• Sechs Jahre nach der Tat nahm die Polizei einen Verdächtigen fest - die Leiche des Opfers war eher zufällig gefunden worden

Berlin : Sechs Jahre nach der Tat nahm die Polizei einen Verdächtigen fest - die Leiche des Opfers war eher zufällig gefunden worden

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Sechs Jahre nach dem Mord an der neunjährigen Marina Ermer hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Das Mädchen war am 10. Juli 1993 verschwunden. Erst ein Jahr später war die fast vollständig skelettierte Leiche des Kindes in einem Haus an der Doerpfeldstraße entdeckt worden, nur wenige Blocks von der Thomas-Müntzer-Straße entfernt, wo Marina Ermer gewohnt hatte. Spuren auf den Täter gab es damals offenbar nicht. Trotz einer Belohnung von 5000 Mark schien der Mordfall ungesühnt zu bleiben.

Das Kind war offenbar sexuell missbraucht worden, dann hatte es der Täter erwürgt oder erdrosselt, in Bettlaken gewickelt und in dem Haus zurückgelassen. Der Tatverdächtige, bei dem es sich um einen ehemaligen Bewohner des Hauses handeln soll, in dem die Leiche des Kindes gefunden wurde, bestreitet den Mord. Polizei und Justiz sind sich aber sicher, den Mann aufgrund von Beweisen überführen zu können: Am Tatort sei ein Fundstück sichergestellt worden, das unter anderem zu dem Tatverdächtigen führte, sagte Justizsprecher Martin Steltner. Einzelheiten zu diesem Fund, der offenbar eine Schlüsselrolle bei der Aufklärung des Kindermordes spielt, wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Dazu sei eine neue Bewertung von Zeugenaussagen gekommen, die die Ermittler in diesem sechs Jahre alten Fall ebenfalls weiter gebracht habe.

Möglicherweise wäre die Leiche des ermordeten Mädchens nie gefunden worden, wenn nicht ein Mieter des Hauses Doerpfeldstraße eine auf dem Dachboden abgestellte Couch holen wollte, weil er umzog. Bei einer großangelegten Suchaktion nach der verschwundenen Marin Ermer waren sowohl die gesamte Köllnische Heide und nahezu alle Abrisshäuser durchkämmt worden - bis auf das Gebäude, in dem später die Leiche gefunden wurde. Dieses hatte die Polizei ausgelassen: Es sei abgeschlossen gewesen, und für eine Durchsuchung habe keine rechtliche Handhabe vorgelegen, hatte die Polizei dieses Versäumnis damals begründet. Möglicherweise hätte die Tat bedeutend früher geklärt werden können, wenn die Leiche gleich gefunden worden wäre.

Die Polizei arbeitet ständig an sogenannten Altfällen und kann oftmals Jahre später auch dank neuer und verbesserter technischer Ausstattungen und Hilfsmittel Mordfälle klären. So wurde acht Jahre nach dem Mord an dem 53-jährigen Herbert Geerhardt im Jahre 1995 der Täter ermittelt. Geerhardt war Hauptabteilungsleiter im DDR-Volksbildungsministerium und 1987 erdrosselt worden. Dank eines neuen Fingerabdruckvergleichsverfahrens konnte der Täter von der Berliner Mordkomission überführt werden.

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