Schreiben für den Frieden : Freiwillige arbeiten in Berlin an Wikipedia

Das Workcamp "Wikipedia for Peace" findet in Berlin statt. Ein passender Ort, um sich mit dem Thema Flucht zu beschäftigen.

Lea Diehl
Die Freiwilligen Olga Belova (l.), Cecilia Ibarra und Saskia Ehlers vor der Mennoniten-Gemeinde.
Die Freiwilligen Olga Belova (l.), Cecilia Ibarra und Saskia Ehlers vor der Mennoniten-Gemeinde.Foto: Lea Diehl

17 Freiwillige sitzen in der Mennoniten-Gemeinde Lichterfelde vor ihren Laptops. Der weiße Aufdruck auf ihren schwarzen T-Shirts verrät ihren Auftrag: Zu sehen ist das Logo der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia. Sie sind jung und kommen aus der ganzen Welt – aus Mexiko, den USA, Australien, Süd-Sudan und ganz Europa. Gemeinsam wollen sie für den Frieden schreiben.

Das zweiwöchige Workcamp ist Teil der Reihe „Wikipedia for Peace“ der Freiwilligenorganisation Service Civil International (SCI) und dem gemeinnützigen Verein Wikimedia e. V., der die weltweite Bewegung, die hinter der Enzyklopädie steht, unterstützt. Initiatorin ist Saskia Ehlers, die Wikipedia for Peace 2015 ehrenamtlich mitgegründet hat. Warum die 27-Jährige ihre freie Zeit für das Projekt opfert? Weil sie computeraffin ist, Wikipedia liebt und sagt: „Frieden ist immer eine gute Sache.“

Viele Einträge fehlen

Zu dem Themenkosmos „Frieden“ fehlten in der Online-Enzyklopädie noch viele Einträge, sagt sie. Das erkenne man etwa daran, dass Namen von Friedenspreisträgern, anstatt mit Hyperlink versehen, noch rot sind. Die Digital Natives wollen das ändern. Ihr gemeinsames Ziel: 200 Einträge verfassen.

In diesem Jahr soll es um Flucht und Vertreibung gehen. Berlin sei ein passender Ort, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sagt Ehlers. „Hier sind 2015 und 2016 schließlich sehr viele Flüchtlinge angekommen.“

Inspiration aus Berliner Projekten

Die Gruppe will dabei nicht nur vor dem Bildschirm sitzen: Viele von ihnen engagieren sich in ihren Heimatländern selbst für Geflüchtete und wollen sich in Berliner Projekten inspirieren lassen. „Hier gibt es viele Projekte, die gut funktionieren“, sagt die Freiwillige Olga Belova aus Russland, die einen Artikel über militärische Konflikte in Saudi-Arabien schreibt. Die 23-Jährige bringt arabischen Geflüchteten in Russland Englisch bei und unterstützt sie beim Ankommen.

Die 22-jährige Cecilia Ibarra aus Mexico-City schreibt über „La 72“, ein Flüchtlingsprojekt an der Grenze zu Guatemala. „Über Flüchtlinge aus Zentralamerika gibt es bei Wikipedia zu wenig Artikel“, meint sie. Dabei sei die Enzyklopädie eine gute Möglichkeit, um Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen.

In Berlin habe Ibarra vor allem das Projekt „Über den Tellerrand“ inspiriert. Dort habe sie gelernt, dass das gemeinsame Kochen eine tolle Möglichkeit ist, um Menschen vor Ort mit Geflüchteten zusammenzubringen.

Am Sonntag, 16. Juli, stellen die Teilnehmer das Projekt um 11 Uhr in der Mennoniten-Gemeinde vor. Anschließend laden sie zum gemeinsamen Grillen ein. Adresse: Promenadenstraße 15B, 12207 Berlin-Lichterfelde

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