Schutz vor UV-Strahlung bei Kindern : Wie viel Sonnencreme ist nötig?

Sonnenschutz ist wichtig. Aber Eltern und Kinder nervt das alltägliche Eincremen. Experten geben Tipps, wie Familien mit der lästigen Prozedur warm werden.

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Aua, Papa! Sonnencreme ist nicht beliebt, dennoch für Kinder im Sommer ein Muss. Das oberste Gebot heißt aber: Schatten suchen!
Aua, Papa! Sonnencreme ist nicht beliebt, dennoch für Kinder im Sommer ein Muss. Das oberste Gebot heißt aber: Schatten suchen!Foto: Getty Images/iStockphoto

„Die Sonne ging an diesem Morgen auf und breitete ihre Strahlenkinder über das ganze Land aus. Wie groß war ihre Freude, weil all ihre Kinder glänzten und in den schönsten Gold- und Gelbtönen funkelten.“ So erbaulich beginnt die „Geschichte vom kleinen Sonnenstrahl“, geeignet für Kinder ab drei. Kein Zweifel, Menschen sind in unseren Breiten normalerweise glücklich darüber, dass die Sonne scheint. Schon kleine Kinder freuen sich über die Wärme, über die Aussicht auf einen Ausflug zum See oder ins Freibad, über das Picknick und das Eis, die zu einem solchen Tag gehören. Darüber, dass man ohne Jacke draußen spielen kann, in Sandalen, kurzen Hosen und Kleidern – ohne dass jemand auf die Idee käme, man könnte sich erkälten.

Nun ja, erkälten vielleicht nicht. Doch wenn die Sonne scheint, drohen andere Gefahren, und auch die machen das Leben für Familien heute kompliziert. Sie führen zum Beispiel dazu, dass die Kinder morgens schon mit Sonnenschutzmittel eingecremt in die Kita kommen sollen. Für die Eltern ist es keine reine Freude, eine zähe, klebrige Creme mit Lichtschutzfaktor 50+ in der Hetze des morgendlichen Aufbruchs sorgfältig auf Gesicht und Extremitäten von mehreren müden Kleinkindern zu verteilen. Spätestens wenn sie die Prozedur nachmittags auf dem Spielplatz wiederholen, fragen sich die genervten Eltern: Wie wichtig ist das eigentlich?

Die Haut kleiner Kinder ist besonders dünn und anfällig für UV-Schäden

Natürlich wissen sie, dass die ultravioletten Strahlen der Sonne die Haut des Menschen nachhaltig schädigen können. In der Kindheit, so rechnen uns Experten vor, bekommen wir 80 Prozent der gesamten Sonneneinstrahlung unseres Lebens mit. Es können sich krankhafte Veränderungen anbahnen, die 40 Jahre später, wenn wir besonderes Pech haben aber auch schon mit 20, zu Hautkrebs führen. „Die in der Kindheit und Jugend erworbenen Sonnenschäden sind maßgeblich für das spätere Entstehen von Hautkrebs verantwortlich“, mahnt der Hautarzt Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, seit Jahren unermüdlich.

Der Grund: Die Haut kleiner Kinder ist besonders dünn, die für UV-Schäden anfälligen Stammzellen liegen bei Kindern viel dichter unter der Oberfläche. Babys sollten deshalb überhaupt noch nicht in die Sonne. Inzwischen ist es verpflichtender Bestandteil der U5-Untersuchung, die Eltern im sechsten bis siebten Lebensmonat über den richtigen Umgang mit der Sonne aufzuklären.

In der Kita stellen dann die Eltern, zusätzlich zur morgendlichen Eincreme-Aktion, Fläschchen und Tuben mit den Sonnenschutzmitteln in die Fächer ihrer Kinder. Und in Sachsen steht dort manchmal auch ein Clown namens Zitzewitz auf dem Programm: Das „Sonnenschutz-Clown-Projekt“ des UniversitätsKrebs-Centrums Dresden bringt ihn für Kitas auf die Bühne und Leinwand, inzwischen schon für mehr als 15 000 Kinder.

Im Projekt „Die Sonne und Wir – Sonnenbus“ haben sich Mitglieder der Universität zu Köln und der Uniklinik Köln eine verständliche Aufklärung von Grundschülern zum achtsamen Umgang mit der UV-Strahlung zum Ziel gesetzt. Die Dermatologen von der Uniklinik Köln, die das vom dortigen Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) initiierte Projekt mit ins Leben gerufen haben, behandeln täglich Patienten, die unter Hautkrebs leiden. Besonders tückisch ist der Schwarze Hautkrebs, das Melanom. Wenn man ihn früh erkennt, ehe er in anderen Organen Absiedlungen bildet, gibt es zwar exzellente Heilungschancen. Wer daran stirbt, tut das allerdings in für eine Krebserkrankung ungewöhnlich jungen Jahren: Eine Auswertung von Dermatologen der Uniklinik Köln ergab, dass 30 Prozent der Patienten, die in den letzten Jahren dort an einem Melanom und seinen Folgen verstarben, unter 45 Jahre alt waren. Weniger aggressiv, aber ebenfalls behandlungsbedürftig und weitaus häufiger sind die anderen, „hellen“ Formen von Hautkrebs. Unter den Tumoren, die mit der Zeit tief ins Gewebe eindringen, ist das Basalzellkarzinom mit 150 000 Neuerkrankungen in jedem Jahr in Deutschland am häufigsten. Für das Entstehen beider, Melanom wie Basaliom, stellen Sonnenbrände einen entscheidenden Risikofaktor dar. Kein Kind sollte jemals einen Sonnenbrand bekommen, ist das oberste, wissenschaftlich begründete Ziel im Kampf gegen Hautkrebs.

Den Kinder die Superstars Sonne und Haut näherbringen

Doch wie kann man es Kindern nahebringen? „Das funktioniert nur, wenn die Neugierde und die Begeisterung der Kinder für die beiden Superstars geweckt wird, die Sonne und die Haut“, sagt die Kölner Biologin Debora Grosskopf-Kroiher, die das Projekt gemeinsam mit Hautkrebsspezialistin Cornelia Mauch von der Uniklinik Köln leitet. Um den Superstar Sonne mit seiner unsichtbaren UV-Strahlung darzustellen, setzen die Wissenschaftler UV-Perlen ein, die sich bei UV-Strahlung violett färben und ohne UV wieder entfärben. „Es ist immer sehr eindrucksvoll, mitzuerleben, wenn die Kinder feststellen, dass sich auch bei bewölktem Himmel die UV-Perlen violett verfärben“ sagt Grosskopf-Kroiher.

Superstar Haut wird mit seinen Pigmentzellen vorgestellt, der „UV-Polizei“, die vom Kind zusätzliche Unterstützung braucht. „So isolieren wir auch mit anderen Grundschülern im Rahmen dieses Projekts das UV-empfindliche Erbgut von Zucchini, stellvertretend für das Erbgut der Haut.“ Vor allem aber wird mit dem Schatten experimentiert. „Der ist der beste Sonnenschutz, Sonnencreme ist ja eigentlich eine Art von künstlichem Schatten.“ Vielen Kindern sei nicht klar, dass auch ein Hut und ein T-Shirt Schatten auf die Haut werfen.

Dass es oberste Priorität hat, sich Schatten für die Haut zu organisieren, steht so auch in der Leitlinie „Prävention von Hautkrebs“, die verschiedene medizinische Fachgesellschaften 2014 herausgebracht haben: Die Haut der Allerkleinsten sollte direkter Sonnenstrahlung gar nicht ausgesetzt werden. Dass es wichtig ist, etwas UV-Strahlung abzubekommen, um genug Vitamin D bilden zu können, steht dort allerdings auch. Wie viel es in welchem Alter sein darf und sollte, ist nur schwer festzulegen – auch weil die Kinder verschiedene Hauttypen haben. Ein sensibles Thema in Klassen mit Schülern ganz unterschiedlicher Hautfarben.

Und die leidige Sonnencreme? „Es ist wichtig, dass Kinder wissen, wie man sich richtig eincremt, wie lange es braucht, bis die Sonnencreme wirkt“, sagt Grosskopf-Kroiher. Von Ausnahmen abgesehen raten Experten zu Cremes mit dem Lichtschutzfaktor 30. Sie sind auch leichter aufzutragen und in der Regel besser verträglich als die Mittel mit höheren Lichtschutzfaktoren. Am besten sollte die Sonnencreme schon eine halbe Stunde vor dem Rausgehen aufgetragen werden, und das nicht zu dünn.

Experimente mit Barbiepuppen in Schwimmbecken aus Plexiglas veranschaulichen Kindern, dass man sich auch vor dem Baden eincremen sollte, weil die UV-Strahlen einen Meter tief ins Wasser eindringen.

Nach Möglichkeit sollten übrigens auch Kinder eine Sonnenbrille tragen. Augenärzte der Uniklinik Köln haben gecheckt, dass auch preisgünstige Modelle mit entsprechender Kennzeichnung guten UV-Schutz bieten. Immerhin: In der Beliebtheitsskala dürften sie bei vielen Kindern vor der Sonnencreme rangieren.

Unter www.krebshilfe.de gibt die Deutsche Krebshilfe acht Tipps für Kindergarten- und Schulkinder zum richtigen Umgang mit der Sonne.

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