Berlin : Sechs Jahre IM

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Sie war 19, hatte Abitur und wollte studieren. In den Jahren 1973/74 sei sie von der Stasi angesprochen worden, sagt Anetta Kahane. Sie unterschrieb eine Verpflichtungserklärung. Dann begann sie an der Uni Rostock ein Studium der Lateirikanistik. Anetta Kahane, Leiterin der Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen (RAA), hat gestern noch einmal über ihre Stasi-Vergangenheit gesprochen. Dass sie IM war, stellt ihre mögliche Bewerbung um das Amt der Ausländerbeauftragten in Frage.

Losgesagt von der Stasi habe sie sich Ende 1980, Anfang 1981, sagt Kahane. Etwa sechs Jahre lang traf sie ihren Führungsoffizier. Der wollte wissen: Schmuggelten westliche Journalisten DDR-Bürger über die Grenze? Kahane sagt, sie habe nichts getan, um das herauszufinden. Erinnern kann sie sich auch an Nachfragen über ihre Kommilitonen. Waren die „zuverlässig“ genug, um als Dolmetscher ins Ausland geschickt zu werden? Sie habe nur Positives zu Protokoll gegeben, sagt Kahane. Als sie selber in Mozambique dolmetschte, habe sie mit der DDR gebrochen: Es störte sie „der rassistische Chauvinismus“, mit dem ihre Landsleute dort auftraten. Nach dem Diplom war Kahane Portugiesisch-Lehrerin an der Humboldt-Uni, dann freie Literatur-Übersetzerin.

Nach der Wende machte sie Karriere: Als Ausländerbeauftragte des Ost-Berliner Magistrats wurde sie in die Behörde ihrer West-Kollegin, Barbara John, übernommen. Die ordnete Kahane ab, um die Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen zu gründen – Hilfe für die im Osten Diskriminierten. Zwei Jahre war Kahane Angestellte im öffentlichen Dienst. 1993 wurden die RAA selbstständig. Unklar bleibt, ob Kahanes Abschied aus dem öffentlichen Dienst mit ihrer IM-Akte zu tun hatte. Kahane schließt das aus, die Sozialverwaltung gibt keine Auskunft. -ry

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