Saubere Sache - Gemeinsame Sache : Neukölln: Alle unter einem Dach

Für Senioren gibt es im Bürgerzentrum Neukölln ein großes Angebot. Am Aktionstag verschönern sie mit Flüchtlingen ihr Haus.

Jana Scholz
In Neukölln geht es rund. Im Bürgerzentrum ist immer was los – am Aktionstag sind Alt und Jung gemeinsam dabei.
In Neukölln geht es rund. Im Bürgerzentrum ist immer was los – am Aktionstag sind Alt und Jung gemeinsam dabei.Foto: Spiekermann-Klaas

Eigentlich hätte Marina Friedenberger letztes Jahr in Rente gehen können. Aber sie will einfach nicht. Stattdessen organisiert sie mit ihrer Kollegin Monika Fritsch-Behrens weiter Tanztees, Spaziergangsgruppen oder Seniorengymnastik. Immer sind die beiden Sozialarbeiterinnen mittendrin, drücken Hände, streicheln Wangen, lachen hier und da jemanden an und hören zu.

Schon seit über zehn Jahren arbeiten die beiden Frauen im Bürgerzentrum Neukölln. Sie organisieren Freizeitangebote für Senioren, die dann von Ehrenamtlichen geleitet werden. Am Aktionstag werden Friedenberger und Fritsch-Behrens mittlerweile zum dritten Mal mit Flüchtlingen zusammenarbeiten. Laura Krause, die Koordinatorin für Flüchtlingsfragen im Bezirksamt Neukölln, stellt den Kontakt zur Unterkunft in der Haarlemer Straße her.

Die Dachterrasse verschönern

Zusammen mit Senioren und den Ehrenamtlichen aus dem eigenen Haus werden die Flüchtlinge aus Syrien und Pakistan den Vorgarten und die Dachterrasse verschönern. „Davon hat die Allgemeinheit etwas“, sagt die 64-jährige Friedenberger aus Rudow. Im Haus gebe es keinen Hausmeister, solche Arbeiten seien im Budget nicht enthalten.

Schon beim Aktionstag 2014 setzten Senioren und Flüchtlinge gemeinsam Blumenzwiebeln, die Bänke wurden neu gestrichen und die Lampen erhielten einen blauen Farbanstrich. „Wir mussten sie bremsen, sie wollten gar nicht mehr aufhören“, lobt Friedenberger das Engagement der Flüchtlinge, die letztes Jahr zusammen mit der früheren Integrationsbeauftragten Barbara John ins Bürgerzentrum kamen. Im Anschluss an die Arbeit grillen traditionell alle Helfer auf der Dachterrasse. „Auch unsere Senioren haben viel Freude daraus gezogen“, sagt die 57-jährige Fritsch-Behrens.

Alle kommen zusammen

Dass die zwölf Männer aus Lampedusa letztlich keine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland erhielten, finden die beiden Sozialarbeiterinnen besonders traurig. „Sie haben so tolle Arbeit geleistet, und mussten dann doch wieder gehen“, sagt Friedenberger. In diesem Jahr hoffen die beiden, dass aus dem Zusammentreffen am Freiwilligentag noch mehr entsteht: Sie wünschen sich Patenschaften zwischen den Senioren im Bürgerzentrum und den Flüchtlingen.

So könnten sich Senioren und Paten gegenseitig unterstützen, zusammen Einkäufe erledigen oder Kaffee trinken. Um den Zusammenhalt über den Freiwilligentag hinaus zu verstärken, organisieren die Sozialarbeiterinnen als Dankeschön auch das Opferfest, dieses Jahr am 29. September. Flüchtlinge, Senioren und die Nachbarschaft kommen zusammen: Es gibt Rindfleischsuppe, Baklava und Tee.

Stück vom „Theater der Erfahrungen“

Außerdem wird das „Theater der Erfahrungen“ ein deutsch-türkisches Stück aufführen. „Vielleicht bringen einige Flüchtlinge ja ihre Familie mit, und jemand aus unserem Haus will gern als Großmutter für ein Kind tätig sein“, sagt Friedenberger.

Eine ist garantiert dabei: Waltraud Knoblauch. Die 82-jährige Neuköllnerin besucht das Bürgerzentrum seit seiner Eröffnung 1983. Schon in den letzten beiden Jahren half sie mit den Flüchtlingen bei der Verschönerung des Vorgartens, heute ist sie zum Tanztee gekommen. Zur Live-Musik der „Little Party Band“ tanzt sie im Sitzen mit.

Nicht noch einmal in Neukölln

Schließlich geht der Tanznachmittag vier Stunden, da werden die Beine schon mal müde. „Alle sind so nett hier“, sagt Knoblauch. „So etwas gibt es in Neukölln nicht noch einmal.“ Fritsch-Behrens und Friedenberger denken sich immer wieder neue Aktivitäten aus: zum Beispiel die Modenschau „Prêt-à-porter“ und der „Trödelkeller“. Die Einrichtung bekommt häufig Kleidung geschenkt. Oft sind die Kleider noch völlig ungetragen.

Erst präsentieren die Seniorinnen und Senioren die Kleider bei der Modenschau, danach können die Besucher sie für 50 Cent oder einen Euro kaufen. „Wir sind das KadeWe des Trödels“, sagt Friedenberger und lacht. Was nicht verkauft wird, geht an Sozialkaufhäuser.

Manche kommen aus Reinickendorf

Manche Senioren fahren extra aus Reinickendorf hierher, die meisten kommen aber aus Neukölln. Sie wohnen alle selbstbestimmt im eigenen Zuhause und nutzen die Angebote um ihren Alltag zu gestalten. Auch Freundschaften und Partnerschaften entstehen hier:

Unter den Paaren beim Tanztee sind auch solche, die sich hier kennengelernt haben und sogar heiraten wollen. Und für die Neuköllner haben sich Fritsch-Behrens und Friedenberger etwas Besonderes ausgedacht, das „Erzähl-Café“: „Alte Neuköllner treffen sich zum Quatschen, bringen Fotos mit aus alten Tagen und tauschen sich aus.“

Am 18. September von 11 bis 17 Uhr sind Helferinnen und Helfer eingeladen, Blumenzwiebeln zu setzen, den Zaun auf der Dachterrasse zu erneuern, Bänke zu streichen und rund ums Haus sauber zu machen. Bürgerzentrum Neukölln, Werbellinstraße 42, Neukölln. Anmeldungen bitte persönlich im Büro oder unter 681 80 62.

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