Rechtsextreme Kreise in Berlin : Linksextreme schlagen Rechtsradikalen zusammen

Stephan A. ist in der rechtes Szene kein Unbekannter. Linksextreme werfen ihm vor, Fotos von linken Demos gemacht zu haben. Am Wochenende wurde er zusammengeschlagen - wahrscheinlich von Linksextremen.

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Ein in der Szene bekannter Rechtsextremist ist am Samstagnachmittag in Lichtenberg angegriffen worden – mit großer Wahrscheinlichkeit von Linksextremisten. Nach Polizeiangaben wurde Stephan A. gegen 15.20 Uhr in der Eitelstraße von hinten „überfallmäßig“ auf den Kopf geschlagen. A. stürzte, und die fünf bis sechs dunkel gekleideten Täter traten auf den am Boden Liegenden ein. Sie flüchteten auf Fahrrädern. Der 27-Jährige wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht und blieb dort über Nacht. Die Ermittlungen übernahm der für politische Delikte zuständige Staatsschutz beim Landeskriminalamt. Am Samstagabend demonstrierten etwa 70 Rechtsextremisten, die zuvor in Hellersdorf gegen das Asylbewerberheim mobilisiert hatten, „gegen linke Gewalt“ in Lichtenberg.

Steckbrief von Stephan A. im Internet veröffentlicht

Vor zwei Wochen war auf einer linksextremen Internetseite eine Art Steckbrief des 27-Jährigen veröffentlicht worden, mit Fotos und Wohnanschrift. Ihm wird darin vorgeworfen, linke Demonstranten zu fotografieren und im Internet zu publizieren. In dem von „Fight Back“ verfassten Artikel heißt es: „Wenn ihr ihn erwischt, setzt nicht auf die Bullen. Hier ist antifaschistische Selbsthilfe gefragt.“

„Fight Back“ ist auch der Name einer Broschüre, die seit zwölf Jahren in Berlin erscheint und Namen und Strukturen der rechten Szene aufdeckt, ohne Anschriften zu nennen. In der jüngsten Ausgabe vom Mai werden etwa 70 führende Neonazis und Rechtsextremisten, darunter A., in einem „Lexikon“ mit Bild vorgestellt, insgesamt werden 850 Namen genannt.

Zuletzt hatte A. Fotos einer linken Demo für das Asylbewerberheim in Hellersdorf ins Internet gestellt. Es sind aber keine Porträtfotos darunter, Namen werden auch nicht genannt. Beide politischen Lager werfen sich seit langem gegenseitig vor, „Gegner“ zu fotografieren und die Bilder ins Internet zu stellen.

Nach Angaben von „Fight Back“ gehört A. zum „internen Kreis“ der Neonazigruppe „Nationaler Widerstand Berlin“. Die Gruppe hatte eine Liste linker Aktivisten, Politiker und Journalisten ins Internet gestellt – allerdings ist die Seite seit Dezember 2012 abgeschaltet.

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