Schlangestehen vor dem Flug : Check-In im BER-Parkhaus

04.01.2013 21:51 Uhrvon und
Platz da? Na ja. Zwischen den Eingängen links und den Kontrollstellen gegenüber befinden sich die Check-in-Inseln. Hier kann es eng werden, warnen Gutachter. Foto: dpa
Platz da? Na ja. Zwischen den Eingängen links und den Kontrollstellen gegenüber befinden sich die Check-in-Inseln. Hier kann es eng werden, warnen Gutachter. - Foto: dpa

Eng wird es schon zur Eröffnung, das steht in einem Gutachten. Und bald ist der Airport eh zu klein. Für diesen Fall haben die Planer Ausbauflächen freigehalten. Erst mal aber müssen die 30 Tests gelingen.

Überall auf der Welt bieten neue Flughäfen reichlich Platz – am künftigen BER dagegen wird es schon zum Start eng sein, wie jetzt sogar ein im Auftrag des Flughafens erstelltes Gutachten bestätigt. Doch die Flughafengesellschaft wiegelt wie so häufig in der Vergangenheit ab und erklärt, die Studie bestätige für den Winterflugplan 2013/14 ausreichende Abfertigungsressouren „unter der Prämisse einer aktiven betrieblichen Kontrolle und Steuerung“. Dass es allerdings überhaupt Platzprobleme geben kann, ist nach Tagesspiegel-Informationen auf Entscheidungen der Flughafengesellschaft selbst zurückzuführen.

Eine Übersicht.

Check-in-Schalter:

Rechnerisch reicht die vorhandene Kapazität mit zehn Check-In-Inseln, die zusammen 118 Schalter haben, sowie 36 Sicherheitskontrolllinien, um auch in Spitzenzeiten alle Passagiere abfertigen zu können. Dabei sei aber von Anfang an „eng“ gerechnet worden, sagte ein BER-Planer. Alle Schalter seien dabei gleichwertig einbezogen worden. Die Flughafengesellschaft habe dann aber entschieden, acht Schalter für eine Vip-Abfertigung vorwiegend von Lufthansa-Passagieren zu reservieren. Begrenzt werde die Kapazität zudem, dass der Flughafen seinen Hauptkunden Air Berlin und Lufthansa Exklusivschalter überlässt, die nicht von anderen Gesellschaften genutzt werden dürfen. Fallen woanders Schalter aus, dürfen die Exklusivanlagen nicht für die Konkurrenz genutzt werden – auch wenn es freie Flächen dort gibt. Check-In-Inseln sind bei Flughafen-Neubauten üblich. Sie seien effizienter als die herkömmliche Abfertigung in einer Reihe, sagte ein Experte. Vorbild für Berlin sei Terminal 2 in München gewesen.

Warteschlangen:

Die Kontrollanlagen sind nach Angaben der Bundespolizei ausreichend. Sollte es zu Warteschlangen kommen, müsse der Flughafen die „Passagierlenkung“ organisieren. Hier befürchten die Gutachter, dass sich Schlangen vor den Schaltern und der Kontrolle überlagern. Fachleute verweisen dagegen darauf, dass man steuernd eingreifen könne. Bildet sich an der Kontrolle eine Schlange, müsse an den Schaltern nur etwas langsamer gearbeitet werden. Allerdings sinkt dann die Zahl der abgefertigten Passagiere.

Gepäckbänder:

Acht Bänder für die Ausgabe des Gepäcks sind vorhanden. Auch hier warnen die Gutachter, dass bereits der Ausfall einer Anlage den Betrieb erheblich durcheinander bringen könne. Dabei ist der Einbau von je zwei weiteren Bändern in den beiden so genannten Pavillons am Hauptterminal bereits vorbereitet. Aus Kostengründen habe die Flughafengesellschaft aber darauf verzichtet, sagte der Planer. Theoretisch könnten dort sogar drei Bänder installiert werden.

Der Ausbau:

Konzipiert ist der Flughafen für 27 Millionen Passagiere im Jahr. Durch den Bau zweier weiterer Terminals, Satelliten genannt, kann die Kapazität auf 45 Millionen Fluggäste erweitert werden. Sie würden weiter im Hauptterminal abgefertigt. Für zusätzliche Schalter und Gepäckanlagen ist eine Fläche frei gehalten, eine weitere wird durch ein Parkhaus zwischengenutzt. Ein Teil der Passagiere würde dann nicht mehr durch den „Marktplatz“ mit seinen 150 Läden und Lokalen gelotst, sondern daran vorbei geführt.

Der Fahrplan:

Eigentlich sollte seit Mitte November schon wieder Hochbetrieb auf der Baustelle herrschen. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne) spricht bereits von einem neuen Zeitverzug von zwei Monaten. Die Flughafengesellschaft verweist auf die Aussage von Technik-Chef Horst Amann. Dieser hätte sich gewünscht, „dass wir schon mehr Bauarbeiten sehen, aber wir sind im Plan“. Erst im März, nach Abschluss des Brandschutztests, will man festlegen, ob der Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 zu halten ist. Insgesamt sind bis Ende Februar rund 30 Probeläufe geplant. Auch bei den Kabelschächten, die in der Chaosphase vor der geplatzten Eröffnung völlig überbelegt worden sind, ist der Aufwand groß. Mieter müssten ihr Inventar teils wieder aus den Läden heraus holen, damit die Kabel neu gelegt werden können. Sollte doch alles glatt laufen, sollen bis zum Frühsommer alle Arbeiten erledigt sein. Nach Verbundtests und der abschließenden Prüfung durch das Bauordnungsamt soll bis Herbst der Probebetrieb folgen.

Alle Artikel zum Pannen-Flughafen finden Sie in unserem Spezial.

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