Berlin : Skater auf die Straße: Nach der SPD ist nun auch die CDU für einen Versuch

Jörn Hasselmann

Auch die CDU will nun testen, ob sich Skater auf der Straße mit anderen Verkehrsteilnehmern vertragen. Ihr Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek sagte gestern, dass eine Route von der Innenstadt zur Freien Universität für Rollschuhfahrer freigegeben werden könnte. Dies ist derzeit nach der Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt. Der Veranstalter der Blade Night, Jan Philipp Sexauer, forderte erneut die Einreihung der Skater in den normalen Straßenverkehr: "Solange wird es auch die Blade Night als Demonstration geben." Das sei kein Modetrend. Er forderte, die Skater wie Radfahrer auf öffentlichen Straßen fahren zu lassen.

Bereits am Donnerstag hatte der SPD-Verkehrsexperte Christian Gaebler die Freigabe aller Berliner Tempo-30-Zonen an den Septemberwochenenden gefordert. 70 Prozent aller Berliner Straßen liegen in Tempo-30-Zonen. Kaczmarek sagte, es liege nun in der Hand der Straßenverkehrsbehörde, den Versuch zuzulassen. Der Koalitionspartner SPD habe bereits seine Zustimmung signalisiert. Die Grünen im Abgeordnetenhaus waren wiederholt dafür.

Die großen Parteien reagieren nun im Wortsinne auf den Druck von der Straße. Denn bei den Skaterdemonstrationen - den "Blade Nights" - nehmen an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat mittlerweile zehntausende Menschen teil. Der Rekord liegtungefähr bei 60 000 Teilnehmern. Die SPD-geführte Verkehrsverwaltung bremste gestern jedoch die Experimentierfreude der Parteien. "Nach deutschem Recht sind Skates Spielzeug", betonte die Pressereferentin Petra Reetz. Das Land Berlin könne nicht die Straßenverkehrsordnung aushebeln. Jedoch stünde man einem Versuch wohlwollend gegenüber. Zum Beispiel könnte Sexauer den Antrag stellen, in einem bestimmten Bereich einen Versuch zu starten. Die Verkehrsverwaltung denkt dabei an vier bis fünf zusammenhängende Tempo-30-Straßen. "Das muss aber beschildert werden", betonte Frau Reetz. Denn den Autofahrern müsse klar zu erkennen gegeben werden, dass ein neuer, ungewohnter Verkehrsteilnehmer auftauchen könne. Frau Reetz sagte weiter, dass auch eine Altersgrenze von zwölf oder 14 Jahren und eine Beleuchtungspflicht zur Bedingung gemacht werden müssten. Grundsätzlich sei es für das Land aber möglich, eine Probe zu starten.

Die CDU hatte gestern bei der Anhörung auch die BVG, den ADAC und die Taxi-Innung aufs Podium gebeten, nicht aber den Fahrradverband ADFC. Dabei wären Radler von einer ebenfalls diskutierten Öffnung von Radwegen stark betroffen, da Skater langsamer sind und durch die Pendelbewegungen viel Platz benötigen.

Überraschend sagte ADAC-Chef Eberhard Waldau, dass in den Außenbezirken sehr wohl Tempo-30-Zonen für Skater freigegeben werden könnten. "Aber keine Hauptverkehrsstraßen", betonte Waldau. "Und nicht in der Innenstadt", ergänzte Wolfgang Wruck von der Taxi-Innung: "Inline-Skates sind Sportgeräte und haben auf der Straße nichts zu suchen."

Wruck und Waldau glaubten, die Skater gefährdeten häufig andere Verkehrsteilnehmer. Dies glaubt Sexauer aber keineswegs und sagte: "Wenn ein Skater von der Fahrbahn abkommt, holt er sich eine blutige Nase. Kommt ein Auto von der Straße ab, kann es Tote geben."

Auch dem Vorwurf der Auto-Lobby, dass Skates kein Verkehrsmittel seien, sondern Spielzeug, widersprach Sexauer. Er betonte, dass auch das Auto zu einem bedeutenden Anteil aus reinem Spaß oder als Hobby bewegt würde. Barbara Mansfield, die Sprecherin von der BVG lehnte die Freigabe von Straßen und besonders der Busspuren für Skater ab.

Verkehrsexperte Roland Jannermann vom ADFC sagte auf Anfrage, dass sich der Verband sehr wohl mit Skatern auf Radwegen oder auf der Straße anfreunden könne. Besser als ein kleiner Versuch sei aber eine bundesweite Regelung. Jan Philipp Sexauer begrüßte dagegen den Kaczmarek-Vorschlag als "kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Skatern und Gegnern" auf den Straßen. Die Blade Night werde es zunächst weiter an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat geben.

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