Sauberkeit in Berlin : SPD-Abgeordneter fordert Müll-Polizei

Sie holten sich Ideen in Österreich, wie Berlin sauberer werden könnte. Jetzt fordern SPD-Abgeordnete Kontrolleure in Zivil, mehr Abfalleimer – und eine kostenlose Sperrmüllabfuhr.

Clarissa Herrmann
Müllberge im Görlitzer Park in Kreuzberg.
Müllberge im Görlitzer Park in Kreuzberg.Foto: Thilo Rückeis

In Wien sind „Waste Watcher“ unterwegs, Neukölln hat „Müll-Sheriffs“ eingesetzt. Nun sollen sie in ganz Berlin patrouillieren – das wünscht sich zumindest der Neuköllner SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck. Wenn es nach ihm ginge, könnten die Wächter nicht nur illegale Sperrmüllhaufen melden, sondern auch darauf achten, dass Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge entfernen. Ansonsten drohen Bußgelder. Und am besten auch noch höhere als bisher.

Die neue Müll-Polizei soll nach Meinung des Politikers Tag und Nacht auf Achse sein, auch in zivil. Noch sind Mitarbeiter des Ordnungsamtes zuständig, die haben aber bereits genug zu tun, dürfen nur bis 22 Uhr arbeiten – und tragen Uniform. Neukölln hatte bereits im April ein eigenes Anti-Müll-Konzept auf den Weg gebracht. Dazu gehörte der auf acht Wochen befristete Einsatz der Müll-Sheriffs. Zusammen mit vier weiteren SPD-Parlamentariern will er das Müllproblem bezirksübergreifend anpacken.

Wien "eine Vorzeigestadt"

Auf Ideensuche gingen sie Mittwoch und Donnerstag in Wien. „Das ist eine Vorzeigestadt“, sagt Clara West aus Pankow. Früher habe es hier ein großes Müllproblem gegeben, das aber konsequent und binnen kürzester Zeit gelöst worden sei. Sie erzählt beeindruckt von ihrem Besuch am Stadtrand Wiens: „Gerade waren wir an der dritten Ecke im zehnten Bezirk, auch hier ist alles unglaublich sauber. Es sind nicht nur die Touristenviertel, um die man sich hier kümmert.“

Die Pankower Abgeordnete, die sich in ihrem Bezirk besonders über verunreinigte Grünflächen ärgert, würde drei Ideen aus Wien kopieren: „Das Programm basiert auf drei Punkten: Reinigung, Kontrolle und Gemeinschaftssinn.“ Demnach sollten nicht nur Kontrolleure unterwegs sein, sondern es müssten zerstörte Abfalleimer regelmäßig ersetzt und vor allem weitere angebracht werden. „Wien hat genauso viele Mülleimer wie Berlin – bei halb so vielen Einwohnern“, sagt West. Um das Sperrmüllproblem in den Griff zu bekommen, müssten die BSR-Recyclinghöfe abends und am Wochenende länger geöffnet sein. Aber nicht nur das: Der Sperrmüll sollte zwei Mal im Jahr kostenlos abgeholt werden.

"Das sollte eine saubere Umwelt uns wert sein"

BSR-Sprecherin Sabine Thümler hält von dieser Idee nicht viel: Schon bei den Weihnachtsbäumen hielten die Berliner die Termine nicht ein. Und überhaupt: „Stellen Sie sich vor, Sie wollen dringend ein altes Bett wegen einer Neuanschaffung entsorgen – warten Sie dann bis Oktober?“ Vor allem aber stelle sich, am Ende die Frage, wer bezahlt das alles? SPD-Politiker Langenbrinck kontert: „Die Aktion ist nicht kostenlos für die Stadt zu haben, aber das sollte eine saubere Umwelt uns wert sein.“ In den nächsten Wochen will er ein Finanzierungskonzept nachreichen.

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