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Razzia bei Rockerclub : Polizei vermutet Maulwurf in den eigenen Reihen

In einer groß angelegten Razzia geht die Berliner Polizei seit der Nacht gegen die verbotene Rockervereinigung "Hells Angels" vor. Das Brisante daran: Es war ein Einsatz mit Ankündigung. Die Polizei sucht jetzt nach der undichten Stelle.

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Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte die Berliner Polizei mehrere Quartiere der Bandidos durchsucht. Dabei wurden schwere Waffen sicher gestellt, zum Beispiel dieses Sturmgewehr.Weitere Bilder anzeigen
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16.06.2012 17:41Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte...

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat das Verbot eines Berliner Rockerclubs der Hells Angels als wichtigen Schlag gegen die Rockerkriminalität bezeichnet. Damit werde ein Signal ausgesandt, „dass wir Rechtsbrüche, aus welcher Richtung auch immer, nicht dulden werden“, sagte Henkel am Mittwoch. Das Verbot von Rockerclubs sei ein notwendiger, „aber gewiss nicht der letzte Schritt im Kampf gegen die Gefahren, die von diesen Gruppierungen ausgehen“.

Zugleich zeigte sich der Innensenator entsetzt darüber, dass der Einsatz im Vorfeld bekannt wurde. Er habe Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers aufgefordert, die Umstände der Einsatzplanung und die Durchführung zu prüfen und Konsequenzen zu ziehen, sagte der Politiker. „Die Weitergabe von Informationen im Vorfeld von Einsätzen gefährdet den Einsatzerfolg und schlimmstenfalls auch das Leben der eingesetzten Polizeibeamten“, unterstrich Henkel. Die Polizei hat nach Angaben eines Sprechers Anzeige wegen Geheimnisverrats gegen Unbekannt gestellt.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert schnelle Aufklärung, ob nicht ein Maulwurf in den Reihen der Polizei tätig gewesen ist. Ein solcher müsste „mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden“, sagte GdP-Landesgeschäftsführer Klaus Eisenreich am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd. Die Polizei vermutet, dass aus ihren eigenen Reihen Informationen über ein drohendes Verbot des Rockerclubs gezielt an Medienvertreter weitergegeben wurden.

Eisenreich bezeichnete den Vorfall als „sehr verwunderlich“. So etwas „kenne ich nur aus Kriminalromanen“, sagte er. Damit würden nicht zuletzt Beamte im Einsatz gegen organisierte Kriminalität gefährdet.

Die Razzia war durch einen Bericht von "Spiegel Online" bekannt gemacht worden, deshalb hatte die Polizei die Aktion vor gezogen. 550 Polizisten begehen seit der Nacht insgesamt 30 Berliner Objekte des Clubs, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Beamten haben haben dabei Unterstützung aus anderen Bundesländern. Die Aktionen begannen mit rund 50 Beamten am Clubhaus der Hells Angels in Reinickendorf. Es werde alles beschlagnahmt, was dort herumsteht, sagte ein Sprecher. "Dazu zählen auch Motorräder." Es solle sichergestellt werden, dass kein Inventar weggeschafft und keine Gegenstände aus dem Vereinsheim getragen werden.

Ein Verbotsverfahren war in Berlin bereits seit längerer Zeit geprüft worden. In der vergangenen Woche hatte Innensenator Henkel schließlich das Verbot gegen die "Hells Angels Berlin City" erlassen. Die Polizei will nun prüfen, ob und wie Informationen über geplante Razzien und Verbote möglicherweise nach außen gedrungen sein könnten.

Mehrere Medien hatten berichtet, dass Untergruppen der Berliner Hells Angels kurz vor ihrer Auflösung stünden, darunter auch das rund 40 Mitglieder starke Chapter Berlin City. „Ich denke, das wird mehr ein taktisches Manöver gewesen sein, um einem Verbot zuvor zu kommen“, sagte Redlich. „Ich glaube nicht, dass sie wirklich das Ziel hatten, ihre Vereinstätigkeit einzustellen.“ Mehrere Untergruppen des verfeindeten Rockerclubs Bandidos hatten sich in Berlin in den vergangenen Tagen aufgelöst und waren zu den Hells Angels übergelaufen.

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