Sauna im Nahverkehr von Berlin : S-Bahn und BVG heizen Fahrgästen ein

Sie schwitzen grad in der U-Bahn? Kein Wunder. Das ganze Jahr über ist bei S-Bahn und BVG Heizsaison - sofern es kühl ist. Doch bisweilen geht auch bei Freibadwetter in Bus und Bahn die Heizung an.

Vinzenz Greiner
Im Sitzen schwitzen. Wird es kälter als 19 Grad, springen bei der BVG die Heizungen an.
Im Sitzen schwitzen. Wird es kälter als 19 Grad, springen bei der BVG die Heizungen an.Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert.“ Das singt nicht nur die A-capella-Gruppe „Wise Guys“. Das wissen auch die Berliner. Denn die erleben gerade beides täglich. Sie frösteln auf dem Fahrradsattel oder frieren an der Haltestelle bei morgendlichen elf, zwölf Grad, um dann in die Sauna auf Rädern zu steigen.

Unter 19 Grad springen die Heizungen an

Denn in den BVG-Bussen laufen wieder die Heizungen. Sie springen auch tagsüber an, wenn die Temperaturen höchstens 19 Grad erreichen.

Die U-Bahnen kennen dagegen keine klassische Heizung. „Beim Bremsen und Anfahren wird Wärme erzeugt, die über Schlitze ins Wageninnere gelangt“, erklärt BVG-Sprecherin Petra Reetz. In den neueren Zügen öffneten pneumatische Klappen die Schlitze automatisch, wenn die Außentemperatur unter 19 Grad falle, sagt Reetz. Das funktioniert unabhängig von der Jahreszeit. Ebenso wenig gibt es bei der Berliner S-Bahn eine Heizsaison, sagt eine Bahnsprecherin. Den Heizbedarf ermitteln auch hier Sensoren. Sie arbeiten indes nicht fehlerfrei. „Bei unseren 1300 Fahrzeugen haben wir täglich Ausfälle im niedrigen einstelligen Bereich“, sagt ein S-Bahn-Sprecher. Die Folge: Es könnte geheizt werden, auch bei Freibadwetter.

Wenn die Klappenpneumatik ausfällt

Solche Zahlen hat die BVG nicht. Die U-Bahn ist aber nicht gefeit vor Überhitzung. Zwar beträgt der Wärmeunterschied zwischen dem Bahninneren und der Außentemperatur laut BVG normalerweise maximal fünf Grad.

Wenn aber die Klappenpneumatik nicht mehr schließen will, wird es im Zug mehr als gemütlich. Der könne sich außerdem aufheizen, wenn er wie bei manchen Strecken längere Zeit bei Sonne über der Erdoberfläche fahre, erklärt Reetz. Fehlfunktionen würden aber schnell gemeldet. „Denn der Zugführer merkt das – bei ihm wird es ja dann auch warm.“

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