• Regierender Bürgermeister von Berlin tritt zurück: SPD-Mitglieder sollen über Wowereit-Nachfolge entscheiden

Raed Saleh: "Ich will Regierender Büergermeiser werden"

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Regierender Bürgermeister von Berlin tritt zurück : SPD-Mitglieder sollen über Wowereit-Nachfolge entscheiden
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Er will Wowereit-Nachfolger werden: SPD-Fraktionschef Raed Saleh
Er will Wowereit-Nachfolger werden: SPD-Fraktionschef Raed SalehFoto: dpa

15.15 Uhr. Die Berliner Wissenschaft sieht auch Chancen im Rücktritt Wowereits. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität, zollt Wowereit "Anerkennung und Respekt": Er habe für die Stadt Berlin viel geleistet. "Aber: Nach einer derart langen Zeit bietet ein Wechsel an der Spitze der Regierung neue Perspektiven und Dynamiken, die Berlin dringend nötig hat.“

Auch Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität sagt, die Stadt habe Wowereit viel zu verdanken: "Manchmal habe ich ihn bewundert, manchmal über ihn den Kopf geschüttelt. Seine Bilanz kann sich sehen lassen, auch wenn sich die Hochschulen einen Schuss mehr Empathie für die Wissenschaft gewünscht hätten." Doch auch Olbertz findet, irgendwann seien neue Impulse und vielleicht auch ein neuer Stil gefragt: "Dann ist es eine kluge Entscheidung, den Dingen vorzugreifen und Platz für neue Entwicklungen zu machen."

Die Politikwissenschaftlerin Sabine Kropp vom Otto-Suhr-Institut der FU sagt auf Anfrage in einer ersten Einschätzung: "Wowereit hat ganz offenkundig die Reißleine gezogen. Seine Popularitätswerte in der Stadt sind seit geraumer Zeit stark gesunken. Er wird für das Scheitern von Großprojekten wie dem Großflughafen in hohem Maße mitverantwortlich gemacht. Und auf dem Tempelhofer Feld hat man gesehen, dass es der SPD nicht mehr möglich war, die Bürger für ihre Ziele zu mobilisieren. Das gilt auch für die CDU, trifft aber besonders Wowereit als Regierungschef."

Die Berliner SPD, die in Umfragen deutlich hinter die CDU zurückgefallen, erhoffe sich offenbar von einem Wechsel an der Spitze einen Aufschwung. Mit dem Austausch des Regierungschefs in der laufenden Legislaturperiode sei das anderswo schon gelungen. Aber die CDU und kleinere Parteien wie die Grünen hätten im Augenblick strategische Vorteile gegenüber der SPD, die sich erst einmal wieder regenerieren müsse.

Der Wowereit-Rücktritt in Bildern
26. August 2014, kurz vor 13 Uhr. Klaus Wowereit hat was vor an diesem Dienstag ...Weitere Bilder anzeigen
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26.08.2014 14:3426. August 2014, kurz vor 13 Uhr. Klaus Wowereit hat was vor an diesem Dienstag ...

15.07 Uhr. Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG, hofft, dass Wowereit nicht nur für den Flughafen in Erinnerung bleiben wird. "Berlin hat Klaus Wowereit viel zu verdanken. Er ist und bleibt der beste Berlin-Botschafter. Schade, dass das Thema Flughafen in der letzten Zeit so vorherrschend war. Klaus Wowereit hat uns als Berliner Unternehmen im In- und Ausland tatkräftig unterstützt. Dafür sind wir ihm sehr dankbar."

 

15.02 Uhr. Nicht mal zwei Stunden sind seit der Erklärung Wowereits vergangen, schon ist die Nachfolgedebatte in vollem Gange. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl sagte am frühen Nachmittag: "Herr Stöß wird kandidieren, und dann schauen wir mal, wer noch so kandidiert. Wenn es mehrere Kandidaten gibt, befürworte ich eine Mitgliederbefragung."

Der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß hat derweil angekündigt, er wolle um 18 Uhr aus der Beratung des Landesvorstands herauskommen, um sich öffentlich zu äußern.

15.00 Uhr. Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Evelyn Nikutta, würdigt in einem Statement die Leistung Wowereits für die Stadt. „Klaus Wowereit hat Berlin ein großes Stück voran gebracht. Dass wir heute als weltoffene, kulturell vielfältige, innovative und moderne Metropole wahrgenommen werden, verdanken wir auch zu einem bedeutenden Teil der Persönlichkeit unseres Regierenden Bürgermeisters. Den Berliner Verkehrsbetrieben stand er stets zur Seite. Dafür danke ich ihm auch im Namen all meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

14.57. "Berlin ist arm aber sexy", das kennt jeder. Genauso wie sein: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so!" Und sonst? Eine Sammlung der schönsten Wowereit-Zitate haben wir hier zusammengestellt.

Mal Kämpfer, mal Komiker: Klaus Wowereit in Bildern
Ein Herzchen zum Abschied. Klaus Wowereit bekam vom Lesben- und Schwulenverband ein praktisches Geschenk zum Abschied.Weitere Bilder anzeigen
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11.12.2014 08:46Ein Herzchen zum Abschied. Klaus Wowereit bekam vom Lesben- und Schwulenverband ein praktisches Geschenk zum Abschied.

14.50 Uhr. Kampfansage vom SPD-Franktionsvorsitzenden Raed Saleh. "Ich möchte Regierender Bürgermeister von Berlin werden", sagte Saleh am Mittag vor dem Berliner Abgeordnetenhaus. Am Morgen hatte bereits Jan Stöß seine Kandidatur in Aussicht gestellt.

14.43 Uhr. Aus dem kulturellen Bereich kommen einige Reaktionen zum Rücktritt Wowereits. Viele äußern Bedauern, denn hier hat sich Wowereit stets stark engagiert. So sagt beispielsweise Dieter Kosslick, Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin: „Ich kam 2001 fast zur selben Zeit als Direktor zur Berlinale wie Klaus Wowereit das Amt des Regierenden Bürgermeisters übernahm. Er hat das Festival nicht nur häufig besucht, sondern auch stets unterstützt – mit Rat und Tat." Die rasanten Veränderungen der Berlinale seien von Wowereit immer positiv begleitet worden. Nur eine Festivaleröffnung in den vergangenen 13 Jahren habe ohne den Regierenden Bürgermeister stattgefunden. "Die Berlinale bedankt sich für seine Unterstützung und wünscht ihm viel Glück, und ich hoffe, dass ich Klaus Wowereit wie immer im Februar auf dem Roten Teppich begrüßen kann."

Klaus Wowereit - die schönsten Karikaturen
26. August 2014Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Karikatur: Stuttmann
26.08.2014 11:3626. August 2014

14.30 Uhr. Im Konrad-Adenauer-Haus treffen sich Präsidium und Bundesvorstand der CDU zum ersten Mal nach der Sommerpause. Der Fall Wowereit spielt nur kurz eine Rolle - man ist sich mit den Berliner Parteifreunden einig, dass die CDU die große Koalition im Roten Rathaus nicht aufkündigen sollte, sondern sich lieber versuchen sollte als Stabilitätsanker zu verkaufen. "Die CDU hat ja keinen Vertrag mit Klaus Wowereit, sondern mit der SPD", fasst Generalsekretär Peter Tauber die Haltung zusammen. 

Kommentare  zu Wowereits Abgang verkneifen sich die meisten - die Sitzung endete praktischerweise kurz vor 13 Uhr, da war ja der Rückzug noch nicht offiziell - , nur Tauber kommt nicht ganz um ein Statement herum. "Mein Bedauern hält sich in Grenzen", sagt er; der Regierende sei ja "sicherlich eine schillernde Persönlichkeit in der Politik". Aber wenn er demnächst dann in Urlaub fliege, ätzt der Hesse Tauber, dann empfehle sich Frankfurt, da hätten sie nämlich einen funktionierenden Großflughafen.

14.20 Uhr. In der Potsdamer Staatskanzlei treffen sich die rot-roten Spitzen zur Sondersitzung; Regierungschef Dietmar Woidke will am Nachmittag den Wowereit-Rücktritt kommentieren. Christian Görke von der Linkspartei formuliert es so: "Der Rücktritt birgt viele Chance für einen Neustart in allen Fragen zur Entwicklung der Hauptstadtregion - von der Justiz bis zum Flughafen." Die Zusammenarbeit in der Hauptstadtregion hätten ernüchternde Ergebnisse gebracht.

14.13 Uhr. "Klaus Wowereit war einer der großen Regierenden Bürgermeister von Berlin, das sollte man an dieser Stelle festhalten", sagt der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Andreas Geisel (SPD). "Er hat Berlin als Weltmetropole entwickelt."

"Der beste Berlin-Botschafter" - Reaktionen auf Wowereits Rücktritt
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit tritt im Dezember von seinem Amt zurück. In unserer Bildergalerie zeigen wir Reaktionen von Politikern und anderen Prominenten . „Ich bin über seinen Rücktritt schon etwas traurig. Er hat sehr viel für die Stadt Berlin getan, gerade auf dem kreativen Sektor", sagt Modedesigner Michael Michalsky. Es ist aber sehr mutig und bewundernswert von ihm, selbst zu gehen. Er war es, der Berlin international attraktiv und hip gemacht hat. Berlin ist jung, trendy, dynamisch und offen. Die coolste Stadt, die einfach anders ist, als andere Städte – diese Message hat er in die Welt getragen. Gerade für die Modebranche hat Klaus Wowereit viel bedeutet. Ohne ihn gäbe es keine Fashion Week. Er hat schon meine allererste Show im Roten Rathaus supported, bevor es überhaupt eine Fashion Week in Berlin gab. Er hat verstanden, dass Fashion, Musik und Kunst Hand in Hand gehen und eine kreative Atmosphäre schaffen. Das ist für Start-ups und junge Unternehmen sehr interessant und anziehend.“Weitere Bilder anzeigen
1 von 51Foto: Imago
27.08.2014 13:17Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit tritt im Dezember von seinem Amt zurück. In unserer Bildergalerie zeigen wir...

14.10 Uhr. Verständnis für die Amtsaufgabe von Klaus Wowereit  zeigte die Vorsitzende des DGB, Bezirk Berlin und Brandenburg, Doro Zinke: „ Das BER-Desaster hing ihm augenscheinlich wie ein Mühlstein um den Hals.“ Zinke würdigte Wowereits Kurskorrektur in der Wirtschaftspolitik, bei der er die industriepolitische Initiative des DGB und seiner Gewerkschaften aufgriff.

Das habe dazu geführt, dass von Berlin endlich wieder als industriellem Standort gesprochen werde und die in der Stadt ansässigen Weltmarktführer mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten. Die Große Koalition in der Hauptstadt habe große Problemberge abzutragen wie die Personalnot im Öffentlichen Dienst und die Auflösung des Investitionsstaus, so die DGB-Vorsitzende. Auch das Thema soziale Gerechtigkeit müsse in der Stadt wieder auf die Agenda. Deshalb sei es notwendig, zügig eine Nachfolgerin beziehungsweise einen Nachfolger zu benennen.

14.05 Uhr. „Alles hat seine Zeit! Das gilt auch die Amtszeit des Regierenden Bürgermeisters", sagt Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf. "Es ist gut, dass ,Wowi' den Zeitpunkt selbst bestimmt hat. Mit der Zeit wird die Stadt ihm jenen Dank und Anerkennung zollen, den er sich mit Blick auf seine Amtszeit, die für ein offenes und tolerantes Berlin steht, verdient hat.“ Gleichzeitig stellte Naumann klar, dass er keine Ambitionen habe, Wowereits Nachfolger zu werden. Entsprechende Gerüchte waren vor kurzem aus Kreisen der Bezirks-CDU zu hören gewesen. „Das ist Quatsch und gänzlich absurd“, sagt Naumann dazu.

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