Gemeinsame Sache in Tempelhof-Schöneberg : Bürger reinigen Park am Rathaus Schöneberg

Erst wird der Schmutz eingesammelt, dann der Picknick-Korb ausgepackt. Auch Dachziegel-Polka ist dabei in Tempelhof-Schöneberg.

Jana Scholz
Unter dem Motto „Rot pflegt Grün“ verschönert Dilek Kolat mit Parteikollegen und Freiwilligen die Liegewiese hinter der Nathanael-Kirche.
Unter dem Motto „Rot pflegt Grün“ verschönert Dilek Kolat mit Parteikollegen und Freiwilligen die Liegewiese hinter der...Foto: Tsp

„Merhaba!“, begrüßt Dilek Kolat (SPD) einen älteren Mann mit Rollator. Im Kiez ist sie bekannt, schließlich geht sie am Grazer Platz auch zum Friseur. Die Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration ist mitten im Wahlkampf. Und den hat sie heute auf den Grazer Platz in Friedenau verlegt: Unter dem Motto „Rot pflegt Grün“ verschönert sie mit Parteikollegen und Freiwilligen die Liegewiese hinter der Nathanael-Kirche.

Dilek rühmt sich, zusammen mit Orkan Özdemir (BVV) für neue Sitzbänke auf dem Platz gesorgt zu haben. Vor der Kirche war übrigens schon die „Christliche Hilfe“aus der Rubensstraße aktiv.

Pfarrer Thomas Lübke und seine Helfer haben bewaffnet mit Besen, Westen und Greifzangen den Müll auf der Liegewiese beseitigt. „Das machen wir jedes Jahr“, sagt Lübke. „Nicht nur, wenn Wahlkampf ist.“

Glanz rund um die Carl-Zuckmayer-Brücke

„Da ist eine Biene im Teich!“ Die Töchter von Veronika Böhme haben sich den Teich am U-Bahnhof Rathaus Schöneberg vorgenommen. Die Familie wohnt direkt an der Carl-Zuckmayer-Brücke. „Die Kinder wachsen hier auf, und da soll es auch schön sein“, sagt Böhle. Sie haben nicht nur die Biene - die eigentlich eine Wespe ist - mit einer langen Greifzange aus dem Teich gerettet, sondern auch Plastikbecher und winzige Zigarettenstummel herausgefischt.

„Da ist eine Biene im Teich!“ Die Töchter von Veronika Böhme haben sich den Teich am U-Bahnhof Rathaus Schöneberg vorgenommen.
„Da ist eine Biene im Teich!“ Die Töchter von Veronika Böhme haben sich den Teich am U-Bahnhof Rathaus Schöneberg vorgenommen.Foto: Tsp

Außerdem haben sie die Glasscherben am Ufer zusammengekehrt. Die Anwohner Silke und Jörg Lehnen haben die Aktion „Glanz rund um den U-Bahnhof“ organisiert: „Wir machen eine Art Demo gegen die Verschmutzung.“ Auch ihre Nachbarin Anne Büttner ist dabei: „Ich will ja nicht nur meine Wohnung in Ordnung halten, sondern auch drumherum für Sauberkeit sorgen.“

Inter-Kultur-Cup in Schöneberg


„Wir hoffen, dass wir die Meisterschaft gewinnen und eine gute Zeit verbringen“, sagt Salem Feras. Der 30-jährige Syrer spielt im Team FC Glückauf Utopia Berlin. Seit einem Jahr trainiert das Flüchtlingsteam in dieser Konstellation und hat schon an mehreren Meisterschaften teilgenommen.

Entsprechend gelassen warten die zehn Spieler auf den Startschuss zum Inter-Kultur-Cup. Das Team ist eines von acht, die heute am Südkreuz gegeneinander antreten. Schon seit fünf Jahren bringt der FC Internationale Fußballer unterschiedlichster Nationalitäten auf dem Feld zusammen - und setzt sich dabei gegen Rassismus und für Integration ein. 28 Spiele à zwölf Minuten entscheiden über den diesjährigen Gewinner der Meisterschaft.

Als Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration übernimmt Dilek Kolat die Siegerehrung. Na dann - Glückauf!

Seit einem Jahr trainiert dieses Flüchtlingsteam in Tempelhof-Schöneberg. Name: Team FC Glückauf Utopia Berlin.
Seit einem Jahr trainiert dieses Flüchtlingsteam in Tempelhof-Schöneberg. Name: Team FC Glückauf Utopia Berlin.Foto: Tsp

Flaschen, Kronkorken im Franckepark

Irgendwo im Gebüsch hört man das Jauchzen von Kindern. Zwei kleine Mädchen gönnen sich eine kurze Auszeit vom Müllsammeln. Versteckt zwischen Bäumen gibt es hier im nördlichen Teil vom Franckepark eine geheime Schaukelecke. "Es geht ja vor allem darum den Kindern ein Bewusstsein zu vermitteln ", meint Sandra Lenke, 42, Mutter von drei Kindern. "Umwelterziehung eben" sagt sie.

Insgesamt hat die katholische Kita Herz Jesu Tempelhof rund 30 Kinder und Eltern zum Müllsammeln zusammengetrommelt. War wohl auch nötig. Flaschen, Kronkorken und zerbissene Plastikereste von Wassereisstiften füllen die Müllsäcke. "Ich hab aber auch schon sechs Spritzen gefunden", erzählt ein Junge.

Wildwuchs in Schöneberg

„Es gab schon den ersten Wespenstich“, sagt Martina Fiebelkorn. Die 63-Jährige gehört zum Arbeitskreis „Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber“. Auf dem Gelände der ehemaligen Kohlenhandlung, die die beiden NS-Widerstandskämpfer bis in die 60er Jahre führten, rackern heute eine Handvoll Freiwillige.

Sie wollen das Gelände in eine Bildungs- und Erinnerungsstätte verwandeln. Dafür ist noch viel zu tun: Über die Jahre hat sich die Natur das kleine Häuschen in der Torgauer Ecke Leberstraße zurückerobert. Daher haben die Helferinnen und Helfer nicht nur mit mannshohem Buschwerk zu kämpfen, sondern auch mit einem Wespennest. Immerhin können ein paar der Pflanzen nach getaner Arbeit verköstigt werden: Beifuß, Fetthenne, Mauerpfeffer und junge Birken hat der Freiwillige Egon Zweigart ausgemacht.

Sauberer Rudolph-Wilde-Park

Karola Kronheim kehrt Laub auf einen großen Haufen zusammen, sucht Papierschnipsel und Zigarettenstummel heraus und fegt das Laub wieder Richtung Gebüsch. Was nach Sysiphosarbeit aussieht, ist gut durchdacht: „Aus Laub wird Mulch, und das ist gut für den Park.“ Die 72-Jährige ist schon seit 48 Jahren bei der Arbeiterwohlfahrt.

Jedes Jahr nehmen sich die AWO-Ehrenamtlichen eine andere Grünfläche vor. Später wollen noch die Handballerinnen vom BFC Preußen zum Helfen vorbeikommen. Wetten, dass Kronheim dann schon fertig ist?

Kimchi-Workshop

"Kimchi ist koreanisch und bedeutet fermentiertes Gemüse", erklärt die 27-jährige Linda Choi auf Englisch. Rettich aus dem Libanon, Makdouz aus Syrien, Kefir aus dem Kaukasus, Sauerkraut aus Deutschland und Kimchi aus Korea: Überall auf der Welt gibt es gegorene Speisen.

Ein Kimchi-Workshop der Initiative "Über den Tellerrand" bringt Geflüchtete und Beheimatete, Altberliner und Neuberliner beim Kochen zusammen. Rund zwanzig junge Menschen sind in die Schöneberger Roßbachstraße gekommen, um sich die Zubereitung des würzigen Gerichts zeigen zu lassen.

Möhren und Zwiebeln schnippeln, Knoblauch, Ingwer und Birnen pürieren - nach kurzer Zeit liegen intensive Düfte in der Luft. Am Ende wollen die Köche zusammen essen. Und mit Sicherheit lernen sie sich dabei etwas besser kennen: "In Korea drückt man seine Zuneigung durch gemeinsames Essen", sagt Choi.

Gemeinsame Sache 2016
Taucher reinigen den Tegeler See in Reinickendorf.Weitere Bilder anzeigen
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10.09.2016 21:23Taucher reinigen den Tegeler See in Reinickendorf.
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