• Regierender Bürgermeister von Berlin tritt zurück: SPD-Mitglieder sollen über Wowereit-Nachfolge entscheiden

Regierender Bürgermeister von Berlin tritt zurück : SPD-Mitglieder sollen über Wowereit-Nachfolge entscheiden

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit tritt zum Ende des Jahres zurück - auch als BER-Aufsichtsratsvorsitzender. Alle Ereignisse und Reaktionen des Tages lesen Sie hier.

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Raed Saleh oder Jan Stöß? Beide wollen Regierender Bürgermeister werden.
Raed Saleh oder Jan Stöß? Beide wollen Regierender Bürgermeister werden.Foto: dpa

Ein Ära endet: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist zurückgetreten, in der SPD ist die Debatte um die Nachfolge schon in vollem Gange. Am Abend hat sich einer der aussichtsreichsten Kandidaten, der Landesvorsitzende Jan Stöß, erklärt. Sein Parteifreund Raed Saleh hatte bereits am Mittag gesagt: "Ich möchte Regierender Bürgermeister werden". Was über den Tag sonst noch passiert ist, können Sie hier noch einmal in unserem Liveticker nachlesen!

18.45 Uhr. Ob sie ihn im Bundesrat vermissen werden? Er ist ja immerhin der Dienstälteste gewesen unter den Ministerpräsidenten. In den regelmäßigen SPD-Parteirunden am Abend vor den Sitzungen der Länderkammer galt Klaus Wowereit als Stimmungsmacher. "Kabarettreif" seien seine Auftritte dort hin und wieder gewesen, hat ein Teilnehmer mal erzählt. Zwei Kollegen in den Ländern bedauerten am Dienstag den Rückzug. Der Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) bekundete Respekt vor der Entscheidung. "Klaus Wowereit hat sich in seiner Amtszeit um unsere Hauptstadt verdient gemacht, er hat Berlin geprägt." Und fügte hinzu: "Höchste Anerkennung verdient auch sein Outing – er hat damit zahlreichen Menschen Mut gemacht, steht für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung." Der Regierungschef der hoch verschuldeten Hauptstadt war auch immer eine Stütze für die hoch verschuldete Hansestadt. "Mit ihm als Regierendem Bürgermeister gab und gibt es eine gute Zusammenarbeit unter den Stadtstaaten", sagte Böhrnsen. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, ebenfalls Sozialdemokrat und derzeit Bundesratspräsident, sagte: "Klaus Wowereit ist eine herausragende Figur der kommunalen Selbstverwaltung und des Föderalismus, außerdem eine markante Persönlichkeit, die sicherlich nicht leicht zu ersetzen sein wird."

18.25 Uhr. Bei der CDU gab es am Nachmittag keinen großen Redebedarf. Die gemeinsame Sitzung von des Präsidiums mit den Abgeordneten der Fraktion war nach einer guten Stunde vorbei. Sichtlich entspannt sagte Landeschef Frank Henkel, man werde erst mal abwarten, wen die SPD präsentiere. Henkel muss sich keine Sorgen machen: Die CDU regiert querelenfrei mit, punktet in den Meinungsumfragen, Streit um das Personal gibt es nicht. "Im Dienste der Stadt" werde man weiter mitregieren, sagte der CDU-Mann, an diesem Tag die Gelassenheit in Person und fragte dann rhetorisch: "Was haben wir zu verlieren?"

18.10 Uhr. Der Berliner SPD-Chef Jan Stöß kandidiert für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Das gab er am Abend bekannt. Über die Wowereit-Nachfolge soll es einen verbindlichen Mitgliederentscheid geben, sagte Stöß nach einer Sitzung des Landesvorstands der SPD. Eine Entscheidung soll bis zum Landesparteitag am 8. November fallen. Der Vorstand habe verabredet, dass bis kommenden Montag Klarheit über die Kandidatenlage hergestellt sein soll. Derzeit gebe es zwei Kandidaten - gemeint sind Fraktionschef Raed Saleh und Stöß selbst.

Zum Rücktritt Wowereits sagte Stöß: "Dieser Tag ist eine Zäsur für Berlin, und die Berliner SPD." Im Landesvorstand sei Wowereit Dank und großer Respekt ausgesprochen worden. "Wir sind stolz auf ihn." Er habe sich mit CDU-Landeschef Frank Henkel darauf geeinigt, die erfolgreiche Arbeit in der Koalition fortzusetzen, so Stöß.

18.05 Uhr. Während alle auf die Erklärung von Jan Stöß warten, erinnern wir uns: Wie war das noch mal am Anfang? 13 Jahre hat Klaus Wowereit regiert, im Dezember ist Schluss. Eine Chronik seiner Regierungszeit finden Sie hier.

17.45 Uhr. Auch bei den Geistlichen der Stadt wird Wowereits Rücktritt gemischt aufgenommen. „Klaus Wowereit hat als Regierender Bürgermeister das Bild der Stadt Berlin in den vergangenen 13 Jahren geprägt und in der zusammenwachsenden Stadt deutliche Akzente gesetzt", sagte Bischof Markus Dröge. "Als Regierender Bürgermeister widmete er sich diesem Ziel mit ganzer Kraft und bewundernswertem persönlichem Engagement."

Der Wowereit-Rücktritt in Bildern
26. August 2014, kurz vor 13 Uhr. Klaus Wowereit hat was vor an diesem Dienstag ...
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26.08.2014 14:3426. August 2014, kurz vor 13 Uhr. Klaus Wowereit hat was vor an diesem Dienstag ...

17.21 Uhr. Die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR) Vera Gäde-Butzlaff zeigt Verständnis für Wowereits Entscheidung. „Ich bedauere den Rücktritt von Klaus Wowereit sehr, kann ihn aber persönlich gut verstehen. Klaus Wowereit hat viel in und für Berlin bewegt, ist Protagonist und Sinnbild der weltoffenen Metropole. Für die BSR und ihre Beschäftigten war er in all den Jahren ein verlässlicher und zugewandter Ansprechpartner.“

17.17 Uhr. Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg beklagt den Sparkurs, den der scheidende Regierende bei den Bezirken gefahren habe. "Er scheint die Bedeutung der Bezirke für die Stadt unterschätzt zu haben." Die Auswirkungen der rigiden Sparpolitik bekämen die Menschen unmittelbar zu spüren, wenn sie lange Wartezeiten für Selbstverständlichkeiten wie einen neuen Personalausweis oder einen Kita-Platz in Kauf nehmen müssen." Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger müsse nun die Baustellen zu einem guten Ende bringen, die Klaus Wowereit der Stadt hinterlassen hat.“ Trotzdem lobte Herrmann Wowereits großes Engagement, Berlin auf der ganzen Welt zu repräsentieren. "Für diese Leistung gebührt ihm Anerkennung und Respekt."

17.14 Uhr. Mit Tränen in den Augen sagt Wowereit am Mittag: „Auch wenn ich aus der aktiven Politik aussteigen werde, Sie können sicher sein, dass ich auch weiterhin für meine Stadt Berlin da sein werde. (...) Ich liebe diese Stadt so wie sie ist, mit ihren Widersprüchen, mit ihren Vorteilen ihren Nachteilen, mit ihrer Rauheit, mit ihrer Schönheit, und das wird auch so bleiben.“ In den gut zwölf Jahren seiner Amtszeit waren das nicht die einzigen knackigen Worte, die Wowereit gesagt hat. Die schönsten Zitate finden Sie hier

17.00 Uhr. Erst Dilek Kolat, jetzt auch noch Dieter Hallervorden. Der Kabarettist, Schauspieler und Theaterleiter stellte am Nachmittag unmissverständlich klar, dass man ihn bitte nicht fragen solle für die Nachfolge von Klaus Wowereit. "Jetzt wird der Sitz des Regierenden frei", sagte Hallervorden. "Tut mir leid, aber ich kann beim besten Willen kein drittes Theater übernehmen..."

Mal Kämpfer, mal Komiker: Klaus Wowereit in Bildern
Ein Herzchen zum Abschied. Klaus Wowereit bekam vom Lesben- und Schwulenverband ein praktisches Geschenk zum Abschied.
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11.12.2014 08:46Ein Herzchen zum Abschied. Klaus Wowereit bekam vom Lesben- und Schwulenverband ein praktisches Geschenk zum Abschied.

16.55 Uhr. Der grüne Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin fordert einen politischen Neuanfang in Berlin. Zwar habe Klaus Wowereit große Verdienste: "Als erster offen schwul lebender Regierungschef hat er viel für die Akzeptanz von Homosexuellen in öffentlichen Ämtern getan." Außerdem habe Wowereit dazu beigetragen, dass Berlin zu einer Stadt mit einer lebendigen Kulturszene und mit wachsenden Touristenzahlen geworden ist - was auch Geld in die Kassen der Stadt gespült habe.

Auf der anderen Seite sei jedoch die Infrastruktur der Stadt in seiner Regierungszeit auch nicht besser geworden, sondern schlechter, "Berlin ist einfach schlecht verwaltet". Und nicht zuletzt habe Klaus Wowereit die Krise rund um den Flughafen "mit bräsiger Wurstigkeit begleitet. Es war deshalb an der Zeit, dass er zurücktritt."

16.53 Uhr. Über die Zukunft der Charité wird im Senat immer wieder gestritten. Charité-Chef Karl Max Einhäupl bedauert jetzt den Rücktritt Wowereits: "Der Regierende hat viel für die Charité getan – er war und ist sich der Bedeutung der Charité für die Gesundheitsversorgung der Stadt, für die Wissenschaft und die medizinischen Innovationen stets bewusst." Bei wichtigen Weichenstellungen habe Wowereit "verlässlich an der Seite der Charité" gestanden und hat damit "wesentlich zu ihrem erfolgreichen Kurs beigetragen".

16.41 Uhr. Raed Saleh bekräftigt erneut, dass er antreten will. Er hat für Mittwochvormittag, 11 Uhr, eine Sondersitzung der Fraktion angesetzt. Im Laufe des Tages betonte Saleh immer wieder, dass Stabilität und Kontinuität in Bezug auf die große Koalition wichtig seien. "Wir haben keine Zeit für Spielchen."