Regionalstation Karlshorst vor dem Aus : Bahn will im Osten nicht mehr halten

Erst wurden die langjährigen Pläne für einen Regionalbahnhof in Köpenick gekippt. Nun steht auch noch die existierende Station in Karlshorst vor dem Aus.

von

Berlin/Erkner - Die Bahn will ein großes Ärgernis durch ein noch größeres ersetzen. Betroffen ist die Strecke Ostbahnhof – Frankfurt (Oder), die parallel zur S 3 durch den Berliner Südosten verläuft. Dort wurde, wie berichtet, der seit Jahren geplante Neubau eines Regionalbahnhofes in Köpenick gestrichen, weil der Bund ihn nicht bezahlen will. Jetzt wird klar, dass auch die Alternative verschwinden soll – der Regionalbahnhof Karlshorst: Auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag teilt das Bundesverkehrsministerium mit, dass Regionalzüge in Karlshorst nur noch bis voraussichtlich 2016 halten werden, wenn der Regionalbahnsteig am Ostkreuz in Betrieb gehen soll. „Insofern gibt es auch keine Planungen der DB Netz AG zur Sanierung und Modernisierung des Bahnhofs“, schreibt die Bundesregierung in der Vorabfassung der Auskunft, die dem Tagesspiegel vorliegt. Zuvor stehe lediglich eine geringfügige Veränderung des stadtauswärtigen Bahnsteigs an, weil die Brücke über die Treskowallee erneuert werden muss. Die Überführung ist – wie der gesamte Regionalbahnhof Karlshorst – völlig marode.

Sollten die Pläne von Bahn und Bund tatsächlich so umgesetzt werden, würde der Regionalexpress RE 1 künftig zwischen Ostkreuz und Erkner 20 Kilometer ohne Halt durch den Berliner Südosten rauschen. Auf der Strecke dazwischen bliebe ein Einzugsgebiet mit mehreren Hunderttausend Alteingesessenen, neu entstandenen Wohngebieten wie dem „Carlsgarten“, Freizeiteinrichtungen wie dem Tierpark, dem FEZ Wuhlheide, dem Fußballstadion an der Alten Försterei sowie dem größten Köpenicker Einkaufszentrum direkt neben dem dort einst geplanten Bahnhof.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Umplanung wurde laut Verkehrsministerium nicht berechnet. Der Berliner Senat prüft nun, wie er mit der Rundumabsage von Bund und Bahn umgeht. Verkehrsstaatssekretärin Maria Krautzberger teilte auf Anfrage des Lichtenberger CDU-Abgeordneten Gregor Hoffmann mit, der Senat halte am Bau des Regionalbahnhofs in Köpenick fest und habe das zuletzt am 21. Dezember der Bahn erklärt. Die Finanzierung sei offen, aber für die Haushaltsberatungen 2012/13 solle Geld für den Neubau angemeldet werden. Es gibt aber bereits die Idee, den Bau mit einbehaltenen S-Bahnzuschüssen zu finanzieren. Auch Hoffmann erklärt: „Der Verzicht auf beide Bahnhöfe geht nicht, zumal es sich bei beiden Gebieten um Wachstumsregionen handelt.“ Die Anbindung werde dringend benötigt.

Die parallel fahrende S-Bahnlinie 3 ist enorm frequentiert. Sie braucht aber wegen der großen Entfernung etwa von Köpenick zum Hauptbahnhof eine halbe Stunde.

Weil die DB-Trasse in Berlin nun nicht mehr für Tempo 160, sondern nur für 120 km/h hergerichtet werden soll, entfallen laut Bund auch „die Ansprüche auf Lärmschutz im Rahmen der Lärmvorsorge“. Eine längere Schallschutzwand gibt es bisher nur in Karlshorst. Ansonsten gehört die Trasse laut den Daten der Umweltverwaltung zu den größten Lärmerzeugern in ganz Berlin, vergleichbar nur mit dem Flughafen Tegel, einigen Autobahnabschnitten und dem sogenannten Außenring der Bahn, der längs von Hohenschönhausen durch Marzahn bis nach Grünau verläuft. Stefan Jacobs

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

51 Kommentare

Neuester Kommentar