Berlin : "Sexybilities" stellte sich im SO 36 vor

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Dass ein Behinderter mit Schwerbehindertenausweis im Puff nicht für die Hälfte bedient wird, oder dass "Manni" Hubert sowohl auf nichtbehinderte und behinderte Frauen sowie nichtbehinderte Männer und behinderte Männer steht, konnte das Publikum im SO 36 erfahren. Oder, was zwei schwangere Frauen sich so auf der Parkbank zu erzählen haben. "Sexybilities" - so heißt die neue Beratungsstelle für Behinderte rund ums Thema Sex, die jetzt mit einer Party vorgestellt wurde. Matthias Vernaldi von der Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen (ASL) hat die Beratung, die übers Telefon oder persönlich erfolgen kann, mitinitiiert. "Behinderte sollen Behinderte beraten", sagt Vernaldi. "Viele haben das Bild von Sex, das von der Außenwelt an sie herangetragen wird, komplett verinnerlicht." Das populäre Schönheitsideal sei schuld daran, "dass Behinderte oft keinen Sex mit jemand anderem haben."

Auch Partnerschaftsprobleme könnten, so Vernaldi, diskutiert werden. Allgemeine Informationsstellen seien nicht auf die Behinderten-Problematik spezialisiert. Drei Professionelle, selbst behindert und mit langjähriger Erfahrung in Psychologie und Sozialarbeit, stehen den Hilfesuchenden zur Verfügung und kommen auch zu den Betroffenen nach Hause. In Planung ist außerdem eine Vermittlung für Sexdienstleistungen, die zum Beispiel eine Weitervermittlung an qualifizierte Prostituierte beinhaltet. Das Projekt soll sich finanziell selber tragen, daher muss "Sexybilities" eine Gebühr erheben.

Die Party zur Gründung im SO 36 sponserte allerding die Behindertenorganistation "Aktion Mensch", vormals "Aktion Sorgenkind". Dort war auch eine Ausstellung mit Werken der behinderten Fotografin Liane Krüger zu sehen. Die selbstinszenierten Aktfotos der Künstlerin hingen im Café und im Saal des SO 36 - leider nur für die Dauer des Abends. Den Auftakt der Veranstaltung, zu der etwa 20 Rollstuhlfahrer erschienen waren, bildete zur Einstimmung die Vorführung von erotischen Kurzfilmen. In einem eigens installierten Himmelbett mit angelegter Rampe versuchten sich Vernaldi und Manfred Hubert, letzterer von Kopf bis Fuß gewandet in Kuhfellimitat, an einer kurzen kabarettistischen Einlage. Manchem Zuschauer blieb nach einer Serie von sehr bösen Witzen das Lachen regelrecht im Halse stecken. Trotzdem: Partystimmung wollte im SO 36 nicht so recht aufkommen.Kontakt unter Telefon 680 805 76.

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