Schöner Wohnen : Neues Bauprojekt am Gleisdreieck

Viele Jahre lag das Gelände an der U-Bahn brach. Heute ist es zur Hälfte begrünt und wandelt sich im Zuge neuer Bauprojekte zu einem Ort fürs Wohnen. Ob sich dort ein lebendiger Kiez entwickeln wird, ist dennoch schwer abzuschätzen - ebenso wie die Auswirkungen des Zuzugs für die alten Quartiersbewohner.

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Blau zu Grün. Am Gelände des Gleisdreiecks entstehen immer mehr Wohnhäuser. Obwohl mitten in der Stadt gelegen, ist es hier ziemlich ruhig. Fotos: Doris Spiekermann-Klaas
Blau zu Grün. Am Gelände des Gleisdreiecks entstehen immer mehr Wohnhäuser. Obwohl mitten in der Stadt gelegen, ist es hier...

Schlammig. Das war jahrelang die erste und einzige Assoziation mit dem seltsamen Gelände. Wenn die U1 den Bahnhof Gleisdreieck in Richtung Kurfürstenstraße verlässt, überquert sie eine Fläche, die bisher ein Unort war. Wüst und leer, abgeschottet und ungenutzt, gefangen in einer berlintypischen Vorläufigkeit. Aber jetzt findet das Areal zu einer Bestimmung. Bagger dröhnen, Planierraupen asphaltieren neue Straßen, viele Bäume sind gepflanzt, Rasen ist gesät, sogar Laternen stehen schon. Bald wird sich hier, unmittelbar unter den Viadukten der U1 und U2, der „Park am Gleisdreieck“ ausbreiten. Er ist zweigeteilt, die östliche Hälfte wurde bereits 2011 eröffnet. Wer dort spazieren geht, merkt schnell, dass die Gegend ihre Vergangenheit als Bahngelände nicht leugnet. Überall Schienen, die nirgendwohin mehr führen, ehemalige Stellwerke zwischen Wiesen und Wäldchen. Bis Kriegsende war Berlin Eisenbahnmetropole. Der Potsdamer und Anhalter Bahnhof, zu denen diese Schienen einst geführt haben, sind verschwunden, ihre Anlagen überwuchert. Wenigstens sind sie jetzt, durch Zäune oder Schilder gesichert, endlich als Erholungsgebiet zugänglich. Und sogar Bahnverkehr gibt es noch – auf der Zufahrt zum Tunnel Richtung Hauptbahnhof.

Lücken geschlossen. Früher war die Flottwellstraße nur locker bebaut. Heute stehen Wohnhäuser auf früheren Industrie- und Brachflächen.
Lücken geschlossen. Früher war die Flottwellstraße nur locker bebaut. Heute stehen Wohnhäuser auf früheren Industrie- und...

Warum hat es so lange gedauert, bis hier ein Park entstehen konnte? Nach dem Mauerbau war nicht klar, ob auf den ehemaligen Gleisanlagen nicht doch noch eine Autobahn, die umstrittene Westtangente, gebaut wird. Deswegen geschah hier lange Zeit nichts. Und auch nach der Wende schwappte der Bauboom am Potsdamer Platz nicht über die psychologisch wichtige Grenze des Landwehrkanals nach Süden. Das Gelände diente stattdessen als Logistikzentrum für die nahe gelegenen Neubauten, war eine für Fußgänger und Radfahrer ärgerliche Barriere auf dem direkten Weg von Kreuzberg nach Schöneberg. Später siedelte sich vorübergehend ein Golfplatz an, weiter südlich entstanden Beachvolleyballfelder. Die sollen jetzt in den neuen Westpark eingebunden werden. Die Arbeiten kommt schneller voran als geplant, heißt es bei der landeseigenen Grün Berlin GmbH. Ursprünglich war die Eröffnung für Herbst 2013 geplant, jetzt ist vom Frühjahr die Rede.

Dass so lange nichts geschah, lag auch daran, dass sich Bezirk und Senat erst mit der CA Immo (ehemals Vivico) als Eigentümerin der Bahnflächen einigen mussten. Von den insgesamt 42 Hektar verkaufte oder übertrug die CA Immo 30 Hektar an das Land Berlin, dafür darf sie auf den verbliebenen 12 Hektar Wohnen und Gewerbe ansiedeln – jetzt wurde bekannt, dass die CA Immo das Land teilweise an die Berliner Groth Gruppe verkauft hat, die das „Flottwell Living“ genannte Projekt nun entwickeln wird. Die Flottwellstraße, die westlich am neuen Park entlangführt, profitiert stark von der Entwicklung. Zehn Häuser mit 155 Eigentums- und 120 Mietwohnungen sollen dort entstehen. Sie werden den Park im Norden zum Flaschenhals verengen. Baubeginn könnte Ende 2012 sein – dann verschwindet auch die historische Backsteinmauer an der Flottwellstraße. Sie ist eines der letzten Zeugnisse der Eisenbahnära.

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