Berlin : Razzia in Buchläden

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Wenige Tage bevor in Berlin mehr als 10 000 Linke zu Demonstrationen in der Stadt erwartet werden, hat das Landeskriminalamt mehrere linke Läden durchsuchen lassen. Augenzeugen zufolge sollen jeweils dutzende Polizisten am Sonnabend in fünf Orten mit einer Durchsuchung begonnen haben. Die Razzia dauerte nach Polizeiangaben mehrere Stunden. Vor allem in den Buchläden „Schwarze Risse“ in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg und im Mehringhof in der Kreuzberger Gneisenaustraße sei man fündig geworden, hieß es von der Polizei: Gesucht und beschlagnahmt wurden Exemplare der linksradikalen Zeitschrift „Interim“.

In der aktuellen Ausgabe des Heftes ist eine Anleitung zum Bau von Molotow-Cocktails veröffentlicht worden. Der Staatsschutz ermittelt gegen die anonym arbeitenden Macher hinter der Szenepostille. In dem in mehreren Läden erhältlichen Heftes heißt es: „Da es im letzten Jahr am 1. Mai auch wieder verstärkt zu Molli-Würfen kam, wollen wir mit dieser kurzen Anleitung noch mal zeigen, wir ihr die Teile so sicher baut, dass ihr beim Werfen dadurch nicht Unbeteiligte oder euch selbst schadet...“ Allerdings wirkt die eigentliche Bauanleitung im Heft eher laienhaft. Wegen ähnlicher Beiträge in der „Interim“ wird vom Staatsschutz regelmäßig in der autonomen Szene ermittelt.

Der Staatsschutz ermittelt seit Sonnabend auch wegen eines erneuten Brandanschlags: Am Freitagabend sind in Pankow zwei „Carsharing“-Wagen der Deutschen Bahn in Brand gesetzt worden. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, entdeckte ein Passant die brennenden Autos. Er konnte den Angaben zufolge die Flammen an einem der beiden Autos selbst löschen. Beim zweiten Fahrzeug halfen Feuerwehrleute.

Wagen der Bahn, von Konzernen und wirtschaftsnahen Einrichtungen waren in der Vergangenheit häufig Ziel von Anschlägen. Bislang gingen in diesem Jahr zwölf Autos in Berlin in Flammen auf, hinter denen Ermittler politisch motivierte Täter vermuten. Rund 200 Anschläge dieser Art hatte es im vergangenen Jahr gegeben, meistens sind zunächst unauffällig schmokende Grillanzünder auf die Reifen der Fahrzeuge gelegt worden. In vielen, aber bei weitem nicht in allen Fällen handelte es sich um Firmenwagen und Luxusautos.Hannes Heine

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