Berlin : Skater-Demo: Unter falscher Flagge: Sportgeschäft plante Blade Nights

Cay Dobberke

Ein Sportgeschäft hat geplante Skater-Demonstrationen am kommenden Mittwoch und am 8. August eigenmächtig als "Blade Nights" tituliert und dafür Ärger mit dem Blade-Night-Erfinder und Rechtsanwalt Jan-Philipp Sexauer bekommen. Er wirft dem Ski-Shop Charlottenburg eine "Rufausbeutung" vor und verschickte eine Abmahnung. "Ich besitze die Markenrechte." Zuvor hatten Ladenmitarbeiter gegenüber dem Tagesspiegel behauptet, Sexauer sei mit der Veranstaltung und dem Namen einverstanden. Der Anwalt hatte die "Blade Nights" mit bis zu 60 000 Teilnehmern nach zwei Jahren im März gestoppt.

Erst am Freitagabend deutete sich eine Beilegung des Streits an. Geschäftsinhaber Bernd Sauerland benannte seine Kundgebung in "Skate-Demo" um und veranlasste, dass Werbeplakate überklebt werden. Auch im Internet wurden die Bezeichnungen geändert.

Wie bei der Original-Blade-Night sollen Inline-Skater am Mittwoch um 20 Uhr am S-Bahnhof Tiergarten starten und später dorthin zurückkehren. Die Route führt am Brandenburger Tor entlang, durch Tiergarten und Schöneberg auf die Tauentzienstraße und den Kurfürstendamm bis zum Adenauerplatz sowie über die Kaiser-Friedrich-Straße, Otto-Suhr-Allee und Straße des 17. Juni. Die Teilnehmer werden auch an dem Geschäft entlangrollen, das an der Otto-Suhr-Allee liegt. Die Sporthandlung warb mit einem "speziellen Blade-Night-Tarif" beim Skate-Verleih.

Sexauer sagt, er habe nichts gegen die Demonstration, wenn sie unter anderem Namen laufe. Besonders ärgern ihn "kommerzielle Interessen" des Ladens. Geschäftsinhaber Sauerland bestreitet diese: Es gehe um das Recht, auf Radwegen zu rollen. Mit dieser Forderung wurde die Kundgebung auch angemeldet. Der Versammlungsbehörde teilten die Organisatoren mit, 500 bis 1000 Teilnehmer seien zu erwarten.

Die Anerkennung der Skater als Verkehrsteilnehmer stand auch bei der Blade Night im Mittelpunkt. Sexauer beendete die Demonstrationen, weil sie zu groß geworden seien und sich zu einer Art Love Parade der Skater entwickelt hätten. Er erwägt aber, 2002 neue Blade Nights zu organisieren, falls die Forderungen unerfüllt bleiben. Zuletzt gab es nur noch die Skater-Demo "berlinparade", die am Freitagabend erneut am Alexanderplatz startete. Die Teilnehmerzahl ist dort auf mehrere Tausend gestiegen.

Rechtlich gelten Skates als "Spiel- und Sportgeräte". Ihr Gebrauch ist fast nur in Wäldern und Parks oder auf abgesperrten Straßen erlaubt. Darüber hinaus "duldet" der Senat die Skater inzwischen auf Radwegen neben einem Geweg. Die Grünen beantragten im Abgeordnetenhaus schon 1998 die Öffnung von Straßen für "Trendsportarten" und erneuerten den Vorstoß im Frühjahr. Auch die CDU und SPD haben beantragt, Berlin zur "Skater-Hauptstadt" zu machen. In wenigen Tagen will die Verkehrsverwaltung unter Senator Peter Strieder (SPD) ein Konzept vorlegen. Laut einer Sprecherin beraten Experten noch Sicherheitsfragen wie die "Signalgebung" mit Klingeln oder Tröten, die "Erkennbarkeit" bei Dunkelheit und eine mögliche Helmpflicht.

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