• "Ride of Silence" durch Berlin: 1000 Menschen wollen für getötete Radler in die Pedale treten
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"Ride of Silence" durch Berlin : 1000 Menschen wollen für getötete Radler in die Pedale treten

Am 20 Mai findet in weltweit 350 Städten der "Ride of Silence" statt, um an getötete Radfahrer zu erinnern. In Berlin wollen am Mittwochabend 1000 Menschen an der Schweigefahrt teilnehmen. Die Polizei meldet den vierten getöteten Radler in Berlin in diesem Jahr.

von und Johannes Böhme
Foto: dpa

Am Mittwoch meldete die Polizei den Tod eines 58-jährigen Radfahrers, der am 9. Mai auf der Hardenbergstraße von einem rechts abbiegenden Taxi angefahren worden war. Er ist der vierte Radfahrer, der in diesem Jahr in Berlin infolge eines Verkehrsunfalls ums Leben kam.

Für den 58-Jährigen und alle anderen Radfahrer, die in den letzten Monaten auf Berlins Straßen sterben mussten, wollen am Mittwochabend rund 1000 Menschen in die Pedale treten. Ganz in Weiß gekleidet, ohne einen Mucks zu machen. Der "Ride of Silence" findet zum insgesamt dreizehnten Mal statt, die erste Schweigefahrt wurde 2003 in Dallas im US-Bundesstaat Texas unternommen. 2015 wollen sich Radfahrer in weltweit 350 Städten - von New York bis Hongkong - an der Fahrt beteiligen. Letztes Jahr machten weltweit 12.000 Menschen mit. So soll auch für eine fahrradfreundlichere Stadtpolitik geworben werden.

Route führt zu Stellen, an denen Radler starben

Angemeldet wurde der "Ride of Silence" von der "Initiative Clevere Städte", die sich für mehr Geh- und Radwege in deutschen Städten einsetzt. Hinter der Initiative steht Heinrich Strößenreuther, der bereits mit einer App gegen Falschparker und einer Online-Petition, die höhere Strafgelder fürs Parken auf Radwegen forderte, in Erscheinung getreten ist.

Vom Berliner Senat fordert Strößenreuther, endlich konsequent auf Radspurstreifen auf den Straßen zu setzen: "Dann merken die Autos, dass die Straße ihnen nicht alleine gehört." Er verwies außerdem darauf, dass gerade Frauen sich in Berlin immer noch häufig gegen das Fahrrad entschieden, weil sie sich im Verkehr nicht sicher genug fühlten. Das müsse sich ändern. "Je mehr Fahrradfahrer unterwegs sind, desto mehr gewöhnen sich die Autofahrer daran und desto sicherer wird es für alle Beteiligten."

Das größte Risiko sind abbiegende Fahrzeuge

Neben Berlin machen sich auch Radler in Hamburg, Stuttgart, Hannover, Wiesbaden, Freiburg, Oldenburg und Osnabrück zur Schweigefahrt auf. In Berlin treffen sich die Radfahrer um 19 Uhr am Brandenburger Tor; dann geht es in einem Rundkurs durch die Innenstadt - an jenen Orten vorbei, an denen in den vergangenen Monaten Radfahrer getötet wurden. Um 21 Uhr soll die Fahrt am Roten Rathaus in Mitte enden.

2014 kamen in Berlin zehn Radfahrer ums Leben. Abbiegende Fahrzeuge stellen dabei das größte Risiko für die Radler dar: Im Jahr 2014 verzeichnete die Polizei 1595 solcher Zusammenstöße. Vier der zehn Getöteten starben bei einem Abbiegeunfall.

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