Berlin : Selten so gelangweilt

Tom Hanks lästert über „Wetten, dass...?“ Das ZDF reagiert gelassen auf die Kritik des Stars.

Häschen hüpf. Tom Hanks (r.) beim Kindergeburtstag von Markus Lanz. Foto: dpa
Häschen hüpf. Tom Hanks (r.) beim Kindergeburtstag von Markus Lanz. Foto: dpaFoto: dpa

Solche Gäste hat man gern. Hollywoodstar Tom Hanks hat nach seinem Auftritt bei „Wetten, dass..?“ am Samstagabend nicht mit Kritik an der ZDF-Sendung gespart. „Ich weiß gar nicht genau, was wir da gemacht haben“, sagte Hanks der „Bild"-Zeitung vom Montag. Auch Schauspielkollegin Halle Barry, die ebenfalls Gast in der von Markus Lanz erst zum zweiten Mal moderierten Show war, zeigte sich irritiert. Dem RBB-Sender 88,8 schilderte Hanks eine Szene, in der er „mit einer Katzenmütze auf dem Kopf“ dagestanden und zugeguckt habe, „wie der Moderator in einem Sack um mich rumhüpft“. „Wenn das nicht Hochqualitätsfernsehen ist“, fügte er hinzu. Noch nie vor „Wetten, dass..?“ habe er sich gewünscht, dass etwas schneller vorbei gehe als der Wahlkampf in den USA. In den Vereinigten Staaten wäre jeder Verantwortliche einer solchen vierstündigen Fernsehshow „am nächsten Tag gefeuert“ worden, zeigte sich Hanks überzeugt.

Das Konzept der Sendung sei Hanks, der vor Jahren schon einmal an der Seite von Leonardo DiCaprio in der ZDF-Show war, ohnehin bis heute ein Rätsel. „Ich habe die Show damals nicht verstanden, und ich verstehe sie heute genauso wenig“, sagte der Schauspieler dem Tagesspiegel. Halle Berry, die mit Hanks nach Deutschland gekommen war, um ihren gemeinsamen Film „Cloud Atlas“ zu promoten, klagte ihrerseits über die schwer verständliche Übersetzung.

Gut möglich, dass Hanks sich auch deshalb so langweilte, weil er bei Lanz uralte Geschichten ausgraben musste. Etwa die über seine Dreharbeiten in Eisenhüttenstadt. Diese Story hatte Hanks im Januar in der US-Show „David Letterman“ zum Besten gegeben. Hanks sprach – anders als bei „Wetten, dass…?“ – mit viel Leidenschaft über seine jüngste Zeit in Deutschland. Vor allem die Autobahnen haben es ihm angetan, die so groß seien wie Startbahnen auf Flughäfen, wo man so schnell fahren kann, wie man will. Begeistert habe ihn Eisenhüttenstadt. Die kommunistische Modellstadt mit viel Zement, von der Letterman noch nie etwas gehört hatte. Er hat versprochen: Ich komme bald wieder.

Zu Lanz kommt Hanks freiwillig wohl eher nicht zurück. Ob sich das das ZDF überhaupt wünscht und was der Sender von den Äußerungen seiner Gäste insgeheim hält, blieb am Montag offen. „Wir haben uns sehr gefreut, dass Halle Berry und Tom Hanks zu Gast bei ,Wetten, dass..?’ waren“, sagte eine ZDF-Sprecherin. „Der Livesituation geschuldet dauerte die Sendung etwas länger. In der Vergangenheit war ein Kritikpunkt an der Sendung, dass die Hollywood-Stars meist nur kurz auf der Couch dabei waren und damit den Eindruck vermittelten, zu Promotion-Zwecken in der Sendung zu sein.“ Das neue Konzept sehe vor, dass die Wetten im Mittelpunkt stehen und jeder prominente Wettpate eng mit seinem Wettkandidaten verbunden ist. Entsprechend waren die Anwesenheit und die Rollen von Halle Berry und Tom Hanks klar definiert. „Von einer Verstimmung bei Tom Hanks und Halle Berry war auch nach der Sendung nichts zu spüren“, so das ZDF weiter. „Im Backstage-Bereich nahmen sie sich sogar noch Zeit für Gespräche mit den anderen Wettpaten.“ Und ein, zwei Tage später für weitere Gespräche und heftige Kritik.gba/meh

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