Shooting-Star Louis Hofmann : Süß war gestern

Der 19-jährige Louis Hofmann gilt als große deutsche Schauspielhoffnung. Ein Treffen im Berlinale-Rummel.

Ein Kopf, viele Gesichter. Mit 19 Jahren spielt der Wahlberliner bereits auf preisverdächtigem Niveau.
Ein Kopf, viele Gesichter. Mit 19 Jahren spielt der Wahlberliner bereits auf preisverdächtigem Niveau.Uhler/ European Film Promotion

Gerade beugen sich Louis Hofmann und der Fotograf über die frisch geknipsten Pressebilder, da stolpert Alessandro Borghi in das Hotelzimmer am Ku’damm. Er ist Hofmanns italienisches Pendant, eines der zehn Schauspieltalente, die als European Shooting Stars 2017 ausgewählt und nun mit viel Tamtam auf der Berlinale präsentiert wurden. Als Borghi seinen Kollegen erblickt – recht klein und drahtig, der cremefarbene Wollpullover geht nahtlos in den blonden Schopf über – reißt er die Augen auf. „Darf ich fragen, wie alt du bist?“ – „Neunzehn.“ – „Wow, du siehst so jung aus.“ – „Das sagen sie mir hier in Berlin an den Clubtüren auch immer.“ Alles lacht, der Fotograf, die Visagistin, die PR-Frau und Borghi. Louis Hofmann grinst. Zurzeit kommt er überall gut an, hat hochkarätige Jobs, die Filmjournalisten wittern Star-Potenzial. Prädikat: Läuft für ihn – und geht eigentlich gerade erst los.

Nun steht der Wahlberliner für die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ vor der Kamera. Matthias Schweighöfer besetzte ihn wiederum in der Amazon-Serie „You Are Wanted“. Und nachdem er die Hauptrolle im Erziehungsheim-Drama „Freistatt“ übernahm, erhielt Hofmann – völlig zurecht – den Bayerischen Filmpreis als Bester Nachwuchsdarsteller. Die dänisch-deutsche Produktion „Unter dem Sand“ – hier spielt er einen jungen Kriegsgefangenen – könnte demnächst sogar einen Auslands-Oscar abstauben. Der Jury des Deutschen Filmpreises war seine Leistung immerhin schon eine Sonderauszeichnung wert.

Seine Anfänge liegen im WDR-Vorabendprogramm

Louis Hofmann ist so jung schon so weit gekommen, dass nicht nur Alessandro Borghi große Augen bekommt. Die Anfänge seiner Karriere findet man aber im WDR-Vorabendprogramm, beim Verbrauchermagazin „Servicezeit“: Eine Freundin der Familie arbeitete für das Format und bat die Hofmanns einzuspringen, als eine Testerfamilie ausfiel. Also ging der neunjährige Louis mit seinen Eltern auf Paddeltour, es war sein Debüt vor der Kamera. Sommersprossen, der süße Wackelzahn – die Crew mochte ihn gleich, erzählt Louis Hofmann.

Aber was auch immer andere über sein Gesicht sagen, seine perfekte, facettenreiche Jungenhaftigkeit – für ihn war die Sache mit der Schauspielerei ja schon damals kein bloßes Kinderspiel: Der Junge aus einer Künstlerfamilie in der Nähe von Köln wollte um jeden Preis weitermachen, Hauptsache wieder ans Set, Hauptsache drehen. Und wenn es sein muss, dann eben auch Tests von Freizeitangeboten. Zwei Jahre lang setzte ihn der WDR einmal pro Monat ein, dann überredete er seine Eltern, ihn bei einer Schauspielagentur anzumelden.

Er schwärmt für Berlins breite Straßen und den Fahrtakt der Tram

2011 kam die erste Hauptrolle als schlitzohriger „Tom Sawyer“ im gleichnamigen Kinderfilm. Kaum zu glauben, was er drei Jahre später in „Freistatt“ ablieferte: Wie er den freiheitsliebenden Wolfgang darstellt, der mit aller Kraft gegen einen tyrannischen Heimleiter ankämpft, dabei selbst immer roher wird und sich schließlich ganz verliert – das ist große Kunst, kraftvoll, ohne klebrigen Pathos. Und dann zuletzt sein Einsatz als schwuler Teenie in der Steinhöfel-Verfilmung „Die Mitte der Welt“. „Das fiel mir schon schwerer, weil es mir selbst weniger entspricht.“ Zart-gläsern spielt er den Phil, fragil, mehr Wesen als Junge. Wahnsinn. Woher kann er das nur alles?

Eine Schauspielschule hat Louis Hofmann bisher jedenfalls nicht besucht. „Aber ich habe Lust, im Ausland etwas zu lernen, vielleicht in New York.“ Noch aber schwärmt er für Berlins breite Straßen und den Fahrtakt der Tram, das sei in Köln ja etwas anders gewesen. Mit einem Freund teilt er seit Ende 2014 eine Wohnung in Prenzlauer Berg. Dass der Bezirk zuletzt Anfang der 2000er Jahre angesagt war, stört ihn nicht. Er mag seinen Kiez und: „Ich bin sowieso in der ganzen Stadt unterwegs.“ Freunde treffen, in Clubs gehen („bei Unter-21 komme ich problemlos rein“) und auf Konzerte.

Vor zwei Monaten war er bei Nicolas Jaar in der Columbiahalle, „wahnsinnig toll“ sei das gewesen, seine Hände fliegen durch die Luft. Jaar wurde vor ein paar Jahren – da kannte Hofmann seine Musik noch gar nicht – als Nachwuchstalent der Produzentenszene gefeiert. Erkennen sich Wunderkinder eigentlich untereinander?

Nächste Station: Kifferkomödie

Einige andere hat Louis Hofmann nun am ersten Berlinale-Wochenende durch die Nominierung für die European Shooting Stars kennengelernt. „Ist ein bisschen wie eine Schauschi-Klassenfahrt“, witzelt er. Bloß: Sie alle spielen meilenweit über dem Niveau jeder Schauspiel-Schul-AG. Die Auszeichnungen, die sie bekommen, hielten auch schon eine junge Alicia Vikander und Nina Hoss, ein junger Daniel Craig und Moritz Bleibtreu in ihren Händen.

Neben Letzterem ist Louis Hofmann ab März in der Fortsetzung der Kifferkomödie „Lammbock“ zu sehen. Die Frage, ob man privat witzig sein muss, um als Schauspieler andere zum Lachen bringen zu können – geschenkt. Hofmann kann jedenfalls aus dem Stand einen Witz erzählen, „aber der darf den Raum nicht verlassen“. Was dann kommt: Fritzchen-Humor mit klassischer Dreier-Steigerung, ein bisschen dreckig. Und Louis Hofmann kichert darüber, wie man mit fast 20 Jahren nun mal kichert.

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