Rückkehr aus der Türkei : Hauptverdächtiger im Fall Jonny K. stellt sich

Einer der zwei bisher flüchtigen Hauptverdächtigen im Fall Jonny K. hat sich der Polizei gestellt. Bei seiner Einreise am Flughafen Tegel wurde Bilal K. direkt bei der Passkontrolle festgenommen. Onur U. befindet sich weiter in der Türkei.

von und
Blumen und Kerzen in Gedenken an Jonny K.
Blumen und Kerzen in Gedenken an Jonny K.Foto: dpa

Einer der Hauptverdächtigen im Fall des am Alexanderplatz zu Tode getretenen Jonny K. hat sich der Polizei gestellt.  Bilal K. landete am Samstagabend in Begleitung eines Rechtsanwaltes mit einem aus Ankara kommenden Flugzeug in Tegel.  Da ein Haftbefehl vorlag, wurde er sofort bei der Passkontrolle von Bundespolizisten festgenommen.

Bilal K. war nach der Tat Mitte Oktober in die Türkei geflohen, dort hält sich weiterhin Onur U. versteckt, der bei der Staatsanwaltschaft als treibende Kraft der Gewaltattacke gilt.  Am 14. Oktober 2012 hatten sechs junge Männer auf den 20 jährigen Jonny K. eingeprügelt. Das Opfer war am nächsten Tag im Krankenhaus an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben.  Die Tat hatte wie keine andere der vergangenen Jahre Schlagzeilen gemacht.  Innensenator "Frank Henkel meldete sich am Sonntag sofort: "Ich bin sehr erfreut, dass die Polizei einen weiteren mutmaßlichen Täter festnehmen konnte. Das ist auch ein wichtiges Zeichen an die Familie des Opfers. Ich habe großes Vertrauen in die Justiz, dass sie auch bei Onur U. den Druck aufrechterhält. Dieser Fall muss weiter höchste Priorität haben. Niemand soll sich seiner Verantwortung entziehen können." 

Trauerfeier für Jonny K.
Hunderte Berliner kamen nach Westend, um von Jonny K. Abschied zu nehmen.
Weitere Bilder anzeigen
1 von 18Foto: dapd
28.10.2012 14:58Hunderte Berliner kamen nach Westend, um von Jonny K. Abschied zu nehmen.

Wie berichtet, hatte die Justiz gegen die vier  Täter (19 bis 21 Jahre alt), die im Oktober und November festgenommen worden waren, vor wenigen Tagen Anklage erhoben.  Zwei dieser vier Angeklagten wird  Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen, den beiden anderen nur gefährliche Körperverletzung. Eine Anklage wegen Totschlags oder gar Mordes war nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht möglich, da aufgrund der Ermittlungen und gerichtsmedizinischen Untersuchungen kein Tötungsvorsatz angenommen werden konnte.

Bei der Justiz geht man davon aus, dass Bilal K. Sorgen hatte, dass die Angeklagten im Prozess alles auf ihn und Onur U. schieben. Deshalb habe er sich nun fast fünf Monate nach der Tat gestellt. Bilal K. wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Da er über 21 Jahre ist, gilt Erwachsenenstrafrecht. Dieses sieht bei Körperverletzung mit Todesfolge im Höchstfall bis zu 15 Jahre Haft vor. Offen ist, wie  sich nun Onur U. - der letzte Tatverdächtige auf der Flucht - verhält.  Wie berichtet, hatte die Türkei im Februar die Akten zu dem Fall angefordert.  Erst damit hatte die Berliner Staatsanwaltschaft die Gewissheit, dass Onur U. die türkische Staatsangehörigkeit hat. Das Rechtshilfeersuchen aus der Türkei wird derzeit von der Berliner Justiz geprüft. 

Tina K., die Schwester des getöteten Jonny K., reagierte am Sonntag erleichtert auf die Festnahme. Sie tritt im Prozess als Nebenklägerin auf. "Ich habe immer gesagt, dass sie sich stellen werden.", sagte sie. Sie hoffe, dass auch der noch flüchtige Onur U. auf sein Gewissen höre und zum Prozess erscheine.

Bei der Anklageerhebung in der vergangenen Woche konnte die Staatsanwaltschaft keine Tötungsabsicht nachweisen, so dass der Tatvorwurf von Mord zu gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge abgeschwächt wurde. Tina K. äußerte sich zu dieser Entwicklung abwartend. "Bei einer Verurteilung kann es trotzdem hohe Haftstrafen geben. Ich warte den Prozess ab, dann können wir sehen, ob es gerecht ist." Außerdem könne sich durch die Rückkehr Bilal K.s die Situation noch ändern, falls er weitere Details der Tatnacht preisgebe.

Autoren

71 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben