Senatsverwaltung für Stadtentwicklung : Wildschweine sollen verstärkt gejagt werden

Im Kampf gegen die Wildschweinplage in Berlin sollen künftig verstärkt Frischlinge geschossen werden. In begründeten Einzelfällen sollen dazu Ausnahmen von den Verboten von Schrotmunition und Kleinkaliber erteilt werden.

Wildschweine leben nicht nur im Wald, sondern immer öfter auch in der Stadt. Und richten teils erheblichen Schaden an.Alle Bilder anzeigen
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25.03.2011 13:43Wildschweine leben nicht nur im Wald, sondern immer öfter auch in der Stadt. Und richten teils erheblichen Schaden an.

BerlinWie Staatssekretärin Maria Krautzberger von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion mitteilte, werden verschiedene Maßnahmen ab dem kommenden Jagdjahr forciert, um dem erhöhten Schwarzwildaufkommen zu begegnen. Krautzberger zufolge ist vorgesehen, die Frischlingsbejagung zu verstärken, um den Zuwachs der Population „erheblich zu reduzieren“.

Umgepflügte Beete, geplünderte Müll- und Komposttonnen und Rotten, die sich in Vorgärten tummeln – solche Erlebnisse mit Wildschweinen haben längst nicht mehr nur die Bewohner der Außenbezirke. Es sei keine Seltenheit, dass die Tiere an einem Tag 15 Kilometer weit in die Innenstadt laufen, sagt Rainer Altenkamp, Vize-Vorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Berlin. Und da es in Berlin immer mehr Schwarzwild gibt – Altenkamp schätzt den Bestand auf etwa 10.000 –, wird auch zunehmend über den Umgang damit in der Stadt diskutiert.

Bei Zerstörungen gebe es keinen Schadensersatzanspruch, sagte der Leiter des Forstamts Grunewald, Elmar Kilz: „Wilde Tiere sind herrenlos.“ In Charlottenburg gibt es Wildschweine zum Beispiel im Volkspark Jungfernheide, Rotten streifen laut Anwohnern auch durch Eichkamp und Westend. Selbst am Kurfürstendamm werden die Tiere manchmal gesichtet.

Leider werde das Fütterungsverbot für Wildschweine ständig ignoriert, obwohl dies bis zu 5000 Euro kosten könne, sagte Kilz. So füttere ein „notorischer und mehrfach verurteilter“ Arbeitslosengeldempfänger regelmäßig Wildschweine an der Havelchaussee. Hausbesitzer sollten Abfallbehälter sicher verschließen und stabile Metallzäune sowie selbst schließende Tore installieren.

Um diese Maßnahme der Frischlingsbejagung zu unterstützen, sollen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zufolge in begründeten Einzelfällen Ausnahmen von den Verboten von Schrotmunition und Kleinkaliber sowie dem Einsatz künstlicher Lichtquellen erteilt werden. Jäger erhalten den Angaben zufolge auch Prämien für den Abschuss von jungen Wildschweinen bis zu einem Gewicht von 15 Kilogramm.

Um den Tieren auch auf schwer zugänglichen Flächen nachstellen zu können, wird in Einzelfällen der Einsatz von sogenannten Saufängen geprüft. Ohne behördliche Genehmigung sind nach dem Bundesjagdgesetz Saufänge sowie Fang- oder Fallgruben verboten.

Die Zahl der Wildschweine in Berlin wird auf mehrere Tausend geschätzt. Die Tiere werden zunehmend ein Problem. Jüngst wühlten Wildschweine den britischen Soldatenfriedhof an der Heerstraße im Berliner Stadtteil Charlottenburg um. Auch der Südwestfriedhof in Stahnsdorf vor den Toren Berlins wird regelmäßig von Rotten heimgesucht.

„Die Bestände schwanken stark“, sagte Kilz. Seit Jahresbeginn bis Mitte Februar wurden in den Wäldern bereits 700 Wildschweine erlegt, während es im gesamten Vorjahr nur 967 waren. (ssch, CD, dapd)

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