Saubere Sache in Mitte : Viel mehr als nichts

Die Regie-Assistentin Franziska Wilbrandt und der Medizintechniker Philip Schreiterer sind als Moabit-Botschafter in Mitte unterwegs.

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Die Farbe Bunt. Franziska Wilbrandt und Philip Schreiterer sorgen dafür, dass die Menschen in Moabit sich gegenseitig besser kennenlernen.
Die Farbe Bunt. Franziska Wilbrandt und Philip Schreiterer sorgen dafür, dass die Menschen in Moabit sich gegenseitig besser...Foto: Spiekermann-Klaas

Vor einem kleinen gelben Zaun bleiben Franziska Wilbrandt und Philip Schreiterer stehen. Wilbrandt deutet auf den Laden auf der anderen Seite des Bürgersteigs und sagt: „Das Spielcasino war vielen hier ein Dorn im Auge.“ Bis etwas geschah, das niemand erwartete. Der Casino-Inhaber kam auf sie zu: Er wolle Rosen vor seinem Laden pflanzen. Franziska Wilbrandt zimmerte ihm zwei Zäune für die Baumscheiben und hängte ein Schild vor das Casino in der Emdener Straße in Moabit. „Blumenbeetpate“ steht darauf und „Emdener treffen Emdener“.

Etliche von den bunten Zäunen reihen sich in der Straße aneinander. Im vergangenen September hatten Franziska Wilbrandt, 36, und ihr Partner Philip Schreiterer, 44, im Verein Moabit e. V. vorgeschlagen, zur Tagesspiegel-Aktion „Saubere Sache“ die Bepflanzung zu starten. „Es ging darum, dass Leute, die in der Straße wohnen, aus ihrer Anonymität rauskommen“, sagt Schreiterer. Er arbeitet als Medizintechniker, Wilbrandt ist im Filmgeschäft. Seit mehr als zwei Jahren engagieren sich die gebürtigen Berliner für den Verein und sorgen mit den anderen Mitgliedern dafür, Moabit schöner und lebenswerter zu machen.

Das Engagement des Paars reicht von der Organisation von Western-Abenden mit Bohnensuppe bis zur Verleihung der Bezirksverdienstmedaille, die aus Geldmangel der öffentlichen Hand in Moabit ursprünglich auf Eis lag. Die Arbeitsaufteilung ist dabei klar. Schreiterer erledigt den Behördenkram – „er hat da einen eisernen Willen“, sagt Wilbrandt. Sie hat als ausgebildete Requisiteurin eher ein Händchen für die handwerklichen Dinge. „In Moabit, da gibt’s ja nichts.“

Das bekommen die beiden meistens zu hören, wenn sie Freunden ein Treffen in ihrem Ortsteil vorschlagen. Schreiterer wohnt seit 1996 hier, Wilbrandt ist vor sieben Jahren zu ihm gezogen. Den Freunden und auch allen anderen Interessierten wollen sie zeigen, dass es sehr wohl ein Angebot gibt. Zum Beispiel auf einer der vier Kneipentouren mit insgesamt über 30 Moabiter Kneipen, die sie bis dato veranstaltet haben – ein großer Erfolg. „Die obere Grenze waren 20 Leute pro Tour. Wir mussten eine Warteliste einrichten“, sagt Wilbrandt.

Hier wie überall sonst geht für das Paar Engagement direkt vor der Haustür los. Wenn sie einkaufen gehen, dauert das eine halbe Stunde länger als früher, weil sie so viele Anwohner treffen. „Wir haben viele tolle Leute kennengelernt“, sagt Franziska Wilbrandt. Auch jetzt, in einem Moabiter Café, setzt sich sofort ein Bekannter an den Tisch nebenan. „Bist du am Samstag dabei?“ fragt Philip Schreiterer – und spielt damit auf eine Aktion des Vereins Moabit e.V. am heutigen Sonnabend an. Zwischen 12 und 16 Uhr wollen engagierte Bürger an der Moabiter Waldstraße aufräumen, Bänke streichen, Blumen pflanzen. Auch Wilbrandt und Schreiterer haben ihre Finger im Spiel – neben Wilbrandts Stuhl im Café lehnt schon eine der hölzernen Sitzflächen, die sie ausbessern möchten.

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