Schwachstellen im System : Bahncard 25 mobil minus

Die Bahn gibt nach einem Tagesspiegel-Test Probleme mit ihrem neuen Produkt für Berlin zu. Es sei aber "keinesfalls geplant", es wegen dieser Unstimmigkeiten vor Ablauf der Pilotphase vom Markt zu nehmen.

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Alles auf eine Karte? Mit der Bahncard für die Hauptstadt klappt das nicht auf Anhieb.
Alles auf eine Karte? Mit der Bahncard für die Hauptstadt klappt das nicht auf Anhieb.Foto: Mike Wolff

Die Deutsche Bahn hat bei ihrer neuen auf Berlin zugeschnittenen Bahncard „Schwachstellen im System“ zugegeben. Der Konzern reagierte damit auf einen Testbericht des Tagesspiegels zur Bahncard 25 mobil plus vor einer Woche. Mit dem neuen Angebot lässt sich die klassische Bahncard verbinden mit der BVG-Umweltkarte sowie Rabatten für Flinkster, der Carsharing-Tochter der Bahn, sowie für die Leihräder von Call a bike. Die Bahn werde die Probleme „nun angehen und beheben“, sagte eine Sprecherin. Im Falle einer „nachweisbaren Falschberatung“ bietet das Unternehmen an, die neue Bahncard „aus Kulanzgründen“ zurückzunehmen. Die Konzernsprecherin nennt das neue Produkt „recht komplex“. Es wegen der Unstimmigkeiten vor Ablauf der Pilotphase im Dezember vom Markt zu nehmen, sei aber „keinesfalls geplant“.

Schwierigkeiten ergaben sich vor allem für Nutzer, die schon bei Flinkster oder Call a bike Kunde waren. Flinkster untersagte die Verknüpfung der neuen Bahncard mit seinem Lokaltarif, der gegen eine monatliche Grundgebühr günstige Stundentarife für die Auto-Ausleihe bietet. Das soll sich nun ändern. Bestandskunden wird künftig erlaubt, das Angebot der Hauptstadt-Bahncard mit dem aktuellen Tarif zu kombinieren. „Wir haben die Mitarbeiter an dieser Stelle erneut geschult“, teilte die Bahn mit.

Riskant bleibt es, die neue Bahncard mit der BVG-Umweltkarte elektronisch aufzuladen. Funktioniert dann bei Fahrscheinkontrollen das Lesegerät nicht, kann die Karte eingezogen werden – verbunden mit einer Menge Nervereien und auch Gebühren. Dieser Fall sei in der Praxis „aber eher unwahrscheinlich“, versichert die Bahn. Zudem betreffe er auch die Fahrcard des VBB – was stimmt, aber die Sache nicht besser macht.

Auch Tagesspiegel-Leser berichteten über negative Erfahrungen. „Da muss nur ein Kontrolleur zu dusslig und unwillens sein“, warnt einer vor der Karte mit Chip. Er empfahl, jeder solle „so lange wie möglich“ auf den klassischen Monatskarten auf Papier bestehen. Die Bahn habe nur an Neukundenaquise gedacht und nicht an die „Integration in die bestehende Mobiliätsstruktur der Nutzer“, kritisierte ein Leser. Ein anderer kaufte sich die Bahncard zum Start Mitte Dezember und hatte damit zwei Monate lang „nur Stress am Stück“: Der begann damit, dass er am Bahnhof Zoo erst erklären musste, dass die Bahn eine Carsharing-Tochter hat. Mehrere Leser berichteten, dass sie von Stelle zu Stelle laufen mussten, um alle Services der Bahncard nutzen zu können.

Enttäuscht werden können von der Mobilitätskarte auch Geringverdiener. Ein Nutzer aus Wedding entnahm dem Flyer von Flinkster, dass „keine Kaution“ für die Auto-Ausleihe zu hinterlegen ist. Nach negativer Schufa-Auskunft durfte er beim Carsharing aber doch nicht mitmachen. Weder der Einkommensnachweis über seinen 400-Euro-Job, ein ALG-2-Bescheid noch eine Bürgschaft seiner Mutter halfen weiter. „Ich bin wütend“, schrieb er der Bahn, die bei ihm auf 200 Euro Kaution besteht. Der Konzern verweist zur Begründung auf die im Bestellschein enthaltene Schufa-Klausel. Die DB Rent wolle aber auf eine mögliche Kaution „zukünftig in der Kundeninformation ebenfalls hinweisen“.

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