Berlin : Rückkehr ins Bienenhaus

Das ehemalige Kaufhaus Jandorf in der Brunnenstraße stand jahrelang leer Jetzt wird es zu einen Konferenzzentrum mit Büros und Lofts umgebaut

Anne Haeming

Quer über die verschnörkelten Wappen an der Fassade klettern steinerne Bienen. Bienenfleißig soll er eben gewesen sein, der Kaufhauschef Adolf Jandorf, der 1904 das Haus in Mitte bauen ließ, drei Jahre vor seinem KaDeWe. Dem alten Gebäude in der Brunnen-/Ecke Veteranenstraße sah man allerdings lange an, dass es leer gestanden hat, Plakatreste überall. Seit ein paar Monaten jedoch hat es neue Schaufenster und seit Anfang August lädt ein blaues Transparent ein, dort zum Beispiel ein Loft zu erwerben.

Die Fassadenbienen haben die Zeit weitgehend unbeschädigt überdauert und mahnen noch immer zügiges Arbeiten an. Zurzeit ist es allerdings recht ruhig. Ein Schild über einer der Türen warnt vor der „Baustellenausfahrt“. Im hinteren Teil des Gebäudes werkeln zwei Bauarbeiter. Wo in den Vierzigern Kurzwaren im Schaufenster angeboten wurden, fällt nun wieder Licht in die Etage.

Fünf Stockwerke, 10 000 Quadratmeter, noch zehn Monate Bauzeit und fünf Millionen Euro Investitionen – das sind die Eckdaten der aktuellen Umbauphase. Kommendes Frühjahr, plant der neue Eigentümer, Jacob Schultz, ist die Sanierung abgeschlossen. Seine Pläne für das Gebäude sind noch nicht bis ins Detail festgelegt: Konferenzzentrum, Büros, Lofts – einiges ist möglich. Vermarkten will Schultz das Objekt wahrscheinlich selbst.

Das schmiedeeiserne Treppengeländer ist eingestaubt. „Aus den Zwanzigern“, erklärt der Hausmeister auf dem Weg in den ersten Stock. Wolfgang Gliep kennt jeden Winkel, das Haus ist Teil seiner Geschichte – seit er im Dezember 1983 als Pförtner im Modeinstitut der DDR angefangen hatte. Das Institut war die Designschmiede des Landes, „im Prinzip wie Karl Lagerfeld“.

Gliep blieb, als Schultz das Haus 1993 der Treuhand abkaufte. Die Mieter hat Schultz damals auch übernommen. Der letzte, eine Bank, zog erst 1998 aus. Seither: UdK-Veranstaltungen, Theateraufführungen, alles nur sporadisch. 2003 dann ein erstes Aufbäumen, Sporthersteller, Modedesigner sollten einziehen. Es hat nicht geklappt, der Wille auf beiden Seiten sei da gewesen, allein, es fehlte „die finanzielle Basis“.

Seit einem Jahr nun wird nach einem neuen Plan umgebaut, entworfen von einem Bad Homburger Architekturbüro: ein Konferenzzentrum mit großen Sälen und kleineren Seminarräumen, Büros für Kreative, ein Bistro-Café sollen hier entstehen. Was in Mitte an der Grenze zu Prenzlauer Berg und Wedding eben gefragt ist.

Genauer gesagt: gefragt sein könnte. Dass der Bedarf an Büros in dieser Lage nicht der höchste ist, weiß auch Schultz. Er ist dennoch zuversichtlich. Platz dafür wäre etwa im vierten Stockwerk. Darüber könnten weitere Konferenzsäle im Dachgeschoss entstehen, deren feingliedrige Stahlstützen wie betongraue Mikadostäbe die Holzkonstruktion unterstützen. Nebenan ist noch ein Raum mit Oberlicht.

Alte Gebäude sanieren, damit kennt Schultz sich aus: Ein Bau in Frankfurt am Main vom Beginn des 20. Jahrhunderts ist jetzt ein Hotel, es gehört ihm noch. Hotelzimmer könnte Schultz sich auch in seiner Berliner Immobilie vorstellen, „das ist aber nicht meine erste Priorität“, sagt er. Eine Anfrage im Bezirksamt hat er eingereicht, sie werde noch geprüft, erklärt Dorothee Dubrau, die Baustadträtin in Mitte: „Es geht dabei nur um die prinzipielle Möglichkeit.“

Weiteres im Internet:

www.conference-center-mitte.de

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