von den Planungen nicht betroffen“ sei. Vielmehr soll der Neubau die seit „Jahren bestehende Raumnot in der Zentrale“ sowie die „aktuelle Mehrfachbelegungen von Büros reduzieren“.

Vom Zuwachs profitiert der Berliner Dienstsitz

Bei beiden Bundesministerien sind allerdings auch immer mehr Menschen beschäftigt. Laut Auswärtigem Amt beträgt „der Zuwachs rund 1,5 Prozent“ in diesem Jahr, was das Amt auf die Mehrarbeit in den Bereichen „Flucht/Migration, OSZE-Vorsitz und G20-Präsidentschaft“ zurückführt. Rund 11000 Menschen seien beim Auswärtigem Amt zurzeit beschäftigt, davon knapp 3000 in der Zentrale, die meisten aber in Auslandsvertretungen. Beim Ministerium für Arbeit und Soziales nahm die Zahl der Stellen seit 2007 um mehr als zehn Prozent zu – auf 1119 Mitarbeiter in diesem Jahr.

Vom Zuwachs profitierte ausschließlich der Berliner Dienstsitz. Während vor zehn Jahren noch fast doppelt so viele Mitarbeiter in Bonn (615 Mitarbeiter) ansässig waren wie in Berlin (387), ist es heute umgekehrt: In Berlin zählt das Ministerium 623 Beschäftigte und nur noch 496 in Bonn.

„Die Aufteilung des Regierungssitzes auf Bonn und Berlin ist überholt, das erkennt man an diesen Baumaßnahmen“, sagte der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz. Die Neubauten seien ein klares „Zeichen für den Rutschbahneffekt“. Deshalb habe Bauministerin Barbara Hendricks Recht mit ihrer Forderung, die Verteilung der Arbeit zwischen Bonn und Berlin neu zu diskutieren. „Es muss ein Zeitplan her für den Komplettumzug nach Berlin“, forderte Schulz. Bonn müsse dabei „fair behandelt“ werden, indem etwa Bundesanstalten an den Rhein wechseln.

Platz für Nachwuchs der Mitarbeiter

Beide Ministerien schaffen durch die Neubauten auch gleich mehr Platz für den Nachwuchs der Mitarbeiter: Beim Auswärtigen Amt wird die Kinderbetreuungseinrichtung Platz für bis zu 100 Kinder haben, beim Arbeitsministerium wird die Kita in den Neubau verlagert, die Zahl der Plätze von zwölf auf 15 aufgestockt.

Die Arbeiten für das Erweiterungsgebäude des Bundesarbeitsministerium sollen „in Kürze“ beginnen – mit dem Abriss eines DDR-Plattenbaus, der dem Neubau in der Wilhelmstraße 50 im Wege steht. Die Pläne für das neue Gebäude stammen vom Büro „K9-Architekten“: Eine Lochfassade mit Naturstein verkleidet, das hinter das Baudenkmal des Hauptgebäudes zurücktritt, des früheren „Reichspropagandaministeriums“. Ähnlich ist die Herausforderung beim Neubau fürs Auswärtige Amt, das in dem neoklassizistischen, 1933 für die Reichsbank errichteten Ensemble entsteht. Wer diese Aufgabe übernimmt, ist noch unklar.

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