Berlin : Revolutionäre Zellen: Späte Aufklärung im Mordfall Karry?

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"Geplant war, durch mehrere Schüsse in seine Beine dafür zu sorgen, dass er länger das Bett hüten muss", hieß es in dem Bekennerschreiben der Revolutionären Zellen. "Dass eins der vier Projektile, von denen er getroffen wurde, seine Beckenschlagader zerfetzte und damit tödlich wurde, war der große - nicht einkalkulierte - Zufall". Am 11. Mai 1981 gegen fünf Uhr schossen Mitglieder der RZ auf den hessischen Wirtschaftsminister Heinz Karry. Es war der einzige tödliche Anschlag der Gruppe, nach eigenen Angaben ein Versehen. Fast 20 Jahre lang tappten die Ermittler im Dunkeln, wer hinter dem Attentat stand. Die Aussagen des Kronzeugen Tarek Mousli, der zugab, von 1985 bis 1990 Mitglied einer RZ war, könnte die Bundesanwaltschaft nun auf eine neue Spur bringen. Denn Mousli beschuldigt Rudolf Schindler, der Schütze gewesen zu sein. Schindler steht derzeit in Frankfurt im Prozess gegen Hans-Joachim Klein vor Gericht.

Der Kronzeuge Mousli sagte Ende vergangener Woche in Frankfurt aus, Schindler habe ihm in der zweiten Hälfte der 80er Jahre von dem Anschlag erzählt und dabei auch Insiderwissen über die Tatumstände gehabt. Der 57-Jährige habe zudem als "Schütze" der RZ gegolten, der auch in anderen Fällen die Pistole führte.

Seine Aussage machte Mousli gegenüber der Bundesanwaltschaft bereits im Frühjahr - bislang erhob die Behörde allerdings keine Anklage in Sachen Karry. Denn die Aussagen stehen auf wackligen Beinen: Nach Mouslis eigenen Angaben besprachen die RZ wichtige Anschläge mit allen Untergruppen, so dass auch Nicht-Beteiligte Insiderwissen haben könnten. Und laut Akten habe Schindler nie gesagt, er habe persönlich geschossen.

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