Berlin : Senat lädt Religionen zum Gespräch Gemeinschaften sollen besser vernetzt werden

Rund 280 Christen, Muslime, Juden, Buddhisten und Anhänger anderer Religionsgemeinschaften sind am Montag ins Rote Rathaus gekommen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte die Glaubensgemeinschaften zum ersten „Berliner Dialog der Religionen“ eingeladen. Nach langem politischem Streit mit den Kirchen etwa während der Kampagne zu „Pro Reli“, aber auch nach sieben Anschlägen auf Moscheen geht das Land Berlin jetzt auf die Religionsgemeinschaften zu.

„Wir wollen eine Plattform zur Begegnung bieten und die Religionsgemeinschaften anregen, sich untereinander zu vernetzen“, sagte Wowereit. Er betonte, wie wichtig die Religionsgemeinschaften für das friedliche Zusammenleben seien. Wowereit verurteilte die Anschläge auf Berliner Moscheen. „So etwas ist verwerflich, egal wo es passiert, egal welche Religion es trifft.“

Ausgangspunkt der Konferenz war eine Bestandsaufnahme, wie viele interreligiöse Initiativen es in Berlin gibt. Am Montag stellte der Religionsbeauftragte des Senats das Ergebnis vor: 50 Einrichtungen und Projekte bemühen sich um die Verständigung der Religionen. Die Spektrum reicht von den Akademien der Kirchen bis zum interreligiösen Bauchtanz.

Inhaltlich will sich das Land zurückhalten. „Der Senat ist eine neutrale Instanz. Uns geht es nicht um theologische Debatten, sondern um das alltägliche Miteinanders“, sagte Wowereit. Man wolle den Rahmen stellen, füllen müssten ihn die Gläubigen. 2011 soll es drei weitere Dialog-Konferenzen geben. „Am Ende könnte die Institutionalisierung des Dialogs stehen oder eine Charta des Zusammenlebens“, sagte Kulturstaatssekretär André Schmitz und schwärmte von Berlin als „Modellstadt des Miteinanders von Gläubigen verschiedener Religionen“.

„Es wäre schon viel gewonnen, wenn bewusst wird, dass Berlin auch eine religiöse Stadt ist“, sagte Rüdiger Sachau von der Evangelischen Akademie. Er hoffe, dass das neue Interesse des Senats an den Religionen über das Wahljahr hinaus bestehen bleibe. Damit sich die Engagierten vernetzen, müsse ihnen der Nutzen deutlich sein. Da sahen einige im Saal Nachholbedarf. „Wir sind heute zugeredet worden“, schimpfte eine Frau. Beim nächsten Mal müsse es in Arbeitsgruppen um Konkretes gehen. „Zu harmlos“ sei das erste Treffen verlaufen, kritisierte Joachim Hake von der Katholischen Akademie. Einig waren sich aber alle: Gut, dass der Senat die Initiative gestartet hat. Auch darauf konnte man sich verständigen: Ohne Humor funktioniert kein Dialog. clk

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